Nix mit Hybrid: Der Lexus IS-F mit 423 PS im Test

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Nix mit Hybrid: Der Lexus IS-F mit 423 PS im Test
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Lexus IS-F
Juni 2006
69.600 Euro
Antrieb 90%
- effizientes Kraftwerk
- keine Schaltcharakteristiken einstellbar
Fahrwerk 75%
- sportlich, kein Wanken
- kaum Einstellmöglichkeiten
Karosserie 70%
- gut verarbeitet
- keine Sitzwangenverstellung, hinten eng
Kosten 75%
- umfangreiche Serienausstattung
- so teuer wie die Konkurrenz
Pegnitz, 13. Juni 2008 - Nein, ein Hybridantrieb steckt hier ganz sicher nicht unter der Haube. Der von Yamaha modifizierte V8 mit 423 PS ist ganz alleine für den Vortrieb zuständig. Die Rede ist vom Lexus IS-F, dem Sportwagen, mit dem die Japaner an die sportbegeisterte und gut betuchte Kundschaft von BMW und Co. möchte. Hat der Wagen in Deutschland eine Chance?

Schnittig geschnitten
Der Lexus IS-F kann seine Basis, die IS-Limousine, nicht verleugnen. Allerdings guckt er deutlich aggressiver aus dem Blech und protzt mit einem Powerdome, der sich über die gesamte Haube zieht. An den Seiten fallen die dunklen 19-Zoll-Leichtmetallfelgen im BBS-Design auf. Ihre jeweils zehn Speichen sind wie Propellerblätter geformt, die kühle Luft zu den Bremsen hin und warme Luft wieder wegführen. Aus dem Heck gucken die beiden Doppelendrohre in ungewöhnlicher Anordnung: Die ovalen Enden sind schräg übereinander versetzt. Immerhin scheint diese Gestaltung Schule zu machen: Beim neuen Ferrari California wird das Abgas auf ähnliche Weise entsorgt.

Wo ist der Knopf?
Wir nehmen auf dem serienmäßig verbauten Ledergestühl Platz und finden es ziemlich hart. Nach ein paar Minuten Fahrt müssen wir aber einsehen, dass die Sitze bequem sind und sich auch auf längeren Strecken gut machen. Die Seitenwangen halten die Körper auch bei trefflicher Kurvenfahrt gut in Position, allerdings suchen wir nach einem Knopf zum individuellen Anpassen der Wangen wie im BMW M3 vergeblich. Bei einem Wagen aus dem technikverliebten Japan hätten wir das schon erwartet, und wir werden im Laufe des Tests noch weitere Knöpfe vermissen.

Dünn
Ein Griff ins Lenkrad des IS-F ist auf den ersten Zentimetern ein Griff ins Leere - so dünn ist das Lederrund. Dies passt vielleicht zu englischen Oberklasse-Fahrzeugen à la Bentley und Rolls-Royce, aber in einem ausgemachten Sportwagen hätte sich das Volant ruhig noch ein bisschen Speck anfuttern können. Hebel und Knöpfe sitzen in der richtigen Position und alles wirkt tadellos verarbeitet. Die Oberflächen sind kratzfest und machen einen unspektakulären Eindruck - ganz im Gegensatz zu den Instrumenten: Das tiefe Blau der Zeiger von Drehzahl- und Geschwindigkeitsmesser ist einmalig. Hinten macht das Gestühl ebenfalls Spaß, aber nur für kleine Leute. Die Kniefreiheit ist mit dem M3 Coupé vergleichbar, Kopffreiheit bietet das bayerische Coupé überraschender Weise mehr. Außerdem leisten sich die Japaner ein komisches Stil-Element: Beim Blick in den Rückspiegel fällt die über der Hutablage thronende dritte Bremsleuchte mit ihrem massivem Stützsystem ins Auge.

Bretthart
Und wie wird der schnelle Japaner mit dem deutschen Untergrund fertig? Abgestimmt wurde der Wagen auf dem Fuji Speedway zu Füßen des heiligen japanischen Berges Fuji - daher auch das "F" in der Modellbezeichnung. Uns kommt die Abstimmung ausgesprochen hart vor, ab 200 km/h knallen Querrillen gut zu den Insassen durch. In Kurven wird wird demzufolge aber auch kaum gewankt, sodass sich schnell ein ausgesprochen sicheres Fahrgefühl einstellt, wir sind ruckzuck eins mit dem Auto. Die beim M3 optional erhältliche elektronische Dämpferregelung gibt es im IS-F nicht, obwohl ein System, was sich radselektiv um die Bodenhaftung kümmert sicher mit besserem Komfort einhergehen würde. Das Gleiche gilt für die Lenkung: Für den Hausgebrauch ist sie direkt und rennstreckentauglich. Und genauso wie im M3 könnte sie in sehr schnellen lang gezogenen Kurven noch etwas direkter sein. Beim BMW stellen wir im M-Menü einfach die Servotronic auf "Sport". Ein "F-Menü" mit Servotronic-Einstellung gibt es im Lexus nicht.

