Doppelt aufgeblasen
Verantwortlich für den enormen Druck ist der zweistufig aufgeladene Reihensechszylinder ein Sahnestück der Motorbaukunst. Bereits im 5er konnte der Twinturbo nachhaltig beeindrucken und wurde 2006 entsprechend von der Engine-of-the-Year-Jury zum besten Motor seiner Hubraumklasse gekürt. Doch das ist bereits Schnee von gestern: Die Verpflanzung des Motors in den X3 geht einher mit einem Leistungszuwachs von 272 auf 286 PS. Parallel erhöhte sich auch das Drehmoment von 560 auf 580 Newtonmeter. Kombiniert wird dieser Muskel-Diesel mit einer butterweich schaltenden Sechsgang-Automatik. Trotz des selbst schaltenden Getriebes und der hohen Leistung: Der Durchschnittsverbrauch soll laut Hersteller bei nur 8,7 Liter liegen. In der Praxis dürfte sich der Spritkonsum wohl im unteren zweistelligen Bereich einpendeln. Nun, der neue Turbodiesel macht aus dem X3 kein Spar- sondern ein Spaßauto.
Durchzug satt
So eignet sich der neue 3.0sd hervorragend für flottes und souveränes Dahingleiten auf der Autobahn. Die sechs Zylinder werkeln dabei gut abgekapselt, grummeln erst bei Leistungsabfrage markig, doch nie aufdringlich. Bei 150 km/h dreht der Motor mit 2.500 Touren. Jetzt Vollgas geben sorgt dank des enormen Durchzugs nahezu ohne Turboloch für mächtig viel Laune.,. Zwar genehmigt sich zunächst die Wandlerautomatik noch eine halbe Gedenksekunde. Doch sobald der volle Schub aufgebaut ist, eilt die Tachonadel rasant auf die 200er-Marke zu, klettert weiter auf 210, 220. Obwohl der Geschwindigkeitszuwachs zunehmend jetzt zäher wird, bleibt der Durchzug bis zum Schluss fulminant. Erst bei 240 Sachen bleibt die Nadel stehen. Unsicherheiten kommen selbst bei Top-Speed keine auf. Lediglich der vorausfahrende Pilot eines 200-PS-GTIs unterwegs mit Höchstgeschwindigkeit wundert sich, dass ein Geländewagen noch an ihm vorbei will. Woher nimmt der hohe BMW diese Kraft? Viele Autobahn-Langstreckler werden sich in künftig wohl häufiger darüber wundern, dass beim X3 nicht mehr wie bisher bei 210 km/h Schluss ist. Ab sofort redet der SUV-Supersportler auch in der Highspeed-Liga ein Wörtchen mit.
Kurven-Künstler
Doch nicht nur beim Geradeausfahren ist der X3 stark. Selbst ohne Sportfahrwerk meistert der Zweitonner Kurven auch mit hoher Geschwindigkeit weitgehend souverän. Bauartbedingt geht er dabei zwar nicht ohne Karosseriewanken ums Eck. Dennoch bietet der X3 herausragende athletische Fahreigenschaften und dabei außerdem ein hohes Komfortniveau. Im Gegensatz zu vielen anderen Geländewagen macht der BMW regelrecht süchtig nach jedem Straßenverlauf, der auch nur in Ansätzen den Charakter einer Kurve bieten könnte. Beeindruckend sind dabei auch die Direktheit und Präzision der neutralen Lenkung sowie die kräftig zupackenden und fein dosierbaren Bremsen.
Auch Drifts sind möglich
Wer es bei schnellen Kurvenfahrten übertreibt, wird wie bei BMW üblich von einer umfangreichen Regelsystem-Armada sicher auf Kurs gehalten. Wem die Regeleingriffe jedoch zuviel sind, kann im neuen X3 erstmalig in den ESP-Modus DTC (Dynamic Traction Control) wechseln. Per Knopfdruck aktiviert, greift das Stabilitätsprogramm im DTC-Modus später ein und lässt so mehr Schlupf und kleinere Drifts zu was sich vor allem auf Schotterpisten gut machen kann.
Kein Kletterkünstler
Dort fühlt sich der X3 übrigens besonders wohl. Für schweres Gelände empfiehlt er sich hingegen nur bedingt. Mit seiner mäßigen Bodenfreiheit und dem geringen Böschungswinkel sind eigentlich nur Ausflüge in mittelschweres Terrain möglich. Für harte Offroad-Touren fehlen zudem Hilfen wie ein Sperrdifferenzial oder eine Getriebereduktion. Dennoch ermöglicht es die komplexe Regelelektronik, auch kniffligere Passagen zu meistern. Unter anderem unterstützen den X3 die Traktionskontrolle sowie die Bergan- und die Bergabfahrhilfe. Zumindest konnten wir locker über Pisten fahren, auf denen normale Pkws nicht mehr weiter kommen. Der variable Allradantrieb baut selbst dort noch Traktion auf, wo sich andere Fahrzeuge im Untergrund eingraben.
Außen und innen verschönert
Neben der technischen Aufwertung hat der X3 auch optisch gewonnen: Standlichtringe in den Frontscheinwerfern, horizontale LED-Lichtstäbe in den Heckleuchten, mehr lackierte Flächen und eine bulliger wirkende Front mit größerem Kühlergrill markieren das gelungene Facelift. Auch der hervorragend verarbeitete Innenraum ist sehenswerter und unterstreicht das hochklassige Fahrerlebnis im X3. Für Premium-Atmosphäre sorgen unter anderem wertigere Kunststoffoberflächen und neue Dekorleisten. Die Ablage in den Türen sind jetzt breite Fächer. Schließlich kann man die Rückbank gegen Aufpreis mit Sitzheizung bestellen.
Ab 33.500 Euro gehts los
Apropos Preis: Dieser trübt ein wenig die Begeisterung für den neuen X3. Im Modelljahr 2007 gibt es die Einstiegsvariante mit dem 150-PS-Benziner 2.0i ab 33.500 Euro. Das von uns getestete Topmodell 3.0sd ist erst ab 50.300 Euro zu haben. Das ist zugegeben viel Geld, doch dafür bekommt man ein vielseitig nutzbares Allradfahrzeug mit einem in allen Fahrsituationen souveränen Dieselmotor und einer komfortablen Automatik. Darüber hinaus bietet der stärkste X3 aller Zeiten bereits eine umfangreiche Serienausstattung, die nur wenige Wünsche offen lässt. Wer zusätzlich noch Leder, Navi, ein großes Panorama-Glasdach, eine Metallic-Lackierung und eine Premium-Audioanlage wünscht, muss zusätzlich rund 8.000 Euro drauflegen. Dann ist jedoch fast alles an Bord, was das Autofahren angenehm macht.
(mh)
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