Dienstag Mai 15
Billig ist ein Mercedes-Benz SL noch nie gewesen. Auch als Gebrauchtwagen werden für ältere Modelle immer noch mindestens 8 000 Euro fällig. Aber auch Modelle für 30 000 Euro sind keine Seltenheit. Dafür kann sich aber die Qualität des Luxus-Roadsters auch im Alter sehen lassen. Im TÜV-Report verweist besonders die zwischen 1989 und 2001 gebaute Generation des Hecktrieblers (werksinterne Bezeichnung: R129) alle Wettbewerber in ihre Klassen. Eine echte Geldanlage also.Der Mercedes SL ist beim Fahrverhalten trotz seines schnittigen Äußeren eher ein prestigeträchtiger Gleiter als ein rassiger Sportwagen. Nicht die Nordschleife, sondern der Boulevard ist sein Revier. Die extrem lange Motorhaube des 2+2-Sitzers sorgt für einen eleganten Auftritt, Lufteinlass-Kiemen hinter den vorderen Kotflügeln fügen dem einen Schuss Aggressivität hinzu und deuten auf die teilweise brachiale Motorleistung. Das Stofffaltdach öffnet sich automatisch, für Wintertauglichkeit sorgt ein serienmäßig mitgeliefertes Alu-Hardtop. Der Oben-ohne-Oberklässler lebt zudem auch von seinem eigenen Mythos. In den 50er-Jahren sorgte der Mercedes 300 SL, damals zunächst ein geschlossener Sportwagen mit Flügeltüren, für Furore. Der erste Roadster folgte kurz darauf.
Mit weniger als sechs Zylindern ist der sportliche Gleiter nicht zu haben. Bereits das preisgünstigste Einstiegsmodell SL 280 hat 142 kW/193 PS unter der Haube. Die stärkste Version, von Haustuner AMG auch optisch aufgerüstet, leistet aus zwölf Zylindern gar 386 kW/525 PS und ist vor allem etwas für Sammler und Enthusiasten. Am beliebtesten und am häufigsten erhältlich sind jedoch die Versionen mit Achtzylindermotor, etwa als SL 500, immer kombiniert mit einem Automatikgetriebe. Die Triebwerke wurden über die lange Bauzeit immer wieder geändert, falsch machen kann man mit keinem etwas.
Auch bei der Sicherheit kann der Stuttgarter überzeugen: Seine automatisch im Falle eines Überschlags herausschnellenden Überrollbügel waren damals wegweisend. Beim Kauf sollte jedoch auf das Vorhandensein eines Airbags geachtet werden; in den ersten Baujahren war er nur gegen Aufpreis zu erhalten. Die Ausstattung hat sich jedoch über die Jahre immer mehr erweitert. Komplett und besonders begehrt sind die Sondermodelle der "Final Edition", die zum Auslaufen der Produktion aufgelegt wurden.
Nicht nur die Motoren sind unproblematisch, auch der Rest der Technik überzeugt mit Qualität. "Diese Generation der SL-Klasse ist wohl eine der besten Baureihen in der Mercedes-Geschichte", so Hans-Ulrich Sander, Kfz-Experte beim TÜV Rheinland. Das Fahrwerk rostet nicht, und auch der Verschleiß hält sich in Grenzen. Die Bremsen verfügen über eine nahezu perfekte Wirkung in allen Jahrgängen. Und auch die Abgasanlage ist außerordentlich standfest, Ölverlust spielt keine Rolle. Nicht einmal das elektrische Verdeck bereitet nach all den Jahren Kummer, obwohl es seinerzeit eine sensationelle Neuerung gewesen ist. Einziger Kritikpunkt des TÜV: Der Blinker älterer Fahrzeuge fällt ungewöhnlich häufig aus.
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