Genfer Automobilsalon: Von Stand zu Stand Teil 1

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Donnerstag Februar 21

Genfer Automobilsalon: Vom Öko-Trend bis zurück zu den Wurzeln

Der Startschuss für das neue Autojahr fällt traditionell auf dem Genfer Automobilsalon (6. bis 16. März). Die auf Hochglanz polierten Modellneuheiten, Konzeptfahrzeuge und technische Neuheiten laden alljährlich zu einem Besuch der Frühlingsmesse in den Hallen der Geneva Palexpo ein. Von der "grünen Welle" bei den Modellen des vergangenen Jahres ist kaum noch etwas zu spüren. Zwar hat fast jeder Hersteller allein aus Imagegründen einen alternativen Antrieb in petto, doch da die Hybrid-, Erdgas- und Ethanolantriebe nur wenig fürs Auge zu bieten haben, verblasst der Umweltfaktor neben all dem Glamour.

"Zurück zu den Wurzeln" traditionsreicher Modellnamen heißt es in diesem Jahr bei den Serienfahrzeugen. VW legt das Sportcoupé Scirocco neu auf, Lancia hofft auf neue Erfolge des fast vergessenen kompakten Delta und Fiat gibt dem 500 Abarth eine neue Chance. An alte Errungenschaften anknüpfen will auch Renault mit einem an den Sportwagen Alpine erinnernden Konzeptfahrzeug.

Bei der diesjährigen Messe gehören kompakte SUV beinahe zum Premieren-Programm der Hersteller. Ford, Renault, Audi und Volvo präsentieren ihre serienreifen Modellzuwächse. Mercedes zeigt eine seriennahe Studie des GLK, der sich als einziger der neuen SUV beim Design an wahren Geländegängern orientiert. Die beiden Konzeptfahrzeuge von Saab und Kia lassen erahnen, wie die künftigen Kompakt-SUV der beiden Hersteller aussehen werden.

Schönheit ist Trumpf. Deshalb kommt es beim Genfer Autofrühling klassischer Weise weniger auf technische Meisterleistungen der Ingenieure als vielmehr auf die Kreationen der Designer an. Zu den schönsten Verrücktheiten darf der tauchende Sportflitzer Squba gezählt werden. Ohne dass ihm die Luft ausgeht, gleitet das amphibische Auto aus der Designschmiede Rinspeed bis zu einer Tiefe von zehn Metern unterhalb der Wasseroberfläche.

Neben den vielen Weltneuheiten feiern in Genf auch zwei neue Marken ihr Europa-Debüt. Die Nissan-Edel-Tochter Infiniti war bislang überwiegend in den USA und in Asien tätig und will nun auch bei europäischer Kundschaft punkten. Auch der chinesische Hersteller BYD wagt seine ersten europäischen Schritte und hofft, ein Stück vom großen Kuchen des Fahrzeugmarktes für sich zu erobern.

Für den 78. Genfer Automobilsalon haben sich mehr als 260 Aussteller aus aller Welt angemeldet, die auf insgesamt 77 550 Quadratmetern ihre Fahrzeuge, Zubehörteile und Dienstleistungen präsentieren. Mehr als 130 Welt- und Europapremieren wurden angekündigt, davon 94 aus dem Bereich Pkw. Zum ersten Mal steht unterhalb der Halle sieben ein Extra-Bereich mit Restaurants, Shopping, Videospielen und einem Kinderparadies zur Verfügung. Die Messe öffnet ihre Pforten vom 6. bis zum 16. März 2008 wochentags jeweils zwischen 10 Uhr und 20 Uhr, am Wochenende zwischen 9 Uhr und 19 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene kostet umgerechnet 8,70 Euro, Kinder von sechs bis 16 Jahren zahlen 5,00 Euro. Während der Publikumstage erwarten die Organisatoren rund 700 000 Besucher.

Von Stand zu Stand

Alfa Romeo

Ein echter Blickfang ist unbestreitbar der Alfa Romeo 8C Spider. 331 kW/450 PS Leistung, 4,7 Liter Hubraum und ein Blechkleid im Retro-Stil machen die offene Variante des exklusiven Sportlers zum Traumwagen. Und genau dies wird er für die meisten auch bleiben. Mit einem durchaus stattlichen Preis im sechsstelligen Bereich sowie einer streng limitierten Auflage von 500 Exemplaren bleibt der Roadster nur wenigen Liebhabern vorbehalten. Für alle anderen hält Alfa noch seine für das neue Modelljahr aufpolierten Versionen des Mittelklässlers 159, des Coupés Brera sowie des Roadsters Alfa Spider parat.

