Montag Mai 19
Schon Monate vor seinem Marktstart sorgt der Nissan GT-R in Deutschland für Furore. Zum Preis von 77 300 Euro bietet der Sportwagen Motor- und Fahrleistungen, wie sie sonst nur doppelt so teure Porsches und Ferraris zu bieten haben. Auch wenn der asiatische Herausforderer der schnellen Europäer in Deutschland noch eine unbekannte Größe ist: In Japan sind die Vorgänger der aktuellen Generation schon seit Jahrzehnten als preiswerte Fahrmaschinen Kult.Obwohl der neue GT-R ein neues und eigenständiges Modell ist, hat er doch Vorfahren. Denn hervorgegangen ist er aus den Top-Modellen der vergangenen Generationen des nur in Japan und den USA erhältlichen Nissan Skyline. Schon seit 1969 stellt der japanische Hersteller seiner eher biederen Mittelklassebaureihe Skyline eine besonders leistungsstarke Coupé-Version mit dem Namenszusatz "GT-R" zur Seite, die sich auch im Design vom Standardmodell stark unterscheidet. Unter anderem fungieren runde Heckleuchten unter einem großen Heckspoiler als Erkennungsmerkmal der GT-R-Fahrzeuge.
Trumpfkarte der Top-Modelle war aber immer der Antrieb. Ein Sechszylinder-Ottomotor mit sportwagenmäßiger Leistung leitete seine Kraft zunächst auf die Hinterräder, später wurde ein Allradantrieb samt mitlenkender Hinterachse Standard. Schon ab Werk war der GT-R ein schnelles Auto. Doch seinen wahren Ruhm verdankt er den findigen japanischen Tunern und Rennfahrern, die das preiswerte Fahrzeug mit Vorliebe weiter veredelten und Motoren mit bis zu 1 000 PS Leistung einbauten. Auch die in Japan von den Herstellern gesetzlich geforderte Abregelung der Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h wurde umgangen, so dass die schnellsten Exemplare mehr als 340 km/h auf die Straße brachten. Bei Rennwettbewerben fuhren die Fahrzeuge Siege in Serie ein, was dem GT-R aufgrund seiner japanischen Herkunft den Beinamen "Godzilla" einbrachte.
Europäern ist der GT-R - wenn überhaupt - vor allem durch Videospiele und die Manga genannten Nippon-Comics bekannt. Denn jede Rennsimulation, die etwas auf sich hält, lässt den Spieler auch einen Skyline GT-R fahren. Nicht-virtuelle Fahrzeuge sind in Deutschland meist nur als importierte Gebrauchtwagen zu haben. Auf Linkslenkung umgebaute Versionen gibt es daher nur sehr selten. Auch die Zulassung ist schwierig, da der TÜV wegen fehlender Herstellerunterlagen eine teure Einzelabnahme machen muss.
Ändern wird sich das mit der neuesten Generation, die erstmals nicht unter der Skyline-Baureihe läuft, sondern als "GT-R" dann ein komplett eigenständiges Modell darstellt. Beim Händler steht der Nissan GT-R ab März 2009. Sein 353 kW/480 PS starker V6-Turbomotor liefert ein maximales Drehmoment von 588 Nm, das über ein Doppelkupplungsgetriebe an beide Achsen weiter geleitet wird. In weniger als vier Sekunden ist aus dem Stand Tempo 100 erreicht, die Höchstgeschwindigkeit liegt jenseits der 300 km/h. Auf der Nordschleife des Nürburgrings erreichte ein Werksfahrer mit dem Serienauto kürzlich die für ein straßenzugelassenes Auto die fabelhafte Zeit von 7:29 Minuten. Stärkstes Argument für den Boliden dürfte aber wieder der Preis sein: Der Frontmotor-Sportler in Transaxle-Bauweise tritt mit reichhaltiger Ausstattung unter anderem gegen den Porsche 911 Turbo an, der mit rund 140 000 Euro nahezu doppelt so teuer ist. Holger Holzer/mid
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