- einer der stärksten Fronttriebler |
- mag nur teures Super Plus |
- kein Wanken und Nicken- wirkt nicht zu hart |
- vollkommen unaufgeregt |
- Harmlosigkeit könnte manchen stören |
- Fast alles Serie |
- beinahe 10.000 Euro teurer als der Mazda 3 |
Halt mich
Auch große Freunde der japanischen Autobaukunst brauchen keinen Schuhanzieher, um in den MPS zu kommen. Der Fahrerkopf sitzt frei auf den Schultern, das Dach hängt in sicherer Entfernung. Auch lange Beine lassen sich bequem in den Fußraum sortieren. Hinten geht es etwas enger zu, aber für einen eher kleinen Wagen wie den MPS ist es im Fond auch für Erwachsene gut auszuhalten. Die Sitze sind genau richtig. Die Flanken von Fahrer und Beifahrer werden durch straffe Wulste fest gehalten, ohne durch zu starken Druck zu belästigen. Die Sitzfläche ist etwas weicher und kümmert sich so um ein ermüdungsfreies Hinterteil. Das optional erhältliche Navi klappt seinen Bildschirm wie bei einigen BMW- oder Volvo-Modellen aus der Armaturen-Ablage aus. Dabei ist das Anzeigefenster größer und auch bei tief stehender Blend-Sonne jederzeit trefflich einsehbar.
Straff-Mann
Um aus einem 150-PS-Mazda-3 ein 260-PS-MPS-Monsterchen zu machen, reichte es natürlich nicht, ein stärkeres Herz zu verpflanzen. Alles was nicht zu sehen ist, wurde gründlich überarbeitet. So muss der Federweg jetzt mit 10 Millimetern weniger auskommen. Um die Hälfte davon, also 5 Millimeter, wuchsen die Querstabilisatoren. Der Unterboden wurde an vielen Stellen versteift und die Bremsen sind die gleichen, wie sie auch im großen Allrad-Bruder Mazda 6 MPS ihren reibenden Dienst verrichten. Das ganze Paket der Veränderungen zahlt sich aus. Enge schnelle Kurven schaffen es nicht, dem 3 MPS einen unangenehmen Wankwinkel aufzuzwingen. Die üblichen Schwächen wintergeschädigter Straßen machen weder Fahrwerk noch Insassen zu schaffen. Damit die 260 Front-PS dem Fahrer das Lenkrad-Rund nicht aus den feuchten Händen reißen, wurde auch diese auf die frischen Kräfte abgestimmt. Schon in der Mittellage steuert sie die Räder in sehr präzisen Bahnen. Ganz zum Anfang der Bewegung wirkt die Lenkung ein klein wenig schwergängig, was aber nach Sekundenbruchteilen verschwindet.
1040er Hufschlag
Im Gegensatz zu 260 echten Pferden mit ihren insgesamt 1.040 Hufen stehen dem 3 MPS gerade mal zwei Räder zur Verfügung, die beträchtliche Kraft sinnvoll auf den Asphalt zu bringen. Dafür musste eine Hochleistungs-Traktionskontrolle her. Diese ist mit vielen Sensoren ausgerüstet, die beispielsweise ständig den Geschwindigkeitsunterschied zwischen Vorder- und Hinterrädern messen. Auf trockenem Asphalt fährt der Mazda großartig an. Auf richtig nasser Fahrbahn kommt es zum kurzzeitigen stotternden Durchdrehen der Räder, wenn man einen Kickdown-Start probiert. Dieser würde aber wiederum bei so ziemlich jedem Fronttriebler zum Durchrutschen führen. Die Traktion ist mit anderen Worten eine absolute Stärke des kleinen Japaners.
Turbo direkt
Das Herz des Autos lässt das Herz des Fahrers höher schlagen. Der 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbo-Direkteinspritzer lässt sein maximales Drehmoment von 380 Newtonmetern schon bei 3.000 Umdrehungen von der Leine. Seinen 100-km/h-Sprint legt er in 6,1 Sekunden hin. Das ist schneller als seine direkten Konkurrenten Opel Astra OPC (6,4 Sekunden), Renault Mégane RS (6,6 Sekunden) und Ford Focus ST (6,8 Sekunden). Dabei steckt das gewaltige Aggregat unter einer sauber-viereckigen Abdeckung, die wie ein disziplinierter Zen-Garten wirkt. Aber in Sachen Sound ist es schnell vorbei mit Disziplin. Die Ingenieure haben sich große Mühe gegeben, das Triebwerk im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen lauter zu machen. Besonders die tiefen Frequenzen, verantwortlich für einen sportlichen Klang, sollten angehoben werden. Wer im Leerlauf an der Ampel kräftig aufs Gas drückt, wird von den Bemühungen nichts spüren. Wenn es aber jenseits der 100 zur Sache geht, klingt der 3 MPS wie eine Gesteinsmühle, die für die ganz großen Brocken zuständig ist. Dazu mischt sich ein ganz leichtes Brausen, wie wir es in tausendfacher Verstärkung aus dem Subaru Impreza WRX STI kennen. Bei hohen Geschwindigkeiten ist der Sound ein leckerer Ohrenschmaus.
Präzisions-Schaltwerk
Die sechs Gänge rasten präzise in ihre Position. Kein Hakeln stört den Wunsch nach schnellen Schaltvorgängen. Die ausgeprägte Elastizität hebt den Widerspruch zwischen sportlichem und schaltfaulem Fahren auf. Aber auch hier muss wie schon bei der Lenkung ein ungewöhnlicher Widerstand überwunden werden. Dies wird ein Grund sein, warum der Wagen auf Landstraßen noch leichter und spritziger wirken könnte. Die Autobahn hingegen ist das Revier des nur in der fünftürigen Fließheck-Variante zu habenden 3 MPS. Hier braust er auch bei Höchstgeschwindigkeit bequem dahin. Der Wind stimmt erst ab Tempo 200 sein Lied an den Außenspiegeln an. Die wegen des enormen Drehmoments für Geschwindigkeiten bis 300 km/h ausgelegten Reifen sorgen dann auch für ein recht beträchtliches Abrollgeräusch. Nur 9,7 Liter soll das Sportmodell auf hundert Kilometer konsumieren. Allerdings muss der exquisite Super-Plus-Champus her. Ab Anfang Dezember 2006 wird die starke 3er-Variante zu haben sein. Bei einem Preis von 96 Euro pro PS kommen am Ende 24.900 Euro raus. Damit bietet der Mazda 3 MPS noch vor dem Dodge Caliber (99,9 Euro pro PS) eines der besten Preis/Motorleistungs-Verhältnisse an.
(gh)
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