Lexus GS 450h: Hybrid auf leisen Sohlen
Während die deutschen Hersteller noch testen, hat Toyota mit dem Lexus GS 450h bereits das dritte Modell mit Hybridantrieb auf dem deutschen Markt. Ein Hightech-Angriff auf die deutsche Premiumliga.
Ganz stark sparenPower wie ein V8, mit den Verbrauchswerten eines Vierzylindermotors. Eine faszinierende Vorstellung, wenn es den funktioniert. Lexus verspricht für den GS 450h einen Durchschnittsverbrauch von 7,9 Liter Super. Dabei tritt die Hybridlimousine gegen die deutsche V8-Elite in der Premiumliga der Mittelklasse an. In Addition kommt die japanische Kombination von V6-Benziner und Elektromotor nämlich auf satte 340 PS (250 kW).
Viel Licht, wenig SchattenVon außen gibt nur das Typenschild einen Hinweis auf den unkonventionellen Antrieb. Das "h" steht dabei für Hybrid, die Kombination von Benzin- und Elektromotor. In der neusten Generation mobilisiert der Elektromotor kurzfristig bis zu 200 PS (147 kW). Damit verfügt der GS 450h wie schon der Prius über einen "Voll-Hybrid". Er unterstützt nicht nur wie ein "Mild Hybrid" den Benzinmotor beim Beschleunigen, sondern er wird bei Bedarf auch als alleiniger Antrieb genutzt. Etwa beim Anfahren, im Stau oder im Stop-and-go des Feierabendverkehrs, wenn nur wenig Leistung gefragt ist. Bremsenergie wird über einen Generator gewonnen und in einer Batterie gespeichert, die sich beim GS hinter der Rückbank befindet - die Achillesferse des Konzepts. "Beim ersten Entwurf des GS war nämlich noch kein Hybridantrieb vorgesehen", wie Toyota Technikexperte Hans-Peter Wandt erläutert. So konnte der Hochleistungsakku nicht raumökonomisch versteckt werden - es bleiben wenig standesgemäße 280 Liter in einem Kofferraum übrig, der sich auch nicht durch eine umklappbare Lehne erweitern lässt.
Beim Toyota Prius und dem Lexus RX 400h sind die Batterien dagegen flach unter den Sitzen platziert, was mehr Raum für das Gepäck lässt.
Moderne ZeitenEinsteigen. Mit dem Keyless-go-System funktioniert das ohne Schlüssel. Dann den "Start"-Knopf drücken - und es passiert nichts. Erst wenn das Gaspedal gestreichelt wird, setzt sich der Wagen lautlos in Bewegung. Wird mehr Leistung gefordert, springt der Benziner an, um sofort wieder zu verstummen, wenn Gas weggenommen wird. Wer locker im Verkehr mitschwimmt, wird kaum etwas vom Antrieb mitbekommen. Bei jedem Stopp herrscht absolute Stille, nur das feine Surround-Soundsystem von Marc Levinson massiert das Trommelfell. Rollt der GS auf eine Ampel zu, ist der sanfte Eingriff des Generators zu spüren, der die Batterien wieder auflädt. Wie viel Energie zurück gewonnen wird, lässt sich im zentralen Farbdisplay der Mittelkonsole ablesen. Die aktuelle Leistungsabgabe zeigt (in kW) ein Rundinstrument links neben dem zentral angeordneten Tacho an. Nette Spielerei, die sich beruhigend auf den Fahrstil auswirken kann. Schließlich soll gespart werden, was tatsächlich problemlos gelingt. Besonders im Stadtverkehr bleibt das 340-PS-Geschoss locker unter neun Litern. Auf der Autobahn, wenn maximale Leistung vom V6-Benziner gefordert wird, kommt das Sparkonzept weniger zum Tragen. Nach einer ausgiebigen Testrunde durch Wiesbaden, Mainz das Rheingau und einigen Kilometern mit bis zu 250 km/h Höchstgeschwindigkeit meldete der Bordcomputer 9,6 Liter Durchschnittsverbrauch. Das ist wirklich erstaunlich. Doch der 450h überzeugt nicht nur mit Sparsamkeit. Beeindruckend ist auch mit welcher Souveränität der Hybrid den Zwischenspurt auf der Landstraße absolviert. Kein Wunder, bei insgesamt 368 Nm Drehmoment.
Nur vom FeinstenWer 66.000 Euro für den GS 45h Luxury Line (Basis: 57.600 Euro) investiert, hat hohe Ansprüche. Der Modellbezeichnung folgend, bleibt von der Lederausstattung bis zum DVD-Navi mit Touchscreen kaum ein Wunsch offen. Das gilt auch für die Sicherheit. Ein technischer Leckerbissen ist dabei die automatische Abstandskontrolle ACC mit Pre-Collission Sicherheits-System. Auf Knopfdruck hält es den Abstand zum Vordermann konstant. Mit Radarwellen wird zudem die Umgebung vor dem Fahrzeug überwacht. Erkennen Sensoren unter Berücksichtigung von Geschwindigkeit, Lenkwinkel und weiterer Parameter, dass eine Kollision droht, werden Schutzmaßnahmen für die Passagiere ergriffen: Elektromotoren straffen die Gurte der Vordersitze, während die vorderen Stoßdämpfer verhärten. So kann der Lexus bei einem Crash nicht so leicht unter einen Lastwagen tauchen. Um kritische Situationen bereits im Ansatz zu entschärfen, verfügt der Testwagen über ein integriertes Fahrdynamik Management (VDIM), das Lenkung, ABS, Traktionskontrolle und das Stabilitätssystem VSC miteinander vernetzt. Geht der Pilot eine Kurve zu optimistisch an, nimmt die Stabilitätskontrolle das Fahrzeug mit Bremseingriffen an die elektronische Leine, Motorleistung und Lenkwinkel werden ebenfalls angepasst. Innerhalb der physikalischen Grenzen ergibt das auch in Extremsituationen ein gutmütiges und leicht zu kontrollierendes Fahrverhalten. Die Lenkkorrekturen sind dabei ungewohnt, doch sie erfolgen sanft und ruckfrei.
Fazit: Motor, Fahrwerk, Sicherheit - Hightech in allen Bereichen. Einziger Schwachpunkt ist der unterdimensionierte Kofferraum.
http://www.mototype.de, Holger Schilp
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