Nur fliegen ist schöner
Donnerstag Januar 17
Lamborghini Reventón - auf der Straße kennt der Tarnkappensportwagen keine Gegner. Also muss ein Tornado der italienischen Luftwaffe zum Beschleunigungsduell antreten.
1.190.000 Euro teuer, trotzdem sind schon alle verkauft - Lamborghini schenkt sich selbst einen neuen Prestigeträger für die Firmenvita: Den Reventón, eine Neuinterpretation des Murciélago für 20 bestverdienende Autoliebhaber. Diese haben schon vor der Präsentation auf der IAA 2007 den Kaufvertrag unterschrieben. Und das, obwohl er sich von dem rund 260.000 Euro teuren "normalen" Murciélago nur optisch unterscheidet.
Die Karosserieform ist an einen Stealth-Bomber angelehnt. Der Reventón ist frei von jeglichen Rundungen. Er sieht aus, als hätte man ihn aus einem großen Stück Kohlefaser gefaltet. Die mattgraue Farbe nennt sich "Griggio barra due" und wurde nur für den Reventón entwickelt.
Die Idee, eine limitiere Sonderserie eines Supersportwagens herauszubringen, ist nicht neu. 2005 baut Ferrari 20 Exemplare des FXX zum Stückpreis von 1,7 Millionen Euro. Die Basis kommt vom Enzo, der rund die Hälfte kostet. Doch selbst wer soviel Geld übrig hat, kriegt nicht automatisch einen. Ferrari sucht die Kunden für den FXX selbst aus. Einen besitzt Michael Schumacher, der den Über-Ferrari mitentwickelt hat. Die anderen 19 Besitzer dürfen das bis zu 860 PS starke Ungetüm in einer eigenen Rennserie fahren. Der FXX hat keine Straßenzulassung.
Die Vorfahren
Bei Lamborghini beginnen die exzentrischen Modelle mit dem Countach. Von 1974 bis 1990 kommen knapp 2.000 Stück auf die Straße. Umgerechnet baut Lamborghini in dieser Zeit rund zehn Autos im Monat. Ein Zwölfzylinder-Herz mit 455 PS wird längs hinter der Fahrgastzelle eingebaut. Damit schafft der Countach 290 km/h. 1990 kommt die Ablösung durch den Diablo. Dieser hat die scharfen Kanten des Countach abgelegt, ist satte 20 Zentimeter breiter und geht mit 550 PS inzwischen locker durch die 300er Maurer. Die Höchstgeschwindigkeit liegt hier schon bei 330 km/h. 2001 dann der neue, moderne Enkel des Countach. Genauso aufregend wie seine Vorfahren. Der Murciélago.
Die Technik des Reventón ist mit der des Murciélago identisch. Der Stealthbomber-Look ist aerodynamisch verfeinert. Dafür hat man kaum an der Leistungschraube gedreht. Gerade mal zehn Zusatz-PS schenkt Lamborghini dem Reventón. Mit automatischem Getriebe und Allradantrieb rennt der Reventón in 3,4 Sekunden auf 100 km/h. Seine Höchstgeschwindigkeit endet bei 340 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit hebt ein Jet schon lange ab. Aber wie sieht es am Boden aus?
Ein Militärflughafen ist der perfekte Parkplatz für diesen Tarnkappensportwagen - nicht ohne Grund. Lamborghini nimmt es mit dem neuen Über-Lambo sogar mit der italienischen Luftwaffe auf. Ein Tornado Kampfjet nimmt das Beschleunigungsduell an. Wer ist beschleunigt schneller auf 1.000 Meter? Der 650 PS-Zwölfzylinder oder der mit zwei Turbinen ausgerüstete und bis zu zwei Mach schnelle Jet?
Start frei zum ungleichen Drag Race!
Der Jet braucht vor dem Duell volle 30 Minuten, bis er überhaupt startklar ist. Das geht bei Lamborghinis Geschoss schneller. Ein Druck auf den entsprechenden Knopf, und der Bolide ist zu allem bereit. Nur 3,4 Sekunden braucht der Lambo auf 100 km/h. Kein Wunder, dass der Allradsportler dem Jet von Beginn an davon sprintet. Das Duell gegen den Tornado-Kampfjet geht allerdings über eine Distanz von 1.000 Metern. Und so kommt es, wie es kommen muss: Nach wenigen hundert Metern bricht der 20 Jahre alte Tornado am Supersportwagen vorbei und rast mit rund 320 km/h durchs Ziel. Der Lambo verliert auf einen Kilometer rund fünf Sekunden auf den Jet und kommt mit Tempo 260 über die Ziellinie - wahrlich kein schlechtes Ergebnis!
Fazit: Der Kampfjet ist stärker, lauter und schneller als der Reventón. Dennoch steht fest: Am Boden gibt es derzeit kein aufregenderes Fahrzeug. Und wir sind sicher: Eines Tages schlägt das italienische Sportwagen-Imperium zurück.
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