VW Golf VI: Neuer Look für einen alten Bekannten

VW Golf VI: Neuer Look für einen alten Bekannten
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Mittwoch September 10

Viel Neues und viel Altbekanntes findet sich in der sechsten Generation des VW Golf. Das meistverkaufte Auto Europas ändert ab Oktober vor allem seinen Auftritt: Ein neues Karosserie-Design und ein deutlich höherwertiger Innenraum sollen den Kompakten von den immer zahlreicheren Wettbewerbern abheben. Ein erweitertes Ausstattungsangebot und technische Helfer unterstreichen den von der Konzern-Führung postulierten Führungsanspruch in seiner Klasse. Unter dem Blech hat sich indes nur wenig getan; die Grundarchitektur bleibt unverändert. Dagegen erfahren die Motoren eine Optimierung. Der Preis steigt sanft um 200 Euro auf 16 500 Euro.

Klarer, kantiger und klassischer als beim Golf V kommt die komplett veränderte Karosserie daher. Bei gleichen Abmessungen ist am Karosseriekleid bis auf das Dach-Blech alles erneuert worden. Die Scheinwerfer sind nicht mehr rundlich, sondern laufen zur Fahrzeugmitte hin spitz zu. Zwischen ihnen zieht sich der breite Kühlergrill mit seinen zwei Lamellen, darunter lächelt ein über die ganze Fahrzeugbreite gezogener Lufteinlass. Deutlicher akzentuiert als bisher ist die Seitenpartie, deren Blech von einer Sicke in Höhe des Türgriffs gekennzeichnet ist. Dadurch wirkt der Golf flacher und auch weniger hochbeinig als bisher. Recht nüchtern kommt das Heck mit seinen verbreiterten Rückleuchten daher. Mit seinen nahezu gleich geblieben Abmessungen ist er prädestiniert für den Stadtverkehr und dennoch lang genug, damit vier Personen gute Platzverhältnisse vorfinden und auch der fünfte noch einigermaßen kommod sitzen kann. Der Kofferraum mit seinen 350 Litern Fassungsvermögen entspricht dem Klassenstandard. Bei umgeklappter Rückbank stehen bis zu 1 305 Liter zur Verfügung. Verzichtet hat VW beim neuen Golf allerdings darauf, ihm mehr Variabilität zu verpassen. So fehlen etwa eine verschiebbare Rückbank oder eine umklappbare Vordersitzlehne.

Eine sanfte Weiterentwicklung kennzeichnet den Innenraum. Der senkrechte Teil der Mittelkonsole ist nun bis auf die Höhe der Sitzflächen nach unten gezogen, alle Instrumente und Bedienelemente sind neu gestaltet und orientieren sich nun am VW Passat CC; Fensterheber und Spiegelverstellung in der Tür sind ein Stück nach oben gewandert. Insgesamt macht das Cockpit einen deutlich besseren Eindruck als im von Hartplastik dominierten Vorgänger. Die Materialien können sich sehen lassen und fassen sich auch gut an. Lediglich an Kleinigkeiten wie der klapprigen Gepäckraumabdeckung oder dem dünnen Kunststoff in der Türablage lässt sich ablesen, dass der neue Golf mit niedrigeren Produktionskosten als sein Vorgänger einhergeht.

Protzen kann der Kompakte mit der optional erhältlichen Technik. Premiere feiern im Golf etwa ein laserbasierter Abstandsregeltempomat und die selbstlenkende Einparkhilfe "Park Assist". Auf Wunsch ist auch ein adaptives Fahrwerk erhältlich, das die Dämpfer automatisch den Straßenverhältnissen anpasst. Per Knopfdruck kann der Fahrer zudem zwischen den drei Grundeinstellungen "Komfort", "Normal" und "Sport" wählen. Nötig ist das nicht, denn das gegenüber dem Vorgänger nahezu unveränderte Fahrwerk wusste immer schon mit Ausgewogenheit und Sicherheit zu überzeugen. Deutlich verbessert zeigt sich der Geräuschkomfort im Inneren. Neue Motorlager verringern die Vibrationen, die neue Windschutzscheibe dämpft Fahrgeräusche und die aerodynamischen Außenspiegel hindern den Wind am Pfeifen.

