Geht stets aufrecht ums Eck: Der neue BMW X5 4.8i im Test

Athen, 14. November 2006 – Nur ein Blick reicht und man weiß: dies ist ein X5. Obwohl völlig neu, strahlt der große BMW-Allradler auch in zweiter Generation die ikonenhafte X-nis des Vorgängers aus. Darüber hinaus wurde der Big Bayer technisch umfassend verbessert. Zahlreiche Innenraum-Innovationen machen ihn zudem deutlich attraktiver als bisher. Ende März 2007 rollt der neue X5 eleganter, dynamischer und geschärfter zu uns. Wir haben den ersten Siebensitzer von BMW als 3.0d und 4.8i ausprobiert.

Größer, doch nicht klobiger
Weil das neue X5-Design mehr als bisher wie aus einem Guss wirkt, kommt die zweite Generation trotz 19 Zentimeter Längenzuwachs und sechs Zentimeter mehr Höhe weniger klobig daher. Attraktiver erstrahlen die Front- und die Heckpartie. Die Rückleuchten – mit schickem LED-Nachtdesign – sind höher gesetzt und schmiegen sich weiter in die Flanken. Dort treten die Lichtkante und die Radkästen kräftiger hervor. Die größeren Scheinwerfer verleihen dem bulligeren Gesicht mehr Präsenz. Prominenter fallen auch die Kühlergrill-Nieren aus. Zwischen die Längsstreben passen jetzt Kinderhände, die dort crashuntaugliche Singvögel herausfingern könnten.

Auf Wunsch mit dritter Sitzreihe
Apropos Kinder: Von den hierzulande selten gewordenen Sprösslingen lassen sich dank einer optionalen dritten Sitzreihe (1.470 Euro) im gewachsenen X5-Inneren gleich zwei mehr mitnehmen. Wie bisher sitzen vorne selbst Hochgewachsene sehr bequem. In der zweiten Reihe freuen sich die Passagiere über vier Zentimeter mehr Beinfreiheit. Dahinter befindet sich ein auf 620 Liter gewachsener Kofferraum. Unterm hochklappbaren Boden findet sich ein 90-Liter-Zusatzstaufach für Dinge, die immer dabei sein sollen, aber niemand sehen will – also Felgenreiniger, Putzlappen oder Arbeitshandschuhe.

Stauraum auf 1.750 Liter gewachsen
Alternativ lagert unterm Kofferraumboden die leicht aufstellbare dritte Sitzreihe. Wird der X5 mit sieben Plätzen geordert, ist die Reihe zwei im klassischen Easy-Entry-Stil nach vorne klappbar und zudem in der Länge verschiebbar. Der Durchstieg ist gut, doch das Platzangebot ganz hinten knapp. Für Erwachsene sind die Zwergensitze zu eng. Deshalb ist der dreireihige X5 auch ein 5+2-Sitzer und kein vollwertiger 7-Sitzer. Hinter der dritten Sitzreihe bleibt ein 200-Liter-Kofferraum. Ohne das Mini-Gestühl und mit nach vorne gelegter Lehne der zweiten Sitzreihe wächst der Stauraum auf 1.750 Liter.

Innenraum auf Oberklasse-Niveau
Bei der Komfortausstattung bietet der X5 nun mehr Optionen. Neu ist ein 1.950 Euro teures Fond-DVD-Entertainment-System mit einem Acht-Zoll-Monitor zwischen den Vordersitzen. Die Fondgäste können außerdem die Temperatur der aufpreispflichtigen Vier-Zonen-Klimaautomatik selbst regulieren. Wertigere Materialien, optionale Holz- und Alu-Applikationen sowie feines Leder heben das Ambiente auf Wunsch auf Oberklasse-Niveau. Der große Farbmonitor für die optionale DVD-Navigation mit iDrive-Bediensystem befindet sich nicht wie beim 7er in einer herausstehenden Hutze, sondern elegant integriert in der Mittelkonsole. Eine weitere Neuerung beim iDrive sind die acht Favoriten-Tasten. Navigationsziele, Telefonnummern oder Radiosender lassen sich hier abspeichern und per Tastendruck wieder aufrufen.

Serienmäßige Sechsgang-Automatik
Links vom iDrive-Controller befindet sich der joystickartige Automatik-Wahlhebel. Der schicke Handschmeichler fast sich verdammt gut an. Ein Kleinod, das übrigens jeden X5 schmückt. Die neue Sechsgang-Automatik wird serienmäßig mit alle Motorisierungen kombiniert. Bemerkenswert am neuen Komfort-Getriebe ist neben den relativ kurzen Schaltzeiten außerdem die Option, die Gänge manuell zu wechseln. Praktisch: Stellt man den Motor aus, wird die Parkeinstellung aktiviert.

