- untenherum drehfreudig, cooler Dreizylinder-Sound |
- im oberen Drittel schlapp, wenig Durchzug |
- sicheres Fahrverhalten, gute Federung |
- Aufbau wankt deutlich |
- mutiges Styling, viel Platz im Inneren |
- viel Hartplastik, Lenkrad nicht axial verstellbar |
- günstiger Einstandspreis, Ausstattung ok |
- wenig lieferbare Extras, ESP nicht Serie |
Viel Freiraum
Im Fond gibt's wenig Grund zur Klage: Fünf Türen und eine nur sanft abfallende Dachlinie machen den Einstieg zum Kinderspiel, und für Durchschnittstypen um 1,80 Meter Größe ist der hintere Kopf- und Knieraum mehr als großzügig bemessen. Im Zuge der Renovierung haben die Japaner übrigens auch das Rücksitzsystem verbessert: Mit umgeklappter Lehne passen in den neuen Colt 1.032 Liter Gepäck - 178 Liter mehr als in den Vorgänger. Zudem lässt sich die Bank flach legen, ohne dass dabei eine unpraktische Stufe im Laderaumboden entsteht.
Viel Platz, wenig Temperament
Die nackten Zahlen lassen also vermuten, dass der neue Colt sich durchaus nicht nur für Muttis wöchentlichen Shopping-Trip zum Supermarkt eignet, sondern auch problemlos als Reiseauto oder Ikea-Transporter herhalten kann. Was den verfügbaren Platz und die Praktikabilität angeht, ist das sicher richtig. Wer dem Japaner öfter schweres Gepäck aufbürden will, sollte allerdings einen Bogen um den von uns getesteten Basisbenziner machen. Die 1,1-Liter-Dreizylinder-Maschine leistet 75 PS und reißt mit einem Drehmoment von 100 Newtonmeter wahrlich keine Bäume aus. Und wenn relativ wenig Muskeln relativ viel Gewicht (hier: knapp 1,1 Tonnen) bewegen müssen, geht es selten flott voran. Der Basis-Colt erreicht erst nach 13,2 Sekunden Tempo 100 und rennt - mit viel Anlauf - 165 Sachen schnell.
Überfordert
In der Praxis hinterlässt das Motörchen zunächst aber einen durchaus brauchbaren Eindruck: Mit typischem Dreizylinder-Knurren dreht es hurtig bis etwa 5.000 Umdrehungen - darüber wird es zäh und unwillig. Für eine Stadtfahrt mit geringer Beladung reicht die vorhandene Dynamik allemal, in höheren Geschwindigkeitsregionen hingegen wirkt der Colt schlichtweg überfordert. Schon leichte Steigungen auf der Autobahn machen trotz Vollgas den Griff zum knackig geführten Schaltstock nötig, um das Reisetempo von 130 Sachen halten zu können. Zudem wird der Motor bei höheren Tempi recht laut, auch wenn Mitsubishi beteuert, die Schallisolierung im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessert zu haben.
ESP nur optional erhältlich
Immerhin bedeutet die leichte Untermotorisierung, dass das Chassis unseres Testwagens durch den Antrieb zu keiner Zeit in ernste Bedrängnis geraten kann. Dank knackig konditionierter Lenkung lässt sich der Japaner recht präzise um die Kurven zirkeln, ein wirklicher Heißsporn ist er allerdings nicht: Der hohe Aufbau und die weiche Fahrwerksauslegung resultieren in einer deutlich ausgeprägten Wankneigung. Gefährlich ist dies zwar nicht, trotzdem sollten Kaufinteressenten auf jeden Fall das - im "Inform"-Trimm - optionale Sicherheits-Paket mitbestellen. Für schlappe 600 Euro bringt dies nämlich nicht nur den Schleuderschutz, sondern auch Windowbags und Scheibenbremsen an der Hinterachse mit an Bord. So ausgerüstet gibt unser Testwagen beim Stoppen eine gute Figur ab: Wirkung, Pedalgefühl und Dosierbarkeit der Bremse gehen voll in Ordnung.
Colt Ralliart
Deutlich mehr Dynamik und Fahrspaß als das Basismodell bietet der neue Top-Colt namens Ralliart, dem wir im Rahmen der Fahrvorstellung ebenfalls auf den Zahn fühlen konnten. Als veritabler Polo-GTI-Konkurrent wird er von einem 1,5-Liter-Turbobenziner mit 150 PS befeuert. Das langt, um den Standardsprint in 7,6 Sekunden zu erledigen und auf der Autobahn 210 km/h schnell zu rennen. Das überarbeitete Sportfahrwerk mit dickerem Frontstabi und deutlich strafferer Auslegung bietet erstaunlich viel Grip und lässt den Japaner merklich flacher als seine zivilen Brüder durch die Kurven flitzen. Allerdings wollen das aggressiv verspoilerte Exterieur, die breiten Reifen und die kernig röhrende Auspuffnote auch teuer bezahlt werden: Mit 18.990 Euro für den Dreitürer ist der Ralliart nicht billig - selbst wenn er damit 985 Euro weniger kostet als der Wolfsburger Klassenprimus.
Günstig, aber kein Dumping-Auto
Zurück zum Basis-Colt: Die von uns getestete Kombination von fünftüriger Karosserie und 75-PS-Motor ist in Deutschland ausschließlich mit der Ausstattungslinie "Inform" lieferbar. Für 12.990 Euro gibt's Dinge wie eine manuelle Klimaanlage, elektrische Außenspiegel und eine Radiovorbereitung. Ein vergleichbarer VW Polo Trendline mit 70 PS kostet bereits ohne diese Goodies 13.530 Euro. Der von Mitsubishi als Hauptkonkurrent ausgemachte Suzuki Swift rollt als günstigster Fünftürer zwar erst für 13.100 Euro vom Händlerhof, kommt dafür aber mit 92 PS und deutlich flotteren Fahrleistungen als der Basis-Colt. Beim Verbrauch nach Herstellerangabe steht der Mitsubishi-Dreizylinder ebenfalls gut da: Im kombinierten Zyklus schluckt der Colt gerade mal 5,5 Liter Super auf 100 Kilometer und stößt dabei 130 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Allerdings: Angesichts des überfordert wirkenden Motors und der daraus resultierenden Fahrweise dürften diese Werte in der Praxis für die meisten Piloten nur schwer zu erreichen sein.
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