Audi

Nachdem die neue Mittelklasselimousine Audi A4 auf der IAA 2007 alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, zeigen die Ingolstädter nun erstmals die Kombi-Version Avant. Die Front des Fünfsitzers trägt den typisch großen Kühlergrill, der von breiten Lufteinlässen eingerahmt wird. Aggressiv blickende Frontscheinwerfer sorgen für Überholprestige, am Heck prangen zwei zur Innenseite hin spitz zulaufende Rücklichter. Die eigentliche Revolution steckt allerdings unter dem gefälligen Blechkleid: Vorderachsdifferenzial und Getriebe haben den Platz getauscht, so dass der Motor ein gutes Stück nach hinten rücken konnte und nun oberhalb statt vor der Achse sitzt. Dadurch schrumpft der vordere Überhang, der Radstand wächst und die Gewichtsverteilung des Fahrzeugs verbessert sich.

Auf der gleichen Plattform wie der A4 steht auch das Kompakt-SUV Q5, das ab Herbst in dem hart umworbenen Segment der handlichen Offroader mitmischen will. Der kleine Bruder des Q7 soll in Ingolstadt vom Band rollen und gegen Wettbewerber wie den BMW X3 und Mercedes-Benz GLK antreten. Weiteres Messehighlight ist neben dem neuen A3 Cabrio mit schicker Stoffkapuze vor allem der Audi RS6. Mit 426 kW/580 PS aus einem neuen 5,0-Liter-V10-Biturbo-Aggregat ist der RS6 Avant nicht nur der derzeit stärkste Serien-Audi, sondern auch der kraftvollste Serien-Kombi aller Zeiten.

BMW

Eine Gratwanderung zwischen SUV und Coupé hat der viersitzige BMW X6 absolviert. Das neue Fahrzeugkonzept soll den kraftvollen Auftritt eines Offroaders mit der Dynamik eines Sportwagens verbinden. Optisch wird das einerseits durch die hohe Gürtellinie, kräftig ausgestellte Radhäuser und die von den anderen X-Modellen übernommene bullige Front ausgedrückt. Andererseits trägt die Karosserie mit ihrer abfallenden Dachlinie und den kleinen Seitenfenstern deutliche Coupé-Züge. Für den Antrieb des Allraders stehen je zwei Diesel- und Ottomotoren mit Leistungswerten zwischen 173 kW/235 PS und 300 kW/407 PS zur Wahl.

Mit klassischem Stoffverdeck rollt das neue BMW 1er-Cabrio vor. Mit seinem ersten Kompakt-Cabriolet zielt der Münchner Hersteller auf eine Marktnische im Premium-Bereich, die der Wettbewerber Audi mit dem offenen A3 ebenfalls zu erschließen sucht. Für Open-Air-Fahrfreude sorgt auch das M3-Cabrio der nächsten Generation. Der viersitzige Hochleistungs-Mittelklässler mit muskulös ausgestellten Radhäusern verfügt über ein elektrohydraulisches Dach aus Stahlblech, das sich binnen 22 Sekunden vollautomatisch öffnet und wieder schließt. Unter der Aluminium-Motorhaube mit Hutze wirkt ein Vier-Liter-V8-Ottomotor mit 309 kW/420 PS. Das maximale Drehmoment von 400 Nm liegt bei 3 900 U/min an.

Darüber hinaus bastelt BMW an der Weitereinwicklung seines hauseigenen Spritspar-Pakets "Efficient Dynamics". Die neuen Errungenschaften werden in einem Konzeptfahrzeug auf Basis des X5 vorgestellt, der von einem Diesel-Hybrid-Antrieb in Bewegung gesetzt wird. Die Start-Stopp-Automatik, die bislang nur für Vierzylindermotoren erhältlich ist, soll künftig auch für Sechszylinderantriebe und Automatikgetriebe angeboten werden. Bis zur Serienreife dürfte es jedoch noch zwei bis drei Jahre dauern.

Brillance

Der chinesische Autobauer Brilliance präsentiert die modellgepflegte Version der Mittelklasselimousine BS6. Laut Aussagen des Herstellers würde das ab April erhältliche Fahrzeug in einem Crashtest von EuroNCAP drei Sterne erreichen. Das Vorgänger-Modell konnte nur einen von fünf Punkten erzielen. Daneben zeigen die Chinesen den kompakten BS4 mit selbst entwickeltem 2,0-Liter-Ottomotor mit 88 kW/100 PS sowie das sportliche Coupé BC3 mit 125 kW/170 PS starkem 1,8-Liter-Benzinmotor und Sechsgang-Getriebe.

BYD

Auch der chinesische Automobilhersteller BYD (Build your Dreams) will sein Glück auf dem europäischen Automobilmarkt versuchen. Neben dem Toyota-Aygo-Doppelgänger F1 und der Limousine F6 setzen die Chinesen vor allem auf Elektroantriebe. Dabei sollen ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug und ein Plug-in-Hybrid die technische Kompetenz des Herstellers unter Beweis stellen.

