Es mag glamourösere und größere Auto-Messen geben als die AMI in Leipzig. Doch die erste Branchenschau des Jahres auf deutschem Boden hat ihre eigene Nische gefunden: Sie bietet einen umfassenden Überblick der Frühjahrsneuheiten und lässt den Besuchern mehr Raum zum Ausprobieren, Anfassen und Mitmachen als jede andere Messe.
Ganz vollständig ist der Markt-Überblick in diesem Jahr aber nicht. Wegen der weltweiten Absatzkrise sind einige Hersteller wie BMW, Fiat, Volvo oder Saab diesmal nicht vertreten. Viele der wichtigsten neuen Modelle für 2009 sind aber dennoch zu sehen, etwa die neue E-Klasse von Mercedes-Benz mit schnittigerem Design und innovativen Sicherheitsextras wie einem Müdigkeitswarner. Weltpremiere feiert in Leipzig auch die Taxi-Version der Limousine, ein Fahrzeug, das bald zu Hunderttausenden das deutsche Straßenbild prägen wird.
Darüber hinaus kommen vor allem Kleinwagenfreunde in diesem Jahr auf ihre Kosten. Als eines der Messe-Highlights präsentiert sich der neue VW Polo erstmals dem deutschen Publikum. Äußerlich deutlich erwachsener, innen hochwertiger und antriebsseitig sparsam wie nie buhlt er zu Preisen ab 12 500 Euro um Kunden. Vor allem über den Preis punkten hingegen die baugleichen Schwestermodelle Nissan Pixo und Suzuki Alto, beide nur rund 9 000 Euro teuer. In die gleiche Kerbe schlägt der Peugeot 206, der nun mit modernisiertem Design unter der Bezeichnung 206+ verkauft wird und die billigere Alternative zu seinem technisch weiter entwickelten Nachfolger Peugeot 207 bildet.
Bei den alternativ angetriebenen Fahrzeugen können Besucher die Hybridautos Toyota Prius und Honda Insight miteinander vergleichen. Ersterer setzt auf ein sehr aufwendiges Antriebssystem, das Verbräuche unter vier Litern möglich machen soll. Der Honda ist technisch etwas einfacher und dadurch nicht ganz so sparsam, dafür mit 19 550 Euro rund 5 000 Euro billiger und so das zurzeit preiswerteste Hybridauto in Deutschland.
Familien finden mit der neuen Generation des Kompakt-Van-Pioniers Renault Scénic das passende Gefährt mit bis zu sieben Sitzen. Wer Kinder und Freizeitgerät auch mal über schlechte Straßen transportieren will, sollte einen Blick auf das recht kurze und variable Kompakt-SUV Skoda Yeti werfen. Wem ein Kombi für seine Platz-Belange reicht, findet in Leipzig den dynamisch gestalteten Opel Insignia Sports Tourer vor.
Doch nicht nur pure Vernunft regiert in den Leipziger Messehallen. Als leistungsstarke Sportwagen zum kleinen Preis haben sich die kompakten Kraftpakete eine florierende Nische geschaffen. Im neuen VW Golf GTI zeigt sich in Leipzig der Ur-Ahn dieser Bewegung in seiner neuesten Generation; mit 154 kW/210 PS ist er deutlich stärker als das erste Modell von 1976. Begleitet wird er erstmals von der extra sportlichen Dieselversion Golf GTD mit 125 kW/170 PS Leistung. Beiden Modellen ist heute ein eher zurückhaltend sportliches Blechkleid gemein, was man vom neuen Mazda 3 MPS nicht sagen kann. Der Japaner trägt seine 191 kW/260 PS mit großem Spoiler und einem Lufteinlass auf der Motorhaube für alle sichtbar vor sich her. Noch eine Schippe drauf legt der Ford Focus RS, bei dem der Riesenspoiler aber integraler Bestandteil der Aerodynamik ist, da es den giftigen Fronttriebler mit seinen 224 kW/305 PS ansonsten kaum auf dem Boden halten würde. Ebenfalls kompakt, aber als reinrassiger Sportwagen tritt der Audi TT RS mit 250 kW/340 PS und Allradantrieb an.
Zum Träumen lädt der Maybach Zeppelin ein, die ultimative Version der Luxuslimousine aus Stuttgart. Der Nachfolger des legendären Zeppelin aus den 30er-Jahren setzt auf zweifarbige Lackierung und besonders hochwertige Materialien im Innenraum, unter anderem gibt es eine Beduftungsanlage. Porsche zeigt den 911 GT3, die stärkste Saugmotor-Version des Sportwagens, mit 320 kW/435 PS Leistung und großem Heckspoiler.
Wer neben dem bloßen Augenschein tiefergehenden Kontakt mit neuen Pkw-Modellen sucht, ist in Leipzig ebenfalls an der richtigen Adresse. Zahlreiche Mitmach-Aktionen, Sonderschauen und Informationsveranstaltungen werden geboten. Besonders umfangreich ist traditionell das Angebot an Probefahrten: Messebesucher können rund 50 Modelle von 20 verschiedenen Marken direkt vor Ort auf Herz und Nieren prüfen, darunter etwa Toyota iQ, Honda Insight und Kia Soul. Bei der Spritsparstunde mit erfahrenen Trainern ist ebenso Geschick gefragt wie bei einem Einpark-Wettbewerb. Die Sonderschau "Filmstars" nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Kinogeschichte und zeigt Autos, die in Filmen eine Hauptrolle gespielt haben. Jugendliche Berufsstarter können sich bei der vom Deutschen Kfz-Gewerbe (ZDK) präsentierten Ausstellung "Autoberufe - Chancen für Könner" über Berufsbilder in der Automobilbranche informieren. Zum zweiten Mal in Folge richtet die Leipziger Messe außerdem eine "Ladies Corner" ein, in der Besucherrinnen in entspannter Atmosphäre praktische Informationen rund ums Auto erhalten. Für Kinder gibt es eine Kinderecke; Jugendliche könnten sich für die digitalen Spieletrends und neue Rennsimulationen interessieren.
Das komplette Programm für Publikum und Fachbesucher kann im Internet unter www.ami-leipzig.de nachgeschlagen werden. Die wichtigste deutsche Automesse des Frühjahrs ist vom 28. März bis 5. April jeweils von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 10,50 Euro, ermäßigt sieben Euro. Das ab 15 Uhr geltende Feierabendticket ist für 6,50 Euro erhältlich, eine Dauerkarte kostet 21,50 Euro. Holger Holzer/mid
Dienstag März 17
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