Großer Motor, kleines Auto und ein VW-Zeichen an Bug und Heck. Das muss ein Golf GTI sein? Beinahe - Volkswagen lässt den Golf GTD als sportlichen Kompaktdiesel wieder aufleben. Und der hat bei den Wolfsburgern Tradition. Bereits 1982 gab es die erste Generation mit bescheidenen 70 PS, heute leistet der GTD 125 kW/170 PS aus zwei Litern Hubraum. Ab dem 26. Juni steht der flotte Selbstzünder zu Preisen ab 27 475 Euro beim Händler.
Optisch orientiert sich der VW Golf GTD an seinem Benziner-Pendant Golf GTI. Die markante Front mit den senkrechten Nebelscheinwerfern und dem monströsen Lufteinlass unterscheidet sich nur durch die Zierstreifen im Kühlergrill - sie sind silbern statt rot. Für einen sportlichen Abgang sorgen der vergrößerte Dachspoiler und der speziell geformte Stoßfänger mit Diffusor-Optik. Auch im Innenraum setzt der Sportdiesel Akzente: Silbergraue Nähte zieren das kleine Lederlenkrad und die Schaltmanschette, Karostoff im Retro-Design schmückt die Sitze.
Mit seinen 350 Newtonmetern Drehmoment schiebt der GTD ab der Leerlaufdrehzahl kräftig an. Bereits nach 8,1 Sekunden steht die magische 100 auf dem Tacho, erst bei 222 km/h ist Schluss mit der Beschleunigung. Nicht schlecht für einen Diesel. Und es geht munter weiter: Selbst bei Autobahngeschwindigkeit packt der Motor den kleinen Golf und zieht ihn Richtung Horizont. Dank Common-Rail-Einspritzung bleibt der Motor dabei angenehm laufruhig. Kein Vergleich zu den bisherigen Pumpe-Düse-Dieseln. Wirklich toll: Wie schon beim GTI wird der Sound durch einen Generator verfremdet - der GTD hört sich angenehm heiser und so gar nicht nach Diesel an.
Das hohe Drehmoment schreit förmlich nach einer Automatik und VW gibt die perfekte Antwort. Für 1875 Euro Aufpreis gibt es das Doppelkupplungsgetriebe DSG. Schaltvorgänge erkennt man nur noch am Zucken des Drehzahlmessers und auch die Fahrleistungen leiden kaum. Trotzdem soll der GTD mit 5,6 Litern Diesel 100 Kilometer weit kommen, die manuell geschaltete Version benötigt laut Hersteller nur 5,3 Liter. Mit dem 55 Litertank sind so 1 000 Kilometer und mehr am Stück möglich.
Die Fahrwerksabstimmung passt zu den sportlichen Fahrleistungen. Auf der Landstraße gefällt der Diesel-Golf mit präzisem Einlenken und seiner neutralen Abstimmung. Auch die Kopflastigkeit früherer Dieselmodelle ist nicht mehr vorhanden - nerviges Untersteuern war gestern. Zwar ist der GTD keine Sänfte, der Komfort geht angesichts dieser querdynamischen Qualitäten aber in Ordnung. Noch besser macht sich die Version mit dem aufpreispflichtigen DCC-Fahrwerk für 925 Euro. Im Komfortmodus ist der GTD dann deutlich weicher gefedert als die Standardvariante.
An der Kasse heißt es tapfer sein. Mindestens 27 475 Euro will der VW-Händler für den GTD haben. Das sind 825 Euro mehr als für den 154 kW/210 PS starken GTI. Dafür ist die Ausstattung des GTD ziemlich reichhaltig. Klimaautomatik, 17-Zoll-Leichtmetallräder, Parkpilot und CD-Radio sind immer mit an Bord. Angesichts seiner Qualitäten ist das Geld für den GTD also gut angelegt. Wie schon beim GTI hat VW es verstanden, die Tradition des üppig motorisierten Kompaktwagens mit einem liebevollen Blick für Details wieder zu beleben. Stefan Voswinkel/mid
Plus: Gute Fahrleistungen, neutrales und agiles Fahrverhalten mit ausreichendem Komfort, niedriger Verbrauch
Minus: Hoher Anschaffungspreis, teure Extras
Technische Daten VW Golf GTD:
Fünftürige Limousine der Kompaktklasse, Länge/Breite/Höhe: 4,21 Meter/1,78 Meter/1,50 Meter, Kofferraumvolumen: 350 bis 1 305 Liter, Tankinhalt 55 Liter, Leergewicht 1 404 Kilogramm
2,0-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor mit 125 kW/170 PS, max. Drehmoment: 350 Nm bei 1750-2500 U/min, 0-100 km/h in 8,1 Sek., Höchstgeschwindigkeit 222 km/h (DSG: 220 km/h), Verbrauch: 5,3 Liter/100 km, CO2-Ausstoß 139 g/km, EU-5-Norm, Preis: 27 475 Euro.
Dienstag Juni 9
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