Cadillac

Das Konzeptfahrzeug CTS Coupé Concept von Cadillac gilt als Wegweiser für die künftige Entwicklung der Formensprache, bei der weiterhin klassische Cadillac-Elemente wie vertikal angebrachte Front- und Heckleuchten vertreten sind. Bei gleichem Radstand ist das Coupé 51 Millimeter flacher als die Limousine und um genauso viele Millimeter kürzer. In Coupé-Manier fehlt die B-Säule, die Frontscheibe steigt recht flach zum Dach auf und betont so die sportliche Silhouette des 2+2-Sitzers. Die Studie wird von einem 3,6-Liter-V6-Motor angetrieben, der auch die Limousine vorantreibt. Das Aggregat verfügt über ein maximales Drehmoment von 374 Nm und leistet 229 kW/311 PS. Während das Konzeptfahrzeug über ein Sechsgang-Schaltgetriebe und Heckantrieb verfügt, ist die CTS-Limousine auch mit Sechsstufen-Automatik und Allradantrieb erhältlich.

Die von der Detroit Motorshow bekannte Hybridversion des Luxus-SUV Cadillac Escalade stellt sich erstmals dem europäischen Publikum vor. Der 5,14 Meter lange und über 2,6 Tonnen schwere Allrader verfügt über einen Sechs-Liter-Benzinantrieb und zwei Elektromotoren; diese ermöglichen rein elektrisches Fahren bei niedrigen Geschwindigkeiten und unterstützen bei schnellerer Fahrt den Verbrennungsmotor. Der Verbrauch des Achtsitzers soll rund acht Liter auf 100 Kilometern betragen; die bereits seit 1999 erhältliche Ottomotoren-Version verbraucht rund 16,2 Liter. Der Hybridantrieb stammt aus einer Kooperation von BMW, Daimler und GM und kommt unter anderem auch in den SUV-Modellen Chevrolet Tahoe und GMC Yukon zum Einsatz.

Chevrolet

Die dreitürige Version des modellgepflegten Kleinwagens Chevrolet Aveo feiert ihre Weltpremiere. Wie der ab März erhältliche Fünftürer trägt auch die dreitürige Steilhecklimousine einen großen, durch einen breiten Steg horizontal geteilten Kühlergrill an der Front. Für den Antrieb stehen zwei Benzinmotoren mit Leistungswerten von 62 kW/84 PS und 74 kW/101 PS zur Wahl. Der Marktstart in Deutschland ist für den Sommer vorgesehen, Preise für den in Polen gebauten Kleinwagen stehen noch nicht fest, dürften aber bei rund 10 000 Euro beginnen.

Chrysler/Dodge/Jeep

Futuristisch in Antrieb und Design sind die drei Elektro-Konzeptfahrzeuge, die die Konzernbrüder Chrysler, Dodge und Jeep vorstellen. Der Chrysler Eco Voyager ist ein geräumiger Viersitzer mit Elektro-Brennstoffzellen-Motor und Lithium-Ionen-Batterien. Das 200 kW/272 PS starke Elektro-Triebwerk beschleunigt das Fahrzeug in weniger als neun Sekunden von null auf 100 km/h. Mit einer Reichweite von 64 Kilometern im rein elektrischen Betrieb eignet sich der Eco Voyager vor allem für Berufspendler, die nur kurze Strecken zurücklegen müssen. Offroad-Fans mit Öko-Ambitionen dürften von der zweisitzigen Oben-ohne-Studie Jeep Renegade mit Diesel-Elektro-Hybridmotor begeistert sein. Der Elektroantrieb mit Lithium-Ionen-Batterien hat eine Reichweite von 64 Kilometern; insgesamt können 644 Kilometer gefahren werden. Dritter im Bunde der umweltfreundlichen Konzeptfahrzeuge ist der Dodge Zeo. Der sportliche Hecktriebler mit kraftvollen 23-Zoll-Rädern und protzig ausgestellten Radhäusern wird rein elektrisch angetrieben. Die Motorleistung beträgt 200 kW/272 PS. Das Lithium-Ionen-Batteriemodul ermöglicht eine Reichweite von 402 Kilometern.

Citroen

Extravagante Formen für die Mittelklasse bietet die zweite Generation des Citroen C5, die nun erstmals als geräumige Kombi-Version zu sehen ist. Sowohl der "Tourer" genannte Kombi als auch die Limousine werden mit jeweils drei Benzin- und vier Dieselmotoren angeboten, wobei sich das Leistungsspektrum zwischen 80 kW/109 PS und 155 kW/211 PS bewegt. Die Preisliste für die C5 Limousine beginnt bei rund 22 000 Euro, der Kombi startet unter der Bezeichnung C5 Tourer bei rund 23 100 Euro. Mit den vergleichsweise günstigen Preisen soll der C5 erstmals auch den deutschen Flottenmarkt ins Visier nehmen.

Der Urvater des Lieferwagens, der Citroen Berlingo, hat gemeinsam mit seinem Bruder Peugeot Partner eine Neuauflage erlebt. Die neuen Typen bieten mehr Komfort, etwas größere Grundmaße und damit auch deutlich mehr Platz im Innenraum. In der Länge sind sie um 24 Zentimeter gewachsen, in der Breite um knapp zehn Zentimeter. Die maximale Laderaumlänge wuchs freilich nur um zehn Zentimeter auf 1,80 Meter. Die Differenz kam dem größeren Fußraum und der verbesserten Crash-Sicherheit im Vorderbau zugute. Sabine Schwarz/mid

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