Freitag Februar 15
Das konventionelle Allrad-System verteilt die Motorkraft lediglich zwischen Vorder- und Hinterachse. Saab führt jetzt zum Sommer eine weiterentwickelte Technik ein, die auch die einzelnen Hinterräder passend zur jeweiligen Fahrsituation variabel mit unterschiedlichen Drehmomenten versorgt. Premiere feiert der XWD-Allradantrieb mit elektronischem Sperrdifferenzial (eLSD) in dem limitierten Sondermodell Saab Turbo X. Der schwarz lackierte und sportlich gestaltete Mittelklässler verfügt als Kombi oder Limousine über den bekannten V6-Turbo-Benziner mit 206 kW/280 PS. Ab dem Sommer ist auch das Topmodell der 9-3-Baureihe, der Saab Aero X, mit der neuen Technik erhältlich.Schon allein der Allradantrieb ist für die schwedische General-Motors-Tochter auf dem europäischen Markt ein Novum. Dabei machen sich die guten Beziehungen zum schwedischen Zulieferer Haldex bezahlt, der die jüngste Version seiner Kupplung beisteuert. Das vollautomatische Allradsystem verteilt permanent das Drehmoment zwischen den Achsen und sorgt so für stabiles Fahrverhalten. Beim Anfahren etwa liegen vom Start weg 65 Prozent der Kraft auf der Hinterachse, um den für stark motorisierte Fronttriebler typischen Traktionsverlust vorn zu verhindern. Bei Fahrten auf gerader Strecke hingegen schaltet der Saab fast vollständig auf Frontantrieb um.
Neu an der Technik ist, dass ein elektronisches Sperrdifferenzial an der Hinterachse die ans Heck geleitete Kraft erneut verteilt, diesmal zwischen dem linken und rechten Rad. Bis zu 80 Prozent des Drehmoments erhält jeweils das Rad mit der höheren Traktion. Das verleiht dem Mittelklässler mehr Stabilität beim Spurwechsel, bei plötzlichen Ausweichmanövern oder schneller Kurvenfahrt. Bei ersten Testfahrten auf der Rennstrecke war der Schwede so kaum mehr aus der Ruhe zu bringen. Das Fahrzeug verhält sich vollkommen neutral, kein Übersteuern oder Untersteuern, kein Rutschen, kein Traktionsverlust. Stattdessen unterstützt der Allradantrieb die Kurvenfahrt und der Saab gleitet bei hohem Tempo wie auf Schienen ums Eck. Nur noch das Überschreiten der physikalischen Grenzen lässt den Wagen seinen eingeschlagenen Weg verlassen.
Das System funktioniert quasi umgekehrt wie der Schleuderschutz ESP, der das Auto in kritischen Situationen einbremst. Droht der Saab auszubrechen, wird er nicht durch Bremseingriffe zurück in die Spur gezwungen, sondern mit intelligenter Kraftverteilung ohne Leistungsverlust wieder auf den richtigen Weg gebracht. Und das nicht nur bei Instabilität, sondern permanent. Ein ähnliches System führt unter anderem BMW in seinem SUV-Coupé X6 ein.
Das Allradsystem mit elektronischem Sperrdifferenzial wird in Zukunft in Kombination mit weiteren Motoren zu haben sein und auch in die neuen Modelle der Schweden eingebaut werden. Nach Jahren des Stillstands bei der Modellpalette will die Marke in den kommenden zwei Jahren endlich ihr Angebot erneuern und ausbauen. So ist ein Kompakt-SUV geplant; eine neue Generation der oberen Mittelklassebaureihe Saab 9-5 soll folgen.
Den Startschuss des Innovationsreigens gibt das Sondermodell Turbo X, das zum 30. Jubiläum der Turboaufladung bei Saab aufgelegt wird. Bereits vor dem Marktstart ist es nahezu ausverkauft. Weltweit sollen 2 000 Fahrzeuge angeboten werden, in Deutschland sind es knapp 120. Die Preisliste beginnt bei 46 300 Euro für die Limousine mit manuellem Sechsgang-Getriebe. Der Kombi kostet 1 600 Euro Aufpreis. Holger Holzer/mid
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