- Drehorgel mit klassischem Sportcharakter, guter Sound |
- wenig Durchzug, für die Leistung enttäuschende Vmax |
- äußerst neutrales Setup, hart, aber fair- direkte, präzise Lenkung, Grip im Überfluss |
- hoher Praxisnutzen, geniale Sportsitze |
- Sitzposition zu hoch, Materialien nicht ganz perfekt |
- fast komplette Serienausstattung, guter Werterhalt |
- Grundpreis sehr hoch, bei sportlicher Fahrweise durstig |
Details für Kenner
Im kleinen allerdings wird dann doch wieder deutlich, dass wir hier in der fixen Top-Version Platz genommen haben: Der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt bei Schwindel erregenden 7.500 Touren, Pedalerie und Fußstütze sind mit griffigen Aluplatten bestückt und das Gaspedal ist mit seiner L-Form ideal gestaltet für die Zwischengasstöße beim harten Anbremsen und Herunterschalten. Weitere Hinweise auf die Rennambitionen sind die rot abgesteppte "Null"-Markierung am dick aufgeschäumten Lederlenkrad und natürlich die Renault-Sport-Plakette, die prominent neben dem Handbremshebel prangt. Weniger sportlich wirkt hingegen der schmucklose und ziemlich lange Schaltstock des knackig agierenden, kurz übersetzten Sechsganggetriebes.
Kein Turbo-Punch
Aber wir sind ja schließlich nicht zum Erbsenzählen hier, sondern zum Fahren. Also rein in die hautengen Rennschalen, Startknopf gedrückt und ab geht's. Der erste Eindruck: "Wo bitte sind denn die 197 PS versteckt?". Wer aus einem modern gestrickten Hot Hatch à la Golf GTI in den Franzosen umsteigt, dürfte vom Motor zunächst wenig begeistert sein. Der kernig klingende Zweiliter-Sauger unter der Haube braucht schon zum Anfahren ungewöhnlich viel Gas. Sobald es voran geht, tut sich auch noch nicht viel - erst in höheren Drehzahlregionen, ab etwa 5.000 Touren, beißt der Clio-Motor richtig zu.
Spaß im Drehzahl-Nirwana
Genau wie sein kleiner Bruder, der Twingo RS, will auch der Sport-Clio also ordentlich gezwiebelt werden, wenn es richtig flott voran gehen soll. Kein Wunder: Während GTI und Konsorten auf den Turbopunch aus dem Drehzahlkeller setzen, erreicht der kleine Franzose sein bescheidenes Drehmomentmaximum von 215 Newtonmeter erst bei 5.500 Touren. Die für einen Zweiliter-Sauger beeindruckende Höchstleistung von 197 PS liegt ebenfalls erst in hohen Drehzahlgefilden an: Bei 7.250 Touren erklimmt der Franzose seinen Leistungsgipfel und im Cockpit mahnt ein grüner Blitz zum Hochschalten.
Hammer-Fahrwerk
Langsam ist der Clio weiß Gott nicht: Zwar fällt die Höchstgeschwindigkeit - wohl auch aufgrund des aufgeplusterten Äußeren - mit 215 km/h für diese Klasse nicht gerade üppig aus, dafür allerdings beschleunigt der Kleine in 6,9 Sekunden auf Tempo 100. Der Nachteil der klassisch-sportlichen Motorcharakteristik: Gefühlt hinkt der französische Rabauke im Alltag immer ein Stück hinter seiner Papierform her. Der Grund ist in der eigenwilligen Motorcharakteristik zu suchen. Wer möchte schon freiwillig den Zorn seiner Mitmenschen auf sich ziehen, indem er ständig mit 6.000 und mehr Touren durch die Innenstadt krakeelt?
Nur in der Theorie sparsam
Ein weiterer Nebeneffekt der hochtourigen Auslegung ist der relativ hohe Spritverbrauch. Häufige Ausflüge in die Spaßzone jenseits der 5.000 Umdrehung lässt sich der Renault entsprechend entlohnen. Laut Hersteller gibt er sich zwar mit 8,4 Liter pro 100 Kilometer im kombinierten Zyklus zufrieden. Während unseres Tests zeigt sich die Rennsemmel mit einem Konsum zwischen 10,8 und fast 12 Liter auf 100 Kilometer deutlich durstiger.
Gelassene Neutralität
Wer sich davon nicht schocken lässt und auf freier Strecke Drehzahl und Tempo hochhält, kann im Gegenzug aber auch Kurventempi erreichen, die sonst nur veritablen Sportwagen vorbehalten sind. Das harte und gnadenlos neutrale Fahrwerk ist das eigentliche Sahnestück des Franzosen: Zusammen mit der äußerst präzisen und ausreichend mitteilsamen Lenkung macht es Fahrten über kurviges Geläuf zu den absoluten Höhepunkten im Alltag eines Clio-Treibers. Untersteuern? Was ist das? Selbst aus engen Kehren zieht sich der Renault dank unerschütterlicher Traktion und der ESP-Sonderfunktion "Understeer-Control" vorbildlich aus der Affäre.
Unterfordertes ESP
Typisch Renault Sport: Das ESP ist komplett deaktivierbar, regelt allerdings auch im aktiven Zustand erstaunlich spät. Auf trockener Straße und im Rahmen des gesetzlich Erlaubten fällt es somit äußerst schwer, den elektronischen Aufpasser überhaupt zum Einschreiten zu bringen. Selbst wenn wir das Clio-Heck per Lastwechsel zum Ausfallschritt überreden, bleibt die ESP-Leuchte aus. Erst wenn der Heckschwenk in einen Dreher überzugehen droht, leuchtet am Armaturenbrett die ESP-Leuchte auf, und die Elektronik bremst uns ein.
Ankern statt bremsen
Apropos Bremse: An der Vorderachse kümmert sich ein System des italienischen Spezialisten Brembo um die Vernichtung der knietischen Energie. Wie bei Renault Sport üblich, sind die Stopper für ihre Aufgabe überdimensioniert: Die 312 Millimeter große Scheiben vorne und die 300er hinten haben leichtes Spiel mit dem 1,3-Tonner, lassen sich fein dosieren und zeigen sich auch im Härtetest einer flotten Tour über enge Bergstraßen absolut unbeeindruckt.
Ganz und gar nicht billig
Alles andere als unbeeindruckt dürfte aber die potenzielle Kundschaft sein, sobald es ums Thema Kosten geht. Klar: Wie es sich für ein Hot Hatch gehört, bietet auch dieser schärfste Clio den hohen Alltagsnutzen und die Praktikabilität seiner zivilen Brüder. Schließlich dürften auch Sportsfreunde Details wie die geteilt umklappbare Heckbank oder die knapp 300 Liter Gepäckraumvolumen zu schätzen wissen. Mit einem Grundpreis von 24.900 Euro begibt sich der F1-Clio aber praktisch aufs Territorium deutlich größerer und nicht weniger sportlich konditionierter Konkurrenten aus der Kompaktklasse. Wer gar sinnvolle Extras wie Xenon-Licht, das "Easy Paket" inklusive axial verstellbarem Lenkrad und die Klimaautomatik ordert, wird mit 26.750 Euro zur Kasse gebeten. In seiner eigenen Klasse muss man schon den sündteuren, werksgetunten Extremsportler Mini John Cooper Works bemühen, um den Preis des Clio zu übertreffen: Der 211 PS starke britische Winzling kostet 27.700 Euro.
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