Riesen-Auspuffende
Dass da jede Menge Abgas raus kommt, zeigt das immense Endrohr in der Mitte: Früher hätten da Kleinwagenhersteller eine Klappe dran gemacht und es Kofferraum genannt. Dass der Lambo insgesamt 2,05 Meter breit ist, glaubt man bei der Heckansicht ohne Zweifel. Gegen die 335er-Reifen hinten wirken die 245er-Gummis vorn fast schmal. Hoch ist der Bolide nur 1,13 Meter.
Bullernder Sound
Doch zurück zu meinen feuchten Händen, die langsam trocknen, als ich den bullernden Klang des Kraftwerkes hinter mir vernehme. Beim Gasgeben wird der Sound der V12-Maschine fordernder, lauter, brüllender und gänsehauterzeugender. Nur mühsam kann ich mir verkneifen, im Leerlauf mit dem Gaspedal zu spielen um dieses satte Wromm ... wromm ... zu genießen.
Berauschender Vortrieb
Bis etwa 4.000 Touren ist der Vortrieb genial. Ab dieser Drehzahl dann einfach nur noch so berauschend, dass ich gar nicht mehr vom Gas gehen will. Aus dem Datenblatt weiß ich, dass der Murciélago LP640 nach einer Sprintzeit von 3,4 Sekunden Tempo 100 erreicht hat. Aha, so übersetzt man also Sssssssppppp ... grins ins Zahlenwerk. Kurz danach bemerke ich im Rückspiegel, dass sich die Lufthutzen in Höhe der Heckscheibe geöffnet haben. Das passiert automatisch, wenn der Wasserkühler des Motors mehr Luft zugefächelt haben möchte.
Bissiger Bolide
Im Vergleich zum kleinen Bruder Gallardo ist der LP640 der wesentlich bissigere der beiden Geschwister nicht nur wegen dem größeren und stärkeren Motor. Vor allem im Fahrverhalten unterscheiden sich die beiden. Während im Kleinen schützend das ESP einbremst, was der Fahrer vergeigt hat, gibt es solch einen elektronischen Rettungsfallschirm im LP640 nicht. Nur eine Traktionskontrolle unterstützt die Bodenhaftung. Man sollte also die Grenzen zunächst mit dem gebührenden Respekt ausloten, sonst könnte sich die Physik mit unkontrollierten Fliehkräften rächen. Nach dem ersten Heckzucken in einer engen Straßenkurve weiß ich auch, was Claudia Schneider mit aufpassen gemeint hat.
Variabler Allradantrieb
Der Allradantrieb arbeitet variabel: Im Normalfall treiben 70 Prozent die Hinterrräder. Eine Viscokupplung kann die Leistung bis zu 100 Prozent auf eine Achse schicken. Bemerkenswert ist das krallende Kurvenverhalten: Es erlaubt, nahezu neutral Wegbiegungen mit Geschwindigkeiten zu durchfahren, bei denen andere längst im Acker stecken würden. Seine Spitze erreicht der neue Murciélago bei Tempo 340. Der Tacho-Endwert hat also seine Berechtigung. Ach ja, und noch zwei Zahlen sollten Sie wissen: Laut Hersteller trinkt der Stier im Durchschnitt 21,3 Liter Benzin. Und kostet ab Werk 249.400 Euro.
(hd)
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