Schnell zum Stand
Die Bremsanlage mit rundum innen belüfteten Bremsscheiben hat Lexus in Zusammenarbeit mit Brembo entwickelt - und so wirkt die Verzögerungsapparatur auch: Sauber definiert geben sie das sichere Gefühl, jederzeit Herr über die Geschwindigkeit zu sein. Und wer Driftspaß haben will, deaktiviert das Stabilitätssystem. Kurz einlenken, schön auf dem Gas bleiben und schon ist der Doughnut in den Asphalt gerieben. Zum kontrollierten sicheren Driften ist der IS-F eine Empfehlung, auch Drift-Anfänger werden mit dem gutmütigen Wagen auf Anhieb zurechtkommen.

Aus dem LS 600h
In Bewegung gehalten wird der Lexus IS-F von einem Fünfliter-V8 mit 423 PS. Der Motor kommt auch im Firmenvorstands-Hybiden LS 600h zum Einsatz, hat dort allerdings "nur" 394 PS. Die Sport-Spezialisten von Yamaha haben sich das Aggregat vorgenommen und den Motor zu 29 Mehr-PS verpflichtet. Dafür sinkt aber das maximale Drehmoment von 520 Newtonmeter im LS 600h auf 505 im IS-F. Immerhin sind das drei PS und 105 Newtonmeter mehr, als der BMW M3 mit seinem Vierlieter-V8 bereitstellt. Macht sich das irgendwie bemerkbar? Soundmäßig schon mal ja: In Beschleunigungsphasen röhrt der Lexus was das Zug hält, das lässt es das Hochdrehzahl-Triebwerk aus Bayern etwas ruhiger angehen. Hier macht sich die doppelte Ansauganlage des Lexus bezahlt. Aber wirklich nur während der Beschleunigung - bei stabiler Geschwindigkeit ist das Aggregat Lexus-typisch kaum zu hören.

Dicht beieinander
Wie kommt der IS-F jetzt mit seinem kräftigen Herz zurecht? Als Höchstgeschwindigkeit gibt Lexus 270 km/h an, 20 mehr als der Bayer rennen darf. Allerdings kann sich der geneigte Kunde den M3 gegen einen Aufpreis von 2.450 Euro (im Preis ist ein Fahrsicherheitstraining enthalten) auf 280 km/h freischalten lassen, womit dann wieder der Lexus hinten liegt. In Sachen Beschleunigung war für den Lexus die Welt bis vor kurzem noch in Ordnung: In 4,8 Sekunden geht's von null auf hundert km/h. Der M3 braucht mit manuellem Schaltgetriebe genauso lange. Aber jetzt ist der BMW auch mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DKG) zu haben - und damit ändert sich alles: 0,2 Sekunden weniger lässt sich der BMW für den Spurt auf 100 km/h Zeit. Beim Verbrauch kann hingegen der Lexus punkten: 11,4 Liter stehen hier den 11,9 Litern des bayerischen Wagens entgegen. Für beide muss an der Tankstelle also geblutet werden - ganz am Rande: Im arabischen Quatar sieht das gerade anders aus, dort kostet ein Liter Super Plus umgerechnet zwölf Cent.

Immerhin acht Gänge
Die Kraftaufteilung findet im IS-F über eine Achtgangautomatik statt. Sie wurde für den Schnellfahrwagen nochmal speziell überarbeitet und macht einen wunderbaren Job. Geschmeidig schaltet sie sich durch die Stufen. Wer will, kann sich an den filigran wirkenden Schaltwippen vergreifen. Im M-Modus kommt es dann beim Runterschalten zum wohligen Zwischengas-Tusch. Das Siebengang-DKG vom M3 ist aber nicht nur für eine bessere Beschleunigung gut, es lässt sich auch in verschiedenen Abstimmungsstufen betreiben. Von ganz weich bis zu rennmäßigem Gang-Reingeknalle ist hier alles drin. Auch an dieser Stelle lässt uns der Lexus IS-F überraschend wenig Spielwiese.

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