"R" wie "Reich an Leistung": Jaguar XKR
Dienstag Juli 11
Die 300 PS-Grenze kennt der neue Jaguar XK nur von unten. Höchste Zeit also für ein sportliches Topmodell. Und schon steht der neue XKR in den Startlöchern.
Was macht einen erstzunehmenden Sportwagen aus? Klar, ein schnittiges und emotionales Design gehört dazu, vier Liter Hubraum ebenso. Auch acht Zylinder können nicht schaden. Das alles hat der Jaguar XK zu bieten. Dass die hinteren Sitze höchstens als zusätzlicher Kofferraum zu gebrauchen sind und die Preise erst bei 81.500 Euro starten, ist kein Manko, sondern eher imagefördernd. Ein Manko ist dann aber doch offensichtlich: Schon aus Prestigegründen sollte ein Sportler dieser Kategorie mindestens 300 PS haben. Der XK verfehlt diese Vorgabe mit seinen 298 Pferdchen zwar knapp, aber eindeutig. Doch Jaguars neues Powercar steht bereits in den Startlöchern: Vom 20. bis zum 30. Juli präsentieren die Engländer beim Heimspiel, der London Motor Show, die neue Topversion ihres Sportlers - den Jaguar XKR.
Aufladung sei Dank: 118 Zusatz-PS
Eines vorweg: Die 300 PS-Hürde nimmt der XKR nun locker. Dafür setzt Jaguar den 4,2-Liter-Saugmotor des "normalen" XK mit einem Kompressor, im englischen "Supercharger" genannt, unter Druck. Die Ausbeute kann sich sehen lassen. Der aufgeladene V8 entlässt 416 Pferdchen bei 6.250 Touren in die Freiheit und liefert sein maximales Drehmoment von 560 Newtonmetern bei 4.000 Umdrehungen. Damit brauchen die Fahrleistungen nun keinen Vergleich mehr zu scheuen. Das Coupé sprintet aus dem Stand in 5,2 Sekunden auf Tempo 100, das Cabriolet ist nur ein Zehntel langsamer. Wie bei der deutschen Konkurrenz begrenzt auch beim neuen XKR die Elektronik den Topspeed auf 250 km/h. Ganz Sportwagen, lässt sich das Triebwerk per Starterknopf zum Leben erwecken. Natürlich wird am Lenkrad per "Sequential shift" geschaltet - sofern es der Pilot nicht vorzieht, der Sechsgang-Automatik den Job ganz zu überlassen. Hierfür stehen drei verschiedene Modi zur Verfügung.
Die optischen Änderungen halten sich in Grenzen. Doch der XKR ist der Beweis, dass auch Details ein Blechkleid gehörig nachschärfen können. Besonders an der Frontpartie haben die Designer Hand angelegt. Zu den kleinen, aber wirkungsvollen Änderungen gehören eine aggressivere Frontstoßstange, ein Maschendraht-Grill im Alu-Look und Kühlluftschlitze in der Motorhaube. Die Seitenansicht poliert Jaguar im Vergleich zum XK mit Lüftungskiemen im vorderen Kotflügel sowie mit 19- und 20-Zoll-Rädern auf, die zudem einen Blick auf die schwarz lackierten Bremssättel mit "R"-Logo freigeben. Apropos Bremse: Um die Verzögerungs- der gestiegenen Motorleistung anzupassen, haben die innen belüfteten Scheiben an der Vorderachse im Durchmesser um 29 (auf 355 Millimeter) und in der Dicke um zwei (auf 32 Millimeter) zugelegt. Um die akustische Untermalung kümmert sich eine neue Abgasanlage, die mit ihren vier Endrohren auch Unwissende auf die "Supercharger"-Power hinweist.
Konsequenter Leichtbau
Leichtbau ist bei den Autoherstellern derzeit ein großes Thema. Besonders, wenn sie mit ihren Produkten einen sportlichen Anspruch erfüllen möchten. Jaguar geht die Sache von Grund auf an. Genau wie beim XK verwenden die Briten beim XKR ein Monocoque-Chassis aus verklebtem und genietetem Aluminium - eine Technik, die aus Luft- und Raumfahrt und aus den höchsten Motorsport-Klassen stammt. Das bringt einen enormen Gewichtsvorteil, ohne Einbußen bei der Verwindungssteifigkeit in Kauf nehmen zu müssen. Für noch mehr Agilität sorgen eine direktere Servolenkung, ein elektronisches Sportfahrwerk, das adaptiv zwischen einer komfortablen und einer sportlichen Abstimmung wählt, und ein abschaltbares Stabilitätsprogramm mit integrierter Traktionskontrolle.
Konsequente Sportlichkeit auch im Innenraum. Eigens für den XKR konturierte Sportsitze umschlingen die Piloten, Aluminium-Paneele in Flechtoptik schaffen eine dynamische Atmosphäre. Wer es typisch britisch und damit gediegener mag, kann aber auch Walnuss-Wurzelholz verbauen lassen. Wählt man zudem das "Luxus Sport"-Paket, sind Armaturenbrett, Türinnenverkleidungen und Mittelkonsole mit "Softgrain"-Leder überzogen.
Bleibt noch die Preisfrage zu klären. Das Jaguar XKR Coupé startet bei 94.990 Euro, das Cabriolet kostet mindestens 102.990 Euro. Macht einen Aufpreis von vergleichsweise moderaten 13.490 Euro zum jeweiligen XK-Modell. Seine Deutschland-Premiere feiert der Sportler in ungewöhnlicher Umgebung: Beim AvD Oldtimer Grand Prix am Nürburgring vom 12. bis 13. August. Bestellungen nehmen Jaguar-Händler schon im Juli entgegen.
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