Fahrbericht Nissan Tiida: Kompakte Vernunftslösung

Fahrbericht Nissan Tiida: Kompakte Vernunftslösung
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Dienstag Juli 15

Ein bisschen grimmig schaut er einen an, meint es aber nicht böse. Der Nissan Tiida ist ein klassisches Kompaktmodell und gleichzeitig die konservative Alternative des japanischen Herstellers zum offroadmäßig gestalteten Qashqai. Für die neben dem Stufenheck angebotene Schrägheckversion des Tiida entscheidet sich, wer es nicht zu bieder mag. Denn während die Scheinwerfer in unregelmäßiger Rautenform dem Kompakten einen brummigen Blick verleihen und die relativ kantige Form etwas altbacken wirkt, versöhnt das modern gestylte Heck. Was gegensätzlich klingt, wirkt in der Summe recht harmonisch. Das gilt besonders, wenn der 93 kW/126 PS starke 1,8-Liter-Ottomotor den Antrieb übernimmt. Dann kostet der Tiida allerdings 19 430 Euro. Die schwächer motorisierte Basisversion ist ab 16 200 Euro zu haben.

Der Innenraum des 4,30 Meter langen Fünfsitzers wirkt aufgeräumt und praktisch. Eine klare Linienführung beruhigt das Auge, alle Instrumente sind gut ablesbar und alle Bedienelemente intuitiv zu nutzen. Kleinere und größere Ablagen bieten Raum für Straßenkarten und Kleinkram. Bei den Materialien im Cockpit dominiert weicher, aufgeschäumter Kunststoff, der sich angenehm anfasst und schlicht, aber nicht hässlich aussieht. Alle Plätze bieten genug Kopf- und Beinfreiheit; drei Erwachsene passen aber nur bedingt auf die Rückbank. Die Frontsitze bieten mehr Beinauflagefläche als Seitenhalt, sind aus ergonomischer Perspektive nicht ausgewogen konzipiert, aber dennoch bequem. Serienmäßig ist außerdem vorne und im Fond eine Mittelarmlehne an Bord.

Der Kofferraum erlaubt bei voller Bestuhlung eine Beladung von akzeptablen 300 Litern, durch Verschieben der Rückbank ist er auf 425 Liter erweiterbar, was für einen opulenten Wocheneinkauf oder das Urlaubsgepäck zweier Personen reicht. Zusätzlich lässt sich die Rücklehne umklappen, wobei allerdings keine ebene Fläche entsteht. Bei schwerem Ladegut erweist sich die hohe und breite Ladekante als echte Hemmschwelle. Auch sperrige Güter sind nur schwer zu verstauen, da durch die Position der Rücklichter die Öffnung geschmälert wird.

Versöhnlich stimmt der 93 kW/126 PS starke Benzinmotor, der dem leicht bieder wirkenden, aber solide verarbeiteten Fahrzeug eine pfiffige Note verleiht. Dank des Antriebs kommt der Japaner zügig in Schwung und nimmt auf der Autobahn flotte Überholvorgänge in Angriff. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h dauert 10,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 195 km/h erreicht. Der Testverbrauch pendelte sich bei 10,3 Litern ein, der Hersteller gibt 7,8 Liter an. An Kosten kommen jährlich noch 122 Euro an Steuern hinzu sowie 652 Euro für die Haftpflicht bei der Axa. Bei der Ausstattung ist bereits im Basismodell das Wichtigste an Bord: Sechs Airbags und der serienmäßige Schleuderschutz ESP sorgen für Sicherheit, elektrische Fensterheber an allen Türen und eine Zentralverriegelung bieten aufpreisfreien Komfort. Optional sind unter anderem Xenonlicht und ein Glasschiebedach erhältlich.

Beim Fahrverhalten gibt sich der Fronttriebler gutmütig und sanft. Das sehr komfortabel abgestimmte Fahrwerk steckt auch Kopfsteinpflaster problemlos weg und überzeugt auf der Autobahn mit guter Straßenlage. Kurvige Landstraßen sind hingegen nicht das Lieblingsgelände des eher amerikanisch abgestimmten Fahrzeugs. Die elektrische Servolenkung hat ein wenig zu viel Spiel und die Fünfgang-Handschaltung ist etwas schwammig ausgefallen.

Der Tiida richtet sich an Autofahrer, denen wenig an optischer Effekthascherei liegt und die mehr Wert auf Komfort und Platzangebot bei einem Kompaktwagen legen. Irgendwie erinnert er an einen Opa mit Hut, der etwas angestaubt wirkt, aber eigentlich ein ganz netter und zuverlässiger Kerl ist. Silke Koppers/mid

Teststeno Nissan Tiida:

Fünftüriger Kompaktwagen; Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,30 Meter/1,70 Meter/1,53 Meter/2,60 Meter, Gepäckraumvolumen 300 Liter, Leergewicht 1 278 Kilogramm;

Motor: 1,8-Liter-Ottomotor mit 93 kW/126 PS, 173 Nm bei 4 800 U/min, 10,4 s, 195 km/h, 7,8 l/100 km Super laut Hersteller, 188 g/km, 10,3 l/100 km Super im Test, Steuern pro Jahr: 122 Euro, Beiträge bei der AXA-Versicherung: KH 652 Euro (Typklasse 18, SF 1, Zulassung Düsseldorf, 100 Mio. Euro pauschal mit Schutzbrief), VK 677 Euro (Typklasse 20, SF 1, 300/150 Euro SB), TK 75 Euro (Typklasse 17, 150 Euro SB); Preis ab 19 430 Euro.

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