Donnerstag Juni 14
In die Unabhängigkeit entlassen, versucht Chrysler eine neue Identität aufzubauen. Deutscher Stallgeruch wird entfernt, das Unternehmen soll wieder uramerikanisch werden. In einer Anzeigenkampagne soll Chrysler als Unterdrückter in der transatlantischen Firmenehe dargestellt werden. Die Käufer wünschten ein amerikanisches Auto, kein deutsches, schreibt die Zeitung "Detroit News".Der Kurswechsel folgt auf eine Kampagne, in der unter Dieter Zetsche noch vergangenes Jahr die Vorteile von deutscher Technik in Chrysler-Autos beworben wurden. In einer Comic-Serie erklärte Zetsche als "Dr. Z" die deutsch-amerikanische Firmenidentität. Jetzt wird mit eisernem Besen gekehrt. Dr. Z-Erfinder und Markenchef George Murphy wurde Ende Mai verabschiedet. Auch das übrige Management wird neu formiert.
Die Betonung der amerikanischen Herkunft hat den drei großen US-Herstellern GM, Ford und Chrysler rückblickend nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Kampagne "Buy American", die zu Beginn des Irak-Krieges 2003 ihren Höhepunkt hatte, spiegelt sich seither nicht in den Verkaufsergebnissen wider. Viele Autokäufer wenden sich völlig unpatriotisch japanischen Modellen zu.
Für die Chrysler-Händler weht der Wind in umgekehrter Richtung: weniger USA und mehr Europa lautet die Devise. In Nordamerika soll das Händlernetz zügig ausgedünnt und in Europa kräftig ausgebaut werden. Innerhalb von zwei Jahren sollen zu den rund 1 000 europäischen Händlern 100 weitere hinzukommen.
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