Auf den ersten Blick mutet die Hyosung GV 650i mit viel Chrom an Motor und Scheinwerfer wie eine Kopie eines amerikanischen Cruisers an. Auch das Konzept eines V2-Motors ist nicht gerade neu. Doch das Gesamtpaket an Motorrad aus Fernost für knapp 7 000 Euro ist einmalig: So sportlich ist man in der Hubraumklasse der 600er mit den Füßen voraus kaum unterwegs. Kein Wunder, dass der Hersteller diesem Modell den Namen Aquila (Adler) verpasst hat.
Bevor man nun den Greifvogel seine Schwingen ausbreiten lässt, um in aller Ruhe und souverän durchs Revier zu schweben, muss der Pilot erst einmal um die GV 650 kreisen, um das Lenkschloss am rechten Gabelholm und Zündschloss rechts am Tank zu finden - da gibt es elegantere und vor allem praktischere Lösungen. Dann wird endlich der 90-Grad-V2-Motor mit 647 ccm Hubraum per Knopfdruck zum Leben erweckt, das durch ein eher sanftes Schnurren zu vernehmen ist.
Es bedarf einer kurzen Gewöhnung an die spärlich gepolsterte Sitzposition in 70 Zentimeter Höhe über dem Asphalt mit weit nach vorn gestreckten Armen und Beinen, doch das Gefühl fürs entspannte Fahren kommt schon nach wenigen Kilometern. Weil das Zweizylinder-Aggregat gar zu sehr nach Drehzahl giert, gibt man dann halt Gas. Und erlebt zum großen Erstaunen, was die Leistung von 59 kW/80 PS und die Kraft von maximal 67 Nm bei 7 250 U/min mit diesem 230 Kilogramm schweren Cruiser anstellen kann: Das Bike zieht aus dem Stand ordentlich voran.
Bis zur Endgeschwindigkeit von 200 km/h lässt sich das koreanische Bike beschleunigen, auf eine eher unspektakulär Weise, die einem dafür aber nicht die Arme abreißt. Erstaunlicherweise ist die Aquila selbst beim Höchsttempo noch gut beherrschbar. Bei der Tour über gut ausgebaute Land- und Bundesstraßen gefällt die Maschine am meisten. Den fünften und letzten Gang der leichtgängigen Schaltung kann man bei entsprechender Verkehrslage eigentlich kilometerweit drin lassen. Doch aufgrund des drehfreudigen Motor reizt es ungemein, immer wieder zu überholen und flotter als nötig unterwegs zu sein. Werden die Kurven eng, ist dagegen Vorsicht angebracht: Die Fußrasten setzen recht früh auf.
Die Bremsen der Hyosung GV 650i Aquila verzögern angemessen, der Verbrauch von 5,2 Litern Super auf 100 Kilometer akzeptabel. Das zentrale Kombi-Instrument ist etwas überfrachtet und die Blinker- und Leerlaufleuchte ganz schlecht ablesbar, dafür sind die Spiegel wegen ihrer Größe und Vibrationsfreiheit lobenswert. Bei einer Summe von 6 995 Euro stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis - mehr echten Adler gibt es für so wenig Geld nirgendwo. Werner Wagner/mid
Teststeno Hyosung GV 650 i Aquila:
Cruiser mit flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor, 647 ccm Hubraum, 59 kW/80 PS Leistung bei 9 000 U/min, max. Drehmoment 67 Nm bei 7250 U/min, vier Ventile pro Zylinder, geregelter Katalysator, elektronische Einspritzung, Telegabel vorn, Schwingenarm hinten, Zahnriemenantrieb, Fünfganggetriebe, Höchstgeschwindigkeit 195 km/h, Leergewicht (ohne Zubehör) 230 Kilogramm, zulässiges Gesamtgewicht 410 Kilogramm, Zuladung 180 Kilogramm, Sitzhöhe 70 Zentimeter, Tankinhalt 16,0 Liter, Verbrauch 5,2 Liter Super auf 100 Kilometer; Preis 6 995 Euro.
Freitag März 20
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