Renault Espace: Großes Stühlerücken in der Oberklasse
Modellpflege beim Europameister der Luxus-Vans. Der Renault Espace erhält neue Turbodieselmotoren mit Partikelfilter und ein verbessertes Sitzverankerungssystem im Fond.
Ganz obenStartete der erste Espace im Jahr 1984 noch als echter Familien-Van, so ist die französische Großraumlimousine inzwischen längst in der Oberklasse angekommen. Dort behauptet sich die vierte Modellgeneration als europäischer Marktführer. In Deutschland reicht es mit zehn Prozent Marktanteil zu Rang drei hinter VW Sharan und Ford Galaxy. In Sachen Ausstattung macht dem Franzosen dagegen keiner etwas vor. Vom Xenon-Kurvenlicht bis zum riesigen Panorama-Glasdach und dem schlüssellosen Zugangssystem Keycard gibt es jede Menge Ausstattungsoptionen, die Van-Kreisen nicht unbedingt üblich sind.
Leicht aufgefrischtUm die Position zu stärken, erhält der Espace nun eine sanfte Modellpflege, die kaum den Namen "Facelift" verdient. So dezent fallen die Änderungen aus: überarbeitete Scheinwerfergrafik, ein Kühlergrill mit nur noch drei Lamellen und eine Chromleiste zwischen den Nebelscheinwerfern. Details, die nur Profis erkennen. Innen gibt es nun ein generell zweifarbiges Ambiente - oben dunkel, unten heller. Fünf Ausstattungslinien stehen zur Wahl. Die Basis "Authentique" verfügt bereits über eine automatische Parkbremse, beheizbare Außenspiegel, Klimaanlage, ein CD-Radio und einen Bordcomputer. Für den Antrieb sorgt wahlweise ein 2,0-Liter-Benziner mit 136 PS (100 kW) oder ein 1,9-Liter-Turbodiesel mit 120 PS (88 kW). Die Preise beginnen bei 25.900 Euro und 28.050 Euro. Insgesamt stehen drei Benziner und fünf Turbodiesel in den Startlöchern. Das Topmodell, ein 3,0-Liter-V6-Diesel (181 PS/133 kW) mit Automatikgetriebe und Luxusausstattung (Initiale), kommt im Sommer auf den Markt. Preis: 48.900 Euro. Der 3,5-Liter-V6-Benziner leistet 241 PS (177 kW) - und er ist 1.600 Euro günstiger.
Starkes DuoNeu im Angebot ist ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, der entweder 150 PS (110 kW) oder 170 PS (127 kW) entwickelt. Beide verfügen serienmäßig über einen wartungsfreien Russpartikelfilter. Der 2.0 dCi präsentiert sich in beiden Leistungsstufen auffallend leise und durchzugstark. Keine Spur von der bei Turbo-Selbstzündern oft beobachteten Anfahrschwäche. Mit dem exakt geführten Sechsganggetriebe geht es in 10,6 bzw. 9,8 Sekunden auf Tempo 100. Die schwächere Version rennt maximal 196 km/h, die stärkere ist zehn Stundenkilometer schneller. Gleichstand herrscht mit 7,6 Litern in Sachen Verbrauch. Mit etwas Gefühl im Gasfuß ist dieser Wert durchaus realistisch. Bei ersten Testfahrten zeigte der Bordcomputer nur unwesentlich höhere Werte an. Die Preise beginnen für die schwächere Version mit der Ausstattung "Expression" bei 32.550 Euro. Nebelscheinwerfer, die Sun Protect Windschutzscheibe, eine Mehrzonen-Klimaautomatik und Leder für Lenkrad und Schaltknauf gehören zum Paket. Die stärkere Variante kostet inklusive der üppigeren Ausstattung "Dynamique" mindestens 35.350 Euro. Erkennungsmerkmale sind 17-Zoll-Alufelgen, Leder-Stoff-Polster, Aluminium-Zierrat im Innenraum, eine Dachgalerie und abgedunkelte hintere Seitenscheiben.
Flexibler reisenNicht nur unter der Motorhaube, sondern auch im Fond des Innenraums gibt es Neues zu entdecken: das Verankerungssystem für die großen, schweren Fondsessel. Sie gleiten jetzt leichter vor und zurück und sie müssen nicht mehr an einer bestimmten Position in die Schienen gesetzt werden. Das funktioniert nun kinderleicht an jeder x-beliebigen Stelle. Damit taugt der Espace genauso zum Großraumtransporter mit zwei Sitzen wie als siebensitziges Familientaxi oder als rollendes Büro für den Geschäftsmann. Die getestete Normalversion verstaut zwischen 291 Liter und 2.860 Liter Gepäck. Mit fünf Sitzen bestückt, sind es 650 Liter. Der 20 Zentimeter längere Grand Espace schluckt je nach Bestuhlung zwischen 150 und 200 Liter mehr. Durch den komplett ebenen Fahrzeugboden ergibt sich im Fond allerdings eine Sitzposition mit stark angewinkelten Beinen, die den Oberschenkeln zu wenig stützende Auflage bietet. Davon abgesehen sind die Passagiere im Fond gut aufgehoben: Windowairbags schützen die Passagiere bis in die dritte Reihe. Lüftungsdüsen im Dach sorgen für ein angenehmes Klima.
Design-AvantgardeIn der Oberklasse nimmt der Espace eine Sonderstellung ein. Nicht nur wegen des Großraumkonzepts, das bieten auch Wettbewerber wie der Chrysler Voyager oder die Euro-Van-Familie um den Citroen C8. Es ist das avantgardistische Design, das sich bis in den Innenraum fortsetzt. Wer zu ersten Mal im Espace Platz nimmt, wundert sich über die wenigen Schalter im Blickfeld. Das Klima wird über kleine Displays in den Türen geregelt. Für das Soundsystem und den Tempomat gibt es Tasten hinter dem Lenkrad. Der Instrumententräger beherbergt stattdessen zahlreiche kleine und große Staufächer. Die durchweg digitalen Anzeigen sitzen in der Fahrzeugmitte unter einer schmalen Abdeckung. Dort findet auch das 16:9-Farbdisplay des neuen Navigationssystems Carminat 3 Platz. Es verfügt über eine enorm schnelle dynamische Routenberechnung (TMC). Splitscreen-Darstellung und ein automatischer Zoom bei Kreuzungen und Abzweigungen runden den positiven Eindruck ab. Im Paketpreis von 2.200 Euro sind ein 4x50 Watt Radio sowie ein Sechsfach-CD-Wechsler mit MP3-Funktion enthalten. Die Bedienung erfolgt über ein Tastenfeld, das zwischen den Vordersitzen in Reichweite von Fahrer und Beifahrer liegt. Alles ein wenig gewöhnungsbedürftig. Hat man sich erst einmal die Funktion und Position der einzelnen Tasten gemerkt, lässt sich das Ganze auch "blind" bedienen.
Fazit: Mit dem neuen 2.0 dCi und den bedienungsfreundlichen Sitzschienen im Fond ist der Renault Espace gut für die Zukunft gerüstet. Zum Glück widerstanden die Franzosen der Versuchung, das stimmige Karosseriedesign auf "neu" und "anders" zu trimmen. Die kantige Linie wirkt schließlich noch immer taufrisch.
(04/06) mototype.de, Holger Schilp
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