Neuinterpretation eines Klassikers
Freitag September 8
Mit der Studie "Concept Delta HPE" zeigt Lancia auf den 63. Internationalen Filmfestspielen in Venedig einen Ausblick auf die kommende Kompaktklasse aus Italien. Was hat Lancias künftiger Hoffnungsträger zu bieten?
Pünktlich zum hundertjährigen Firmenjubiläum präsentiert Lancia einen würdigen Delta-Nachfolger. Der Vorgänger aus den Siebzigern ist noch heute für seine Rennerfolge bekannt und gilt als Ikone des Rallyesports. Mit den Jahren verblasste der Glanz, und Lancia verprellte die Fans mit weniger begehrenswerten Gefährten, wie etwa Dedra oder Lybra. Einzig der gefällige Ypsilon sicherte das Überleben der Marke. Doch nun wagt Lancia mit dem "Concept Delta HPE" einen neuen Versuch in der Golf-Klasse. Als kompakte Limousine mit sportlicher Shooting Brake-Karosserie zeigt er Stilelemente der neuen italienischen Formensprache. Eine "Flying-Bridge"-Dachkontur, große Fensterflächen und ein verchromter Kühlergrill als moderne Interpretationen des Lancia Grills aus den Fünfzigern verweisen auf das neue Selbstbewusstsein der luxuriösen Fiat-Tochter. Hinzu kommen seitliche Chromleisten, welche die dynamische Silhouette des Fahrzeugs akzentuieren. Ein optischer als auch technischer Kniff ist die Heckscheibe, die ohne unteren Rahmen auskommt und das rassig gestaltete Heck in Form bringt.
Geschmackvoll und komfortabel Reisen
Italienische Autos verfügen zwar meist über ein exzellentes Design, beim Platzangebot patzen die eng geschnittenen Fahrzeuge jedoch in der Regel. Nicht so beim Lancia. Mit 4,50 Metern Länge und einem Radstand von 2,70 Metern fällt das Konzeptfahrzeug länger aus als aktuelle Vertreter der Kompaktklasse. Speziell im Fond genießt man ein überdurchschnittliches Platzangebot und Kniefreiheit auf Mittelklasseniveau. Clou ist eine längs verschiebbare Rückbank, mit der Ladevolumen und Platzangebot situationsbedingt variiert werden können. Das durchschnittliche Kofferraumvolumen liegt bei über 400 Litern. Designtechnisch überzeugt das "Centro Stile Lancia" auch im Innenraum. Optisch und haptisch anspruchsvolle Materialien, wie Polster aus Alcantara und Leder sowie integrierte Holz- und Chromeinlagen tragen zur hochwertigen Anmutung bei. Großflächige Seitenfenster und ein großzügig dimensioniertes Glasschiebedach schaffen eine helle und freundliche Atmosphäre. Eine aufwendige Schalldämmung bringt hohen Geräuschkomfort während eine Zweizonen-Klimaautomatik den Fahrer verwöhnt.
Sound neuester Generation
Bei der Audioanlage geht Lancia ebenfalls neue Wege. Ein Bose-Hifi-System, einschließlich lenkradintegrierter Fernbedienung, sorgt für die richtige Akustik. Dabei kommt das gemeinsam von Fiat und Microsoft entwickelte Car-Infotainmentsystem "Blue&Me" auf "Windows-Mobile for Automotive"-Basis zum Einsatz. Es kombiniert die Vorteile der Bluetooth-Technologie und der USB-Anschlusstechnik. So ist es problemlos möglich, Musik von unterschiedlichen plug&play-fähigen MP3-Playern über die Bordanlage abzuspielen. Mangelnde Soundqualität und nervender Kabelsalat durch Adapterkassetten sind damit Geschichte. Als mögliche Motorisierung kommen Benzin- und Dieselmotoren mit einem Leistungsspektrum von 120 bis über 200 PS in Frage. Die Aggregate werden sowohl mit manuellen als auch mit automatisierten Sechsganggetrieben zu kombinieren sein.
Der Lancia macht einen viel versprechenden Eindruck. Der kriselnden Marke wäre ein Erfolg zu wünschen. Dabei muss allerdings auch die Qualität stimmen, die in früheren Jahren ein schlechtes Image bescherte. Bei Fiat und
Alfa Romeo haben die Qualitätsbemühungen bereits gefruchtet. Bleibt zu hoffen, dass Lancia im zweiten Quartal 2008 wirklich ernst macht und einen würdigen Nachfolger der Rallyeikone auf den Markt bringt.
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