Bei den angebotenen Dieselmotoren senkt zudem die Umstellung von Pumpe-Düse-Einspritzung auf Common-Rail-Technik das Geräuschniveau und auch den Verbrauch. Die Selbstzünderpalette umfasst zum Start zwei Triebwerke mit 81 kW/110 PS oder 103 kW/140 PS; in den kommenden Monaten wird das Angebot ausgebaut, so dass ein Leistungsband von 66 kW/90 PS bis zum Top-Diesel mit 125 kW/170 PS abgedeckt wird.

Als preiswerte Einstiegsmotoren sind zwei kleine Benziner mit 59 kW/80 PS und 75 kW/102 PS im Angebot. Wer etwas mehr Leistung will, wählt den per Turbo aufgeladenen 1,4-Liter-Benziner mit 90 kW/122 PS; er ist stärker und gleichzeitig sparsamer als die beiden Saugmotoren und überzeugt vor allem mit viel Kraft im Drehzahlkeller. Die Spitzenposition unter den Ottomotoren nimmt vorläufig ein per Turbo und Kompressor aufgeladenes 1,4-Liter-Aggregat mit 118 kW/160 PS ein, das die beste Beschleunigung und die höchste Endgeschwindigkeit in der gesamten Motorenpalette bietet. Die Kraftübertragung übernimmt je nach Motor ein manuelles Fünf- oder Sechsganggetriebe. Gegen Aufpreis gibt es das automatisch schaltende Doppelkupplungsgetriebe, das besonders mit den aufgeladenen Benzinern bestens harmoniert und die Gänge meist unbemerkt im Hintergrund wechselt.

Der Golf V war bereits ein sehr gutes Auto, und beim Golf VI ist das nicht anders. Die Detailverbesserungen sind durchaus gelungen, einen großen Sprung nach vorn hat der Bestseller jedoch nicht gemacht. Dafür fehlen einfach die großen Neuerungen. Hybridantrieb und High-Tech-Features wird wohl erst die nächste Generation bringen, die bereits spätestens 2012 ins Haus steht. Bis dahin vertraut der Golf auf seine bekannten Tugenden, und das ist durchaus erfolgversprechend. Holger Holzer/mid

Technische Daten VW Golf:
Fünfsitzige Limousine der Kompaktklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,20 Meter/1,78 Meter/1,48 Meter/ ??? Meter, Gewicht: ab 1 142 Kilogramm, Kofferraumvolumen 350 Liter bis 1 305 Liter.
Motoren: 1,4-Liter-Ottomotor mit 59 kW/80 PS, max. Drehmoment: 132 Nm bei 3 800 U/min, 0-100 km/h: 13,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h, Verbrauch: 6,4 Liter Super/100 km, CO2-Ausstoß: 149 g/km; Preis ab 16 500 Euro.
1,6-Liter-Ottomotor mit 75 kW/102 PS, 148 Nm bei 3 800 U/min, 11,3 s, 188 km/h, 7,1 Liter Super/100 km, 166 g/km; Preis ab 17 900 Euro.
1,4-Liter-Turbo-Ottomotor mit 90 kW/122 PS, 200 Nm bei 1 500 bis 4 000 U/min, 9,5 s, 200 km/h, 6,2 Liter Super Plus/100 km, 144 g/km; Preis ab 20 675 Euro.
1,4-Liter-Turbo-Kompressor-Ottomotor mit 118 kW/160 PS, 240 Nm bei 1 500 bis 4 500 U/min, 8,0 s, 220 km/h, 6,0 Liter Super Plus/100 km, 139 g/km; Preis ab 23 975 Euro.
2,0-Liter-Turbo-Dieselmotor mit 81 kW/110 PS, 250 Nm bei 1 500 bis 2 500 U/min, 10,7 s, 194 km/h, 4,5 Liter/100 km, 119 g/km; Preis ab 20 625 Euro. 2,0-Liter-Turbomotor mit 103 kW/140 PS, 320 Nm bei 1 750 bis 2 500 U/min, 9,3 s, 207 km/h, 5,4 Liter/100 km, 142 g/km; Preis ab 24 100 Euro.


 
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