Spielzeuge für ganze Kerle: Die Familie Hummer

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Donnerstag April 20

Wenn erwachsene Männer im Schlamm wühlen, dann ist er das ultimative Spielzeug: Der Hummer. Mittlerweile rollt das Monster in der dritten Generation vom Band: H1, H2, H3. Nur 3 Autos, aber 8 Tonnen Gesamtgewicht. Die Familie Hummer braucht viiieeel Platz.

Das Urgestein
Wer auf dem Weg zur Arbeit ein bisschen Krieg spielen möchte, dem empfehlen wir den H1. 6,5 Liter Diesel, acht Zylinder, zwei Meter zwanzig breit - ohne Spiegel. Diesem Auto machen alle Platz. Der H1 taugt nur für Geradeausfahrt und Geländeritt. Schnelle Kurven verursachen wegen der Ballonreifen Schweißausbrüche. Doch dafür war der Hummer nie gedacht. Erst seit ein österreichischer Kraftmensch, der in Kalifornien zu Geld gekommen ist, den von der Army eingesetzten H1 haben wollte, gibt es die zivile Version zu kaufen. In Deutschland allerdings nur über Importeure. Der H1 verfügt über eine Untersetzung und Sperren in den Planetengetrieben, die über das Bremspedal aktiviert werden. Zugeständnis an den immensen Spritkonsum: zwei Tanks. Einer fasst 95, der zweite 64 Liter Diesel. Das Cockpit ähnelt mehr einem Gefechtsstand als einem Platz am Lenkrad. Der zusätzliche Komfort unterscheidet den zivilen Hummer von seinem kriegerischen Brudermodell. Der Reifendruck lässt sich per Knopfdruck achsweise verstellen - zum Beispiel für das Fahren auf Sand. Im Laderaum findet beinahe ein Kleinwagen Platz.

Grenzenlose Freiheit im Gelände
Nur Bäume und Felswände können dieses Auto aufhalten. Wenn trotz einer Wat-Tiefe von 76 Zentimetern Wasser ins Innere dringt, zieht man im Fußraum einen Stöpsel, damit es wieder rausläuft - wie in der Badewanne. Gelassen kämpft sich dieses Auto aus jeder Situation frei - und das bei 3,5 Tonnen Leergewicht. Man sagt: Nur ein Unimog ist dem H1 gewachsen. Der Ur-Hummer verfügt über 40 Zentimeter Bodenfreiheit - soviel hat nicht einmal ein Steinbock. Dieses Auto braucht definitiv keine Straßen. Zwar hat der H1 keine Starrachsen, sondern Einzelradaufhängung, das schränkt ihn aber kaum ein. Doch die grenzelose Freiheit im Gelände hat ihren Preis: 165.000 Euro kostet der H1. Dafür bekommen Hobby-Generäle das Modell 2006 mit 305 PS.

Der zivile "kleine" Bruder
Wer Cayenne-Fahrern ins Schiebedach spucken will, kommt um den H2 nicht herum. Sechsliter-V8 und das Karosserie-Design eines Bergepanzers. Der Benzinverbrauch des H2 hat sogar die amerikanischen Kunden in einer Umfrage schockiert. Das sagt eigentlich alles. Unser Testverbrauch: Knapp 30 Liter. Wen wundert’s: Der jüngere Bruder hat einen Sechsliter-V8-Benziner mit 325 PS. Die Pickup-Version kostet voll ausgestattet 72.000 Euro, die Basis ohne Ladefläche schlägt mit mindestens 62.000 Euro zu Buche. Auch der H2 wirkt wie aus Stein gemeißelt, obwohl er statt 3,5 "nur" 2,9 Tonnen wiegt. Innen sitzt man hoch wie in einem Omnibus. Das Cockpit des H2 stammt aus einem Auto, nicht aus einem Panzer wie beim H1. Wer hier Platz nimmt, fühlt sich auch ohne Tarnanzug nicht deplaziert. Die Viergang-Automatik reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h.

Aufsetzen inklusive
Zusätzlich zur Untersetzung bietet der H2 eine manuell zuschaltbare Hinterachssperre. Die Bodenfreiheit ist nicht berauschend: 25 Zentimeter. Durch die optionale Luftfederung werden’ s zwei Zentimeter mehr. Die Wat-Tiefe liegt dafür bei einem halben Meter - das gefällt uns schon besser. Geradezu sexy klingt der brabbelnde V8-Sound. Beim Überfahren einer Rampe rächt sich die geringe Bodenfreiheit. Man muss die Linie sehr vorausschauend wählen, um nicht aufzusetzen. In der Schlammsektion fährt sich der H2 früh fest. Doch ein Ass haben wir noch im Ärmel: die Hinterachssperre. Mit ihrer Hilfe kämpft sich das Monster trotz der knapp drei Tonnen Masse frei.

H3: Der Baby-Hummer
Und jetzt der Neue, der H3. Der Baby-Hummer ist mit 1,89 Metern immer noch deutlich höher als ein VW-Touareg. Schnelle Kurven mag er nicht - auch wenn er in knapp über zehn Sekunden auf Tempo 100 spurtet. Die Wankbewegungen sind zwar geringer als beim H2, aber man freut sich trotzdem, dass ESP an Bord ist. Der H3-Designer könnte auch Tresore und Burgen entwerfen. Das Brachiale hat er mit seinen großen Brüdern gemein. Auch wenn er der Kleinste ist, ist der H3 immer noch riesig. Parklücken müssen annähernd so groß sein wie Bushaltestellen. Wir empfehlen dringend eine Einparkhilfe. Hersteller General Motors hat mit diesem Modell vor allem Europa im Visier. So ist der Innenraum erfreulich unamerikanisch. Serienmäßig ist eine Untersetzung an Bord, die Hinterachssperre gibt’s nur optional. Doch dafür ist der H3 relativ günstig: Die Preise beginnen bei 39.000 Euro. Der große Gepäckraum ist serienmäßig.

Abgespeckter Motor
Im neuen H3 arbeitet kein V8, nicht einmal ein V6, sondern ein 5-Zylinder-Benziner mit 223 PS und 3,5 Liter Hubraum. Die Wat-Tiefe des H3 liegt bei 61 Zentimetern, dann gibt’s nasse Füße. Die Bodenfreiheit ist mit nicht einmal 22 Zentimetern zu gering. Hinten ist der H3 ein Geländewagen von altem Schrot und Korn: Starrachse, Blattfedern, das Ganze auf einen Leiterrahmen geschraubt. So schiebt er sich auch über Verschränkungspassage hinweg. Bei der Schlammdurchfahrt vertrauen wir mangels optionaler Hinterachssperre auf Schwung. Aber der Kleine unter den Riesen macht seine Sache gut. Den Knaben sollte man nicht unterschätzen, schließlich wiegt er ja auch nur 2.132 Kilogramm.

Offroad-Monster unter sich
Alle drei sind sie Monster. Offroad ist der H1 unschlagbar, onroad greifen wir zum H3. Schon weil er als einziger ESP an Bord hat und sich mit unter 20 Litern Sprit begnügt. Ein Mann, heißt es, soll in seinem Leben einen Baum Pflanzen, ein Haus bauen und einen Sohn zeugen. Wir finden: Ein richtiger Mann muss in seinem Leben auch einmal Hummer gefahren sein. Ganz ehrlich.


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