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Mercedes macht die R-Klasse rundum familientauglich

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Mercedes macht die R-Klasse rundum familientauglich
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Mercedes R 280 CDI
Juni 2007
47.422 Euro
Antrieb 95%
- verbrauchsgünstiges Dieseltriebwerk
- leise, ausreichend kräftig
Fahrwerk 80%
- gut auf allen Unebenheiten
- neigt zum Wanken
Karosserie 85%
- familientaugliche Fondgestaltung
- könnte noch markanter aussehen
Kosten 75%
- Einstiegsmodelle für unter 50.000 Euro
- immer noch recht teuer
Kitzbühel, 14. Juni 2007 – Keiner wusste so recht, wo sie hin will, die R-Klasse von Mercedes. Irgendwie groß und kombimäßig und ein bisschen SUV und auf alle Fälle oberklassentauglich waren die Zielsetzungen. Damit konnten die Kunden offenbar nichts anfangen. Hinzu kamen hohe Einstiegspreise und ein für Mercedesverhältnisse nicht allzu gelungenes Design. So lief es einfach nicht beim Absatz des SUV-Tourers (SUV – Sports Utility Vehicle). Ingenieure und Designer haben sich zusammengesetzt, um der R-Klasse einen Charakter zu verpassen, und zwar einen Familiencharakter. Wir testen mit dem Einstiegs-Diesel R 280 CDI ob das funktioniert.

Dynamik-Gesicht
Besonders das Gesicht der R-Modelle war ein Grund zum Rumnörgeln. Die Mercedes-Designer machen hier kurzen Prozess und verpassen dem Wagen das AMG-Stylingpaket an Front und Heck. So ist der Frontschweller jetzt in Tragflächen-Optik gehalten und die nun runden Nebelscheinwerfer schmücken sich mit einem Chromring. Dies wertet den unteren Bereich des Front-Antlitzes deutlich auf. Am Heck wurde in den Stoßfänger eine breite Sicke von rechts nach links geprägt, was der Breitenwirkung des R-Modells zugute kommt. Eine weitere rein optische Maßnahme: der aus Plastik bestehende chromfarbene Ladakantenschutz mit Rillenprofil. Die riesigen Seitenflächen des Fahrzeugs blieben unangetastet. Insgesamt sieht die R-Klasse jetzt etwas gefälliger aus, wobei ihr ein noch massiveres Auftreten gut tun würde. Die bei den V6-Modellen serienmäßig verbauten 18-Zoll-Felgen sind dafür ein guter Anfang.

Familienplatz
Beim Innenraum merkt man es ganz deutlich: Die R-Klasse ist zu einem Fahrzeug geworden, welches um die Gunst von Familien mit groß gewachsenen Mitgliedern buhlt. Bisher warteten im Fond zwei einzelstehende Sessel auf Businessgäste. Jetzt gibt es eine durchgehende Sitzbank mit Isofix-Kindersitzbefestigungen an den beiden äußeren Stühlen. Der mittlere Sitz lässt sich zur Armlehne umlegen. Daran kann man gut absehen, dass dieser Platz äußerst schmal gehalten wurde – vielleicht fühlt sich dort ja Germany’s next Topmodell wohl. Die Bezeichnung „Sitz“ verdient dieses Bauteil nicht, es ist eher der Stöpsel, der die Lücke zwischen den beiden äußeren Polstermöbeln schließt. Bein- und Kopffreiheit gibt es vorne wie hinten ohne Ende. Insgesamt sind die Sitze bequem und bieten sogar halbwegs Seitenhalt. Der Gepäckraum fasst in der fünfsitzigen Konfiguration im Modell mit kurzem Radstand bereits 939 Liter. Fallen die Rücklehnen der Fondbestuhlung, können bis zu 2.001 Liter Familienzeug in den Wagen gestapelt werden. Wer ein paar unruhige Gören sein Eigen nennt, kann sich für den kräftigen Obulus von 3.094 Euro ein DVD-Entertainment-System zulegen. Dank der dazugehörigen Kopfhörer ist dann hinten Ruhe im Karton. Bis hier deutet alles auf ein gehobenes Reisegefährt hin. Können Fahrwerk und Motor dort mithalten?

