Montag August 21
Lkw gelten in der Öffentlichkeit zum Teil immer noch als Luft- und Umweltverschmutzer. De facto jedoch werden die Brummis von Jahr zu Jahr sauberer und verfügen zum Teil heute schon über Abgasreinigungssysteme, die bei Pkw erst in einigen Jahren eingebaut werden sollen. Auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover (21. bis 28. September) werden die neuesten Entwicklungen in der Abgastechnik vorgestellt. Welcher Kunde sich für welche Technik entscheidet, ist auch eine Frage von Geld und Gewicht.Ab Oktober dürfen nur noch Nutzfahrzeuge neu zugelassen werden, die die Abgasnorm Euro 4 erfüllen. Drei Jahre später werden die Grenzwerte mit der Euro-5-Norm nochmals verschärft. Diese Norm wird bereits heute von rund einem Viertel der in Deutschland neu zugelassenen Lkw über zwölf Tonnen Gesamtgewicht erfüllt. Denn die sauberen Brummis werden bei der Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen mit niedrigeren Sätzen begünstigt.
Um Euro 5 zu erfüllen, gehen die meisten europäischen Nutzfahrzeughersteller den Weg der so genannten SCR-Abgasreinigung (Selective Catalytic Reduction): Durch die Beimischung einer Harnstofflösung werden die Stickoxide im Abgas in harmlosen Stickstoff und Wasser umgewandelt. Unter der Bezeichnung "Bluetec" will Mercedes-Benz die Technologie in zwei bis drei Jahren auch im Pkw anbieten. Die Harnstofflösung wird unter der Bezeichnung "AdBlue" über das Tankstellennetz vertrieben und in einem separaten Tank mitgeführt. Eine entsprechende Infrastruktur wird in Deutschland gerade insbesondere entlang der Autobahnen aufgebaut, hinkt aber in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern noch deutlich hinterher.
Weil die meisten Unternehmen wie DAF oder Mercedes nicht zwei verschiedene Technologien entwickeln wollen, wird SCR auch in Fahrzeugen eingesetzt, die für Euro 4 ausgelegt sind. Dass es auch anders geht, zeigt MAN. Der Lkw-Hersteller geht mit der Kombination aus wartungsfreiem Partikelfilter und gekühlter Abgasrückführung (AGR) einen Sonderweg. Vorteil gegenüber der Harnstoffbeimischung sind unter anderem die niedrigeren Kosten und das geringere Gewicht. Das Abgasrückführungssystem und der Partikelfilter bringen zusammen mit dem neuen Euro-4-Motor lediglich zehn Kilogramm mehr auf die Waage als der bisherige Euro-3-Motor; dagegen wiegt die SCR-Technik wegen des schwereren Katalysators und des AdBlue-Tanks nach Angaben des Unternehmens mindestens 150 Kilogramm. Zudem benötigt die MAN-Lösung weniger Bauraum.
Vor allem für leichtere und kleinere Fahrzeuge, die meist in Städten und auf Landstraßen unterwegs sind, bietet sich nach Auffassung des Herstellers die Euro-4-Lösung mit Partikelfilter und AGR an. Das aufwendigere und teurere SCR-Reinigungssystem dagegen eigne sich insbesondere für Fahrzeuge des Fernverkehrs mit hoher Jahresfahrleistung und hohem mautpflichtigen Autobahnanteil: Hier lassen sich die Zusatzkosten über die niedrigeren Mautsätze wieder einspielen. Für künftige Grenzwerte hofft das Unternehmen zudem auf seinen Entwicklungsvorsprung beim Thema Abgasrückführung. Denn Normen wie Euro 6 oder die Grenzwerte des US-Standards EPA 2010 könnten mit SCR allein nicht erreicht werden.
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