Mittwoch Dezember 13
Mit dem hellen Surren setzt der Kompressor ein. Der Luftverdichter ist die einzige Geräuschquelle unter der Motorhaube des Brennstoffzellen-Prototypen von VW und sorgt für den ständigen Luftnachschub in das kleine Kraftwerk. Ansonsten ist das Forschungsfahrzeug auf Basis des VW Touran fast nicht zu hören.Sauerstoff und Wasserstoff sind die Energieträger des emissionsfreien Forschungsfahrzeugs mit dem Namen "Hy Motion". In einer koffergroßen Kombination von 440 einzelnen Brennstoffzellen, dem sogenannten Stack, reagieren die beiden Gase kontrolliert miteinander. Dabei entsteht elektrischer Strom mit einer Spannung von 440 Volt. Insgesamt 85 kW Leistung stellen die Zellen ständig zur Verfügung.
Der Großteil davon geht an einen 60 kW starken Elektromotor. Und der sorgt für fixen Vortrieb, zumindest im Stadtverkehr. Beim Druck aufs Gaspedal surrt der Kompressor hoch, schickt frische Luft in den Stack. Erst bei 140 km/h ist Schluss mit der Beschleunigung. Für alle Geschwindigkeiten reicht dabei ein einziger Gang, denn ein Elektromotor benötigt kein Übersetzung durch ein Getriebe. Weit reicht die Tankfüllung allerdings nicht, nach 120 Kilometern bei mittlerer Geschwindigkeit ist Schluss. Die Reichweite, aber auch Kosten und Leistung sollen sich mit einer neuen Generation von Hochtemperaturbrennstoffzellen in den kommenden Jahren weiter verbessern.
In Straßenlage und Fahrverhalten gleicht der Wasserstoff-Touran seinen konventionell angetriebenen Brüdern, obwohl das Fahrzeug mit knapp 1,8 Tonnen rund 200 Kilogramm mehr Gewicht auf die Waage bringt als die Dieselversion. Der schwere Stack an der Front wird durch eine 80-Kilo-Batterie unter der Rückbank in der Waage gehalten. Ein wenig irritierend mutet in dem Prototypen nur der leichte Nachlauf des Aggregates an: Nachdem der Fuß das Gaspedal bereits verlassen hat, surrt der Motor noch ein Sekunde weiter.
Von Außen unterscheidet sich der Brennstoffzellen-Van nicht von Modellen mit einer anderen Motorisierung. Im Inneren weist lediglich ein Überwachungsbildschirm auf den Zukunftsantrieb hin, dort wird der Stromfluss zwischen Stack, E-Motor, Bordnetz und Batterie angezeigt. Rund 25 kW sorgen für den Betrieb von Licht, Sensorik und anderen Verbrauchern.
Nach der Fahrt benötigt der Brennstoffzellenantrieb eine kleine Ruhepause. Der surrende Kompressor bläst den Stack frei, bevor die Reaktion beendet werden kann. Danach ist der einzige Hinweis auf die Zukunftstechnologie unter der Motorhaube eine kleine Pfütze unter dem Auspuff: reines Wasser, das einzige Abfallprodukt nach der Fahrt.
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