Sanfter Riese
Obwohl für die Freunde gehobener Automobilkunst gedacht, so war doch der Einstiegspreis der R-Fahrzeuge immer recht happig. Mercedes drückt den Preis jetzt durch Reduzierung der Technik. So gibt es die auf der grundsätzlich allradgetriebenen M-Klasse basierende R-Klasse erstmals mit reinem Heckantrieb. Dies bringt Gewichtsersparnisse und eine Verringerung von Reibungsverlusten mit sich. Am Ende spart der Wagen wegen dieser Modifikation 0,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Allerdings stellt sich die Front des R 280 CDI beim Start nicht hecktrieblertypisch auf. Bei normalen Straßenverhältnissen ist kaum ein Unterschied zum 4Matic-Antrieb zu spüren. Auch auf regennasser Fahrbahn ließ sich der Wagen gutmütig und unkritisch bewegen. Bei winterglatter Straße ist aber sicher wieder der Zementsack im Kofferraum von Vorteil. Unebenheiten im Untergrund dämpft das Fahrwerk locker weg, wobei die relativ weich ausgelegte Federung auch ein spürbares Wanken in Kurven zur Folge hat. Aber selbst wenn die Schräglage ganz beachtlich ist, so bleibt doch alles ganz ungefährlich. Einmal in Schräglage, geht es sicher weiter bis zum Kurvenende. Und selbst bei schlagartigen Vollbremsungen wird kaum genickt. So ist auch das Fahrwerk komplett auf Langstrecken-Reisekomfort ausgerichtet.

Sparsamster R-Motor
Der R 280 mit Benzinmotor kostet in der Grundversion zwar 46.708 Euro, was 714 Euro weniger sind als beim R 280 CDI (47.422 Euro), aber der 280er Diesel ist der sparsamste Motor in der gesamten R-Modell-Reihe. Mit neun Liter Dieselkraftstoff pro 100 Kilometer lässt sich der Hecktriebler bewegen. Die Tempo-Hundert-Mauer wird nach 9,7 Sekunden durchbrochen, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 210 km/h erreicht. Bei uns stoppte die Tachonadel aber erst an der 218-km/h-Marke ihre Wanderung. Das Dreiliter-Triebwerk arbeitet ungemein ruhig, Unterhaltungen in Zimmerlautstärke werden nicht gestört, auch beim Hochdrehen des Aggregats schwillt das Motorbrummen kaum an. Klappt der Anzug nach einer kleinen Atempause bis 100 km/h noch recht spurtfreudig, wird es danach gemütlich, was aber bei einem 190-PS-Selbstzünder in einem 2,2-Tonnen-Fahrzeug nicht weiter verwunderlich ist. Bei unserer Fahrt über die steilen Bergstraßen des Kaisergebirges bei Kitzbühel stellen wir eins fest: Mit dem 440-Newtonmeter-Treibwerk ist die R-Klasse keineswegs untermotorisiert. Der einzige Unter-200-PS-Motor im R-Feld ist für die Reise-SUVs vollkommen ausreichend.

7-G-Tronic in Bestform
Eingeteilt werden die 190 PS serienmäßig von Mercedes Siebengang-Automatik 7-G-Tronic. Diese wurde perfekt auf den Dreiliter-Diesel abgestimmt. Seidenweiches Schalten ohne Verzögerungen oder Brülleinlagen begleiten uns auf jeden Meter. Auch am Berg verschluckt sich die Schaltbox nicht. Nur bei mittleren Geschwindigkeiten in Kombination mit sehr steilen Steigungen ruckelt es manchmal fast unmerklich. Getriebe und Motor arbeiten als fantastisches Team, auch der Antrieb entpuppt sich somit als für die lange Strecke geeignet.

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