Montag Juni 9
Wie fast alle Stahldach-Cabriolets entfaltet auch der Nissan Micra C+C seine Schönheit nur bei geöffnetem Dach. Bei geschlossener Haube leidet der Japaner unter seinem ausladenden Hinterteil, welches durch die Kleinwagen-Dimensionen noch zusätzlich betont wird. Doch "oben ohne" verwandelt sich der kürzlich modellgepflegte 2+2-Sitzer in ein knuffiges Frischluftgefährt mit Niedlichkeitsbonus. Mit dem 1,6-Liter-Ottomotor mit 81 kW/110 PS kostet der Zweitürer ab 20 700 Euro.Die Front des Cabrios ist gegenüber der Limousine unverändert und fällt vor allem durch die großen und gewölbten Scheinwerfern ins Auge. Im Vergleich zur Limousine misst das Cabrio 8,7 cm mehr in der Länge und 12,2 cm weniger in der Höhe. Neben dem vergrößerten Heck für die Unterbringung des Klappdaches wurde beim C+C auch die Windschutzscheibe modifiziert. Sie steht steiler nach hinten als bei der geschlossenen Variante und dringt dadurch empfindlich weit in den Kopfraum von Fahrer und Beifahrer ein. Dies mindert die Sicht und erhöht bei Großgewachsenen ab 1,85 Meter die Gefahr, sich mit dem Kopf an der Abschlussleiste der Scheibe zu stoßen.
Generell ist der 2+2-Sitzer kein Auto für große Menschen. Zwar können sich Fahrer und Beifahrer bei weit nach hinten geschobenen Vordersitzen nicht über mangelnde Beinfreiheit beschweren, doch auf den Kopf sollte man bei heftigem Tritt auf die Bremse stets Acht geben. Die hinteren Plätzen dienen als Ablage und ergänzen so das Kofferraumvolumen. Verschwindet das vollautomatische Klappdach des Micra C+C nach 22-sekündigem Knopfdruck im Heck, schrumpft das Kofferraumvolumen von 457 Liter auf 255 Liter. Das ist genug, um den Single-Wochenend-Einkauf unter der etwas schwergängigen Kofferraumklappe zu verstauen.
Als solides und zuverlässiges Triebwerk erweist sich der 1,6-Liter-Ottomotor mit 81 kW/110 PS, der wahlweise an ein manuelles Fünfgang- oder ein automatisches Viergang-Getriebe gekoppelt ist. Die selbst schaltende Box verrichtet ihre Arbeit unauffällig und kaum wahrnehmbar. Doch muss der Kunde für diesen Komfort sowohl einen Aufpreis von 800 Euro als auch einen Mehrverbrauch von rund 0,7 Liter auf 100 Kilometern in Kauf nehmen. Damit steigt der vom Hersteller angegebene Durchschnittsverbrauch auf 7,4 Liter je 100 Kilometer, in der Praxis liegt dieser Wert jedoch deutlich über der Acht-Liter-Grenze. Die Höchstgeschwindigkeit erreichte der Japaner bei 190 km/h, den Spurt auf Tempo 100 erledigt der Kleinwagen in 10,6 Sekunden. Als Alternative zum 1,6-Liter-Benziner hat Nissan auch noch einen 1,4-Liter-Ottomotor mit 65 kW/88 PS im Programm.
Die Ausstattung des Innenraums entspricht dem Klassenstandard. Leicht altbacken erscheint jedoch der riesige Schaltknüppel des Automatikgetriebes, der sich unterhalb der Mittelkonsole zwischen den beiden Frontsitzen befindet. Die Sitze des Kleinwagens setzen durch die konkave Form der Sitzfläche ein schmales Gesäß voraus und die Rückenlehne gibt den Druck des Kopfes gegen die Kopfstütze an den Fahrer weiter. Doch das kann den Spaßfaktor bei der dachlosen Fahrt über kurvige Landstraßen nicht trüben. Flink und wendig schlängelt das Klappdach-Cabrio durch die Landschaft, und selbst bei höheren Geschwindigkeiten halten sich die Luftverwirbelungen im Passagierraum noch in Grenzen.
Der Micra C+C ist serienmäßig mit einem Multifunktionslenkrad, einem Glasdach sowie einem abschließbaren und nicht sichtbaren Ablagefach unter dem Beifahrersitz ausgerüstet. Ebenfalls immer an Bord ist ein Geschwindigkeitswarner, der den Fahrer mit einem akustischen Signal darauf hinweist, dass er die zuvor eingespeicherte Höchstgeschwindigkeit überschritten hat. Ab der Ausstattungslinie Tekna sind zudem ein Sechsfach-CD-Wechsler, eine Klimaautomatik, Sitzheizung und ESP an Bord. Für den kleinen Motor und für das Automatikgetriebe ist der Schleuderschutz jedoch nicht bestellbar. Der Fiskus verlangt für den Japaner 108 Euro Steuern pro Jahr, für die Haftpflichtversicherung werden beispielsweise bei der AXA 525 Euro jährlich fällig.
Der erstmals auf der IAA 2005 in Frankfurt vorgestellt Kleinwagen-Cabrio läuft in Sunderland vom Band. Er tritt gegen Wettbewerber wie den Colt CZC und den Peugeot 207 CC an. Bereits ab der Ausstattungslinie More ist der C+C ein umfangreich ausgestattetes Spaßmobil mit gutem Preis-Leistungsverhältnis und ausklappbarem Sonnenschutz. Sabine Schwarz/mid
Nissan Micra C+C - Technische Daten:
2+2-sitziges Stahldach-Cabriolet der Kleinwagen-Klasse; Länge/Breite/Höhe/Radstand: 3,80 Meter/1,67 Meter/1,42 Meter/2,43 Meter; Kofferraumvolumen: 457 Liter bei geschlossenem und 255 Liter bei geöffnetem Dach.
Motoren: 1,6-Liter-Benzinmotor mit Vierstufen-Automatik, Leistung: 81 kW/110 PS, max. Drehmoment: 153 Nm bei 4 400 U/min, 0-100 km/h: 10,6 s, Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h, Durchschnittsverbrauch 7,4 l/100 km Superbenzin, CO2-Emissionen: 175 g/km, Beiträge bei der AXA-Versicherung: KH: 525 Euro (Typklasse 14, SF-Klasse 1), VK: 754 Euro (Typklasse 21, SF-Klasse 1, 300/150 Euro SB), TK: 122 Euro (Typklasse 22, 150 Euro SB), Preis: ab rund 20 700 Euro. mid/sas
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