Kraft, die sich spüren lässt
Und auch die Höchstgeschwindigkeit stieg nur um vier Stundenkilometer auf 270 km/h. Außerdem vergrößerte sich das Drehmoment von 620 auf 720 Newtonmeter. Lässt sich die Kraft auch spüren? Nun, sicher nicht so stark wie in einem gleich schnellen Sportwagen, aber die über 500 PS drücken einen beim Vollgasgeben sehr wohl in die Sitze.
Spritverbrauch im Rahmen
Dabei bleibt der Spritverbrauch im Rahmen. Er wird von Porsche mit 15,7 Litern angegeben nicht mehr als der 71 PS schwächere Turbo braucht. Auf unseren Testfahrten durch die Wüste benötigte das Auto laut Bordcomputer nicht mehr Sprit als Porsche angibt. Schaltet man den Tempomat an und fährt längere Strecken stur 120 km/h, so ist auch ein Schnitt deutlich darunter machbar. Für den Stadtverkehr mit dem typischen, häufigen Anfahren eignet sich der Cayenne allerdings weniger. Innerorts braucht er nach Werksangabe 21,9 Liter. Mit dem 100-Liter-Tank lassen sich jedenfalls auch dann annehmbare Reichweiten erzielen.
Sechsgang-Automatik mit Schalttasten
Mit dem Motor wird die vom Cayenne Turbo bekannte Sechsgang-Automatik Tiptronic-S gekoppelt. Damit kann man nicht nur schalten lassen, sondern auch selbst eingreifen: Wer mag, kann die Gänge am Wahlhebel oder über Tasten am Lenkrad wechseln. Letztere sind ein wenig schwerer zu erreichen als Paddles hinter dem Lenkrad.
Allradantrieb mit Heckpräferenz
Ebenfalls aus dem schwächeren Turbo bekannt ist der Allradantrieb. Eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung leitet im Normalfall 62 Prozent der Kraft an die Hinterräder, den Rest nach vorne. Bei Schlupf wird die Antriebskraft anders verteilt. Serienmäßig kann man auch eine Längssperre einschalten, die die dynamische Drehmomentverteilung unterbindet. Mit dem optionalen Advanced Offroad-Technikpaket bekommt man noch eine Hinterachs-Differenzialsperre hinzu. Nur in Details gegenüber dem Turbo verändert wurde das Fahrwerk. Die Luftfederung wirkt straff, und zwar unabhängig davon, ob man sie komfortabel oder sportlich einstellt.
Erste Regel: Luft ablassen und PCM aus
Ein weiteres Feature des Fahrwerks, die Niveauverstellung nämlich, konnten wir für unsere weiteren Testfahrten ebenso gut brauchen wie den Allradantrieb. Denn nun fuhren wir mit dem Turbo S durch die Sanddünen der Wüste Rub al-Chali. Dazu wird zuerst die Bodenfreiheit mit dem Schalter in der Mittelkonsole auf maximal gestellt und die erwähnte Längssperre eingeschaltet. Dann senkt man noch den Reifendruck ab, was im feinen Sand mehr Traktion verleiht. Außerdem sollte man das ESP, das bei Porsche PCM heißt, abschalten sonst bremst das Stabilitätssystem durchdrehende Räder ab, was weniger Kraft bedeutet.
Zweite Regel: Nicht anhalten
Ansonsten muss man bei feinem Sand darauf achten, das Auto nie zum Stillstand zu bringen. Denn bei keinem Halt kann man sicher sein, dass man das Auto auch wieder in Fahrt setzen kann. Zunächst aber hieß es für uns, ein paar Erfahrungen mit den tückischen Dünen zu sammeln. Ist man bergauf zu langsam, bleibt das Auto stehen und man braucht in aller Regel ein zweites Fahrzeug zum Herausschleppen. Ist man zu schnell, dann springt man und demoliert sein Fahrzeug.
Dritte Regel: Gefühlvoll mit dem Gas
Man darf den Fuß auch nicht vom Gas nehmen, bevor das Lenkrad die Dünenkuppe überquert hat. Wenn man diesen Punkt passiert hat, heißt es schnell weg vom Gas und leicht bremsen sonst bohrt sich der Fahrzeuggrill in den Sand. Aber auch wenn man all diese Tipps kennt, heißt das noch lange nicht, dass man ohne Probleme durchkommt. Trotz Instruktor gelang es kaum einem Journalisten aus unserer Gruppe, die Strecke zu absolvieren, ohne sich festzufahren. Wenn dies geschieht, reicht der Sand oft bis zu den Schwellern, das Fahrzeug sitzt auf. Dann hilft nur noch ein Abschleppwagen, oder zur Not eben Schaufeln. Doch nach einer Stunde etwa kann man erste Erfolge verbuchen, und es beginnt Spaß zu machen wenn man die Dünen allmählich ohne Patzer überwindet, wenn der Sand hoch aufwirbelt und man die Kraft des Turbo S genießen kann.
Vergleich mit dem ML 63 AMG
Das einzige Auto, mit dem sich die Power des Turbo S vernünftig vergleichen lässt, ist die Mercedes M-Klasse in der 510 PS starken AMG-Version, die allerdings erst im Frühsommer 2006 auf den Markt kommt. Die Leistung des ML 63 AMG steht kaum hinter der des Porsche zurück. Aber das Drehmoment ist beim Mercedes deutlich niedriger, da der Sternträger nicht über Turbolader verfügt. Die Fahrleistungen sind jedoch ähnlich: Der Mercedes ist um 0,2 Sekunden schneller auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit dafür um 20 km/h geringer Mercedes regelt ab.
Porsche sparsamer als Mercedes
Der Verbrauch des Mercedes liegt bei 16,5 Litern, beim Porsche sind es 15,7 Liter. Einen permanenten Allradantrieb und Luftfederung mit Niveauregulierung haben beide Autos. Während der Mercedes eine Siebengang-Automatik besitzt, hat der Porsche nur sechs Gangstufen. Man sieht: Insgesamt liegen die beiden Autos auf ähnlichem Niveau mal hat das eine die Nase vorn, mal das andere. Ein Preisvergleich ist derzeit noch nicht möglich, da noch nicht bekannt ist, was der Mercedes kosten wird. Den Turbo S gibt es jedenfalls ab sofort für 117.573 Euro.
(sl)
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