61. IAA Nutzfahrzeuge: Zeit für Rekorde

61. IAA Nutzfahrzeuge: Zeit für Rekorde
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Dienstag September 19

Mit der 61. IAA Nutzfahrzeuge hat jetzt in Hannover eine Messe der Superlative begonnen. Zweistellige Zuwachsraten bei den Neuzulassungen im Inland, hohe Exportraten und ausgelastete Kapazitäten der deutschen Hersteller sorgen für eine sorgenfreie Stimmung.

DaimlerChrysler vermeldet Fortschritte bei der Steigerung der Profitabilität und schafft neue Synergien zwischen den einzelnen Nutzfahrzeug-Marken des Konzerns. VW Nutzfahrzeuge eilt von einem Auslieferungsrekord zum nächsten, und MAN hat sich die Steigerung des Absatzes von 68 000 Fahrzeugen im Jahr 2005 auf 100 000 Einheiten im Jahr 2010 und die Eroberung neuer Märkte in Asien und Lateinamerika vorgenommen. Die äußeren Umstände könnten also kaum besser sein, zumal auch die Messe selbst mit 230 000 Quadratmetern größer ist als je zuvor. Rund 1 400 Aussteller aus 45 Ländern stellen ihre Produkte, Technologien und Dienstleistungen vor.

Eines der bestimmenden Themen der IAA ist die Auseinandersetzung um die Ausweitung von Fahrzeuglängen und -gewichten. Für die Befürworter sind die bis zu 25,25 Meter langen und bis zu 60 Tonnen schweren Brummis eine mögliche Antwort auf den explodierenden Güterverkehr in Deutschland in den nächsten Jahren. Die Gegner befürchten hingegen mehr kaputte und verstopfte Straßen und neue Sicherheitsrisiken. Die ersten Branchenexperten prognostizieren bereits, dass die Zahl der Transporte durch die sogenannten Gigaliner nicht etwa sinkt, sondern noch weiter steigt, weil die langen Lkw der Bahn weitere Marktanteile streitig machen.

Dennoch macht vor allem die deutsche Lkw- und Aufbau-Industrie Druck. Unter dem Oberbegriff "Euro Combi" zeigen die Hersteller ihre Lösungen für längere und größere Lkw der Zukunft. Als innovative Alternative präsentiert Anhänger-Hersteller Kögel den "Phoenixx": einen aus Carbon gefertigten Trailer, der bei Ladevolumen und Nutzlast innerhalb der bestehenden gesetzlichen Vorgaben neue Maßstäbe setzen soll. Carbon wird vor allem in der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt und zeichnet sich durch sein geringes Gewicht und seine hohe Festigkeit aus. Fraglich ist dennoch, ob der Phoenixx den Weg in die Serienfertigung findet: Der hohe Preis des Materials ist in der preissensiblen Transportbranche kaum durchzusetzen.

Neben dem Drang nach neuer Größe setzen nahezu alle Lkw-Hersteller und Zulieferer auf die Themen Umwelt und Sicherheit. Neben den nach Euro 4 und Euro 5 eingestuften Dieselmotoren rücken mehr und mehr Hybridkonzepte in den Blickpunkt: Die Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor bietet vor allem bei leichteren Lkw und Transportern im Verteilerverkehr Potenzial zur Verbrauchssenkung. Beispiele sind der serienreife Mitsubishi Canter "Eco Hybrid" sowie Konzeptstudien von Nissan, DAF und Volvo.

Das Thema Sicherheit im Lkw wird traditionell von Mercedes-Benz vorangetrieben. In Hannover stellt das Unternehmen das automatische Notbremssystem "Active Brake Assist" vor: Es arbeitet mit den Daten des Abstandsregelsystems und leitet automatisch eine Vollbremsung ein, wenn ein Aufprall mit einem vorausfahrenden Fahrzeug unvermeidlich ist. Auf diese Weise soll die Unfallschwere erheblich reduziert werden. Dem rund 5 000 Euro teuren System wird es aber wohl wie anderen Technologien auch ergehen: Die Spediteure scheuen im harten wirtschaftlichen Wettbewerb die hohen Aufpreise. Aus diesem Grund lässt auch die Verbreitung von ESP, adaptiven Dämpfer- sowie Fahrerassistenzsystemen zu wünschen übrig.

Dem Risiko des Einschlafens am Steuer - jeder fünfte Unfall in Deutschland geht auf Übermüdung zurück - soll der neue Einschlafwarner von Siemens VDO entgegenwirken. Vor allem Lkw-Fahrer gelten wegen der Monotonie während langer Nachtfahrten als gefährdet. Der Einschlafwarner arbeitet mit einer Cockpit-Kamera, die mit unsichtbarem Infrarot-Licht die Augen des Fahrers beobachtet. Bei Anzeichen für Müdigkeit und mangelnde Aufmerksamkeit wird der Fahrer über Signaltöne und Vibrationen im Sitz gewarnt. Das System ist auch in Pkw einsetzbar.

In der Transportersparte, die in diesem Jahr so viele Neuheiten wie noch nie bietet, breitet sich das elektronische Stabilitätsprogramm ESP immer mehr aus. Nach dem Mercedes Sprinter und dem VW Crafter hat ab Januar 2007 auch der Ford Transit den Schleuderschutz serienmäßig an Bord. In den Transportern anderer Marken ist das System optional erhältlich oder zumindest in den Kombi- und Bus-Versionen serienmäßig eingebaut. Das ESP der neuen Generation berücksichtigt den aktuellen Ladezustand, das Gewicht und den Schwerpunkt des Fahrzeugs und passt die Eingriffe in Bremse und Motorsteuerung automatisch an.

Die 61. IAA Nutzfahrzeuge trägt das Motto "Nutzfahrzeuge: Für uns alle unterwegs" und ist vom 21. bis 28. September täglich von neun bis 18 Uhr geöffnet. Das Tagesticket kostet an Werktagen 18 Euro und an den Wochenendtagen zehn Euro. Der ermäßigte Eintritt beträgt fünf Euro. Familientickets für maximal zwei Erwachsene und drei Kinder sind für 20 Euro erhältlich. Nachmittagstickets, die ab 13 Uhr gelten, gibt es für acht Euro, eine Dauerkarte für alle Messetage kostet 60 Euro. Michael Hoffmann/mid


 
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