V8 mit stolzen 355 PS
Zunächst kommt der X5 als 3.0d und 4.8i. Später wird noch der 3.0si mit 272 PS folgen. Vor allem der 4,8-Liter-V8-Benziner sorgt für mächtig viel Fahrspaß. Sehr kultiviert und drehfreudig, entwickelt er mit seinen 355 PS einen gewaltigen Schub. Das reicht für Sportwagen-ähnliche 6,5 Sekunden im 100-km/h-Sprint und 240 km/h Top-Speed. Klar, dass der V8 durstig ist. Laut BMW soll der Spritkonsum bei 12,5 Litern liegen. Nach einem besonders zügig gefahrenen 150-Kilometer-Loop zeigte der Bordcomputer 20 Liter an. Auf der Autobahn mit kontinuierlich 130 km/h lag der Verbrauch bei zehn Litern.

Druckvoller Diesel
Der 3.0d ist genügsamer und damit für deutsche Kunden wohl attraktiver. Immerhin mobilisiert der Reihen-Sechszylinder 235 PS und 520 Newtonmeter Drehmoment. Ausreichend, um die 2,2 Tonnen richtig flott zu bewegen. Außen ist sein Diesel-Naturell gut hörbar. Im Innenraum empfindet man den Voll-Alumotor als leise. Turboloch und die Automatik verursachen ein verzeihliches Trägheitsmoment. Ab 2.000 Touren dreht der Diesel knurrend mit gleichmäßig sattem Schub bis knapp über 4.500 U/min und treibt den Allradler auf Wunsch in 8,3 Sekunden auf Tempo 100. Maximal wird der Selbstzünder 216 km/h schnell. Laut BMW liegt der Verbrauch bei 8,7 Litern. Angesichts der kurvigen Teststrecke und des beeindruckend guten Handlings war sparsames Fahren mit dem X5 jedoch nicht angesagt. So zeigte der Bordcomputer nach unserer Testfahrt 14 Liter an.

Aufrecht wie John Cleese
Für das Fahrwerk gebührt den BMW-Technikern wohl das größte Lob. Im Falle des 4.8i kommt eine ganze Reihe von Innovationen zum Einsatz. Das komplexe System von Lenkunterstützung, variablen Dämpfern, verstellbaren Stabilisatoren, Luftfederung und Wankausgleich nennt sich Adaptive­Drive. Die Technik sorgt dafür, dass sich das Dickschiff sportlich und ohne Kurvenwanken fährt. Aufrecht wie John Cleese im Silly-Walk-Sketch rennt der große Bayer wieselflink ums Eck.

Tolle Lenkung, steife Karosserie
Die bei niedriger Geschwindigkeit sehr leichtgängige und danach stärker verhärtende Lenkung sorgt mit ihrem sehr spontanen Einlenkverhalten ebenfalls für Sportwagen-Feeling. Das vermitteln auch die sehr torsionssteife Karosserie und die standfesten sowie gut dosierbaren Bremsen. So liegt das gefühlte Gewicht des X5 rund eine halbe Tonne unter dem tatsächlichen. Ein wenig leidet unter dieser Auslegung der Komfort. Doch selbst die Schluckqualitäten des Fahrwerks sind besser als früher.

Kein Kletterkünstler
Eigentlich ist der X5 ein Geländewagen. Doch stößt auch die Neuauflage früher als andere Allrad-Mitbewerber an Grenzen. Trotz der bergländischen Herkunft ist der 4x4-Bayer kein beinharter Alpinist. Über raue Schotterpisten kann man dank des dynamisch ausgelegten xDrives und der vielen elektronischen Regelsysteme sogar mit hoher Geschwindigkeit sehr sicher brettern. Leichtere Verschränkungen sind auch kein Problem. Wer jedoch mehr Kompetenz wünscht, sollte sich besser bei anderen Marken umsehen. Der neue X5 ist weiterhin ein Asphalt-Performer und bewegt sich dort am besten, wo er und alle seine Kletter-Kollegen ohnehin die meiste Zeit gefahren werden: auf der Straße. Auch beim Preis bleibt der X5 sich treu. Mit 51.900 Euro für den 3.0d und stolzen 68.700 Euro für den 4.8i gehört er weiterhin zu den teuren Vertretern seiner Zunft.
(mh)

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