Donnerstag März 13
Für knapp 10 000 Euro bietet Harley-Davidson jetzt die ungewöhnliche XL 1200 Nightster an. Ungewöhnlich, weil das Bike für eine Harley schlicht ist, beinahe puristisch. Sie trägt Schwarz, wo andere in Chrom schwelgen. Sie beschränkt sich auf das Wesentliche, und wirkt dadurch sehr ehrlich.Die 1200er besitzt den Charme der massiven Vorkriegstechnik. Dies verdankt sie beispielsweise den schwarzen Drahtspeichenrädern, den Faltenbälgen an den Gabeltauchrohren und ganz besonders der grauen Pulverbeschichtung des Motors. Sie soll den Anschein erwecken, das Triebwerk sei wie einst im groben Sandguss entstanden. Selbst der Kabelbaum liegt an vielen Stellen offen, mangelt es doch absichtlich an verhüllenden Abdeckungen. Auch ein normales Rücklicht spart sich die Nightster: Die LED-Kombileuchten beinhalten Blinker, Brems- und Rücklicht in einem.
Das Sportster-Bike zeichnet sich durch eine klare Linie ohne störenden Zierrat aus. So genügt der Nightster ein Einzelsitz, während gekürzte Schutzbleche den Blick auf die Reifen freigeben. Gegenüber der Anfang 2007 in den Staaten vorgestellten Nightster wurde das europäische Modell mit längeren Federwegen auf eine bessere Schräglagenfreiheit getrimmt.
Nicht, dass die Rasten deshalb nicht fröhlich aufsetzen würden. Im Gegenteil: Ihr Kratzen gehört auf ambitionierten Touren zum steten Begleiter. Trotzdem überrascht der Einsitzer mit einer nicht zu unterschätzenden Kurvenagilität, die auf die schmale Bauform, den breiten Lenker und die ungewöhnlich dynamische Sitzhaltung zurückzuführen ist. Allerdings muss der Fahrer sich an den engen, für eine Harley atypischen Kniewinkel erst gewöhnen, der unter anderem durch die Sitzhöhe von nur 67,6 Zentimetern entsteht. Allerdings beschert einem der tiefe Sattel einen niedrigen Schwerpunkt, so dass sie energischer um enge Kurven zirkelt, als das Leergewicht von 260 Kilogramm vermuten lässt.
Der 1 200 ccm Hubraum große V-Twin-Motor macht seinem rustikalen Charakter schon beim Start alle Ehre. Auch die Gangwechsel geschehen stets mit einem satten, metallischen Klacken. Sobald der luftgekühlte Zweizylinder jedoch ein wenig auf Touren kommt, überrascht er mit seinem kräftigen Antritt, der zu einer schaltfaulen Fahrweise verführt, auch wenn der Twin seine Spitzenleistung von 49 kW/67 PS erst bei 5 700 Touren erreicht.
Folglich kann die Nightster sowohl geruhsam als auch flott und laut donnernd gefahren werden. Die Fußrasten, die verbesserungsfähigen Federbeine und die nach heftigem Händedruck verlangende Vorderradbremse setzen einem übertrieben sportlichen Stil ohnehin beizeiten Grenzen. Wenn es jedoch darum geht, einfach nur gelassen von Kurve zu Kurve ohne tiefe Steillage zu swingen, ist die wendige Nightster die richtige Wahl. Puristisch wie sie ist, hat diese Art der Fortbewegung einen ganz eigenen Reiz.
Das günstigste der vier aktuellen 1200er Sportster-Modelle mag rein äußerlich keine großen Versprechen machen. Als ehrliche Haut hat sie das aber auch gar nicht nötig. Sie macht einfach nur deutlich, dass es zum zünftigen "Motorradeln" gar nicht so viel braucht. Heiko P. Wacker/mid
Teststeno Harley-Davidson XL 1200 Nightster:
Sportster-Motorrad mit luftgekühltem Zweizylinder-V-Motor, zwei Ventile pro Zylinder, 1 200 ccm Hubraum, Leistung 49 kW/67 PS bei 5 700 U/min, max. Drehmoment 98 Nm bei 3 200 U/min, Höchstgeschwindigkeit 190 km/h, elektronische Einspritzung, fünf Gänge, Sitzhöhe 67,6 cm, Tankinhalt 12,5 Liter, Leergewicht 260 kg, Zuladung 194 kg; Preis: 9 995 Euro.
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Halbe Raten für die 6 neuen Familienmodelle: z.B. der neue Renault Clio Grandtour ab 44,- |
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