Freitag August 22
Zwischen Franzosen und Italienern herrscht seit dem "Zusammenstoß" von Zinedine Zidane mit Marco Materazzi beim Fußball-Weltmeisterschaftsfinale 2006 und der Niederlage Frankreichs ein etwas gespanntes Verhältnis. Zwei Jahre danach wagen wir ein Experiment und fahren mit einem offenen Weltmeister zur Grande Nation. Anfangs wird der Alfa Romeo Spider noch argwöhnisch beäugt, aber es spiegelt sich ein deutliches Interesse in den Blicken wider.Denn eines kann nicht abgestritten werden: Gut sieht er aus, der knapp 40 000 Euro teure Italiener. Rechts und links des V-förmigen Kühlergrills reihen sich Alfa-typisch je drei Scheinwerfer nebeneinander auf und verleihen der Front einen aggressiven Blick. Ein Pendant an Rückleuchten ziert das abgerundete kurze Heck, die breiten Kotflügel sorgen für einen massiven Auftritt. Mit der langgezogenen Motorhaube und dem Stoffverdeck verfügt der Zweisitzer über klassische Roadster-Elemente. Puristisch ist der Spider allerdings nicht. Der Innenraum ist mehrfarbig gestaltet, Alu-Zierleisten setzen schöne Akzente und die Armaturen zeigen mehr als nur das Allernotwendigste an, Verarbeitungsqualität und Materialauswahl stimmen.
Doch es sind nicht nur Blicke, die der Alfa auf sich zieht. Auch die Ohren werden gespitzt, sobald der Startknopf gedrückt wird. Denn das Cabrio wird von einem gut vernehmbaren 2,4-Liter-Dieselmotor mit 147 kW/200 PS Leistung angetrieben. Unauffällig stößt der offene Italiener also nicht in das Gebiet des Crêpes und des Pastis vor, aber die exotische Mischung wirkt interessant. Zudem fällt das recht laute Dieselnageln nur im Stand auf. Bei der Fahrt geht das Triebwerk dagegen kultiviert und leise zu Werke.
Das maximale Drehmoment von 400 Nm bei 2 000 Umdrehungen bietet eine ordentliche Durchzugskraft. Für die Kraftübertragung sorgt eine sauber arbeitende Sechsgang-Automatik, die sich auch über Paddels am Lenkrad bedienen lässt. Doch so sportlich und dynamisch wie das wirkt, fährt sich der Spider nicht. An mancher Steigung und in einigen Kurven fühlt es sich an, als wäre die Karosserie stellenweise mit Blei ausgegossen. Kein Wunder, denn der 4,39 Meter kurze Roadster wiegt stolze 1 730 Kilogramm. Doch dafür besitzt der Fronttriebler eine satte Straßenlage und außerdem eine hohe Verwindungssteifigkeit.
Mit dieser Mischung und einem Durchschnittsverbrauch von acht Litern Diesel auf 100 Kilometern ist das Fahrzeug nahezu auf jeder Strecke zuhause. Gediegene Landstraßenfahrten machen jedoch am meisten Spaß, besonders bei offenem Verdeck. Dafür lohnt die Wartezeit im Stand von langen 25 Sekunden, die das voll automatische Verdeck benötigt, um sich in einem separaten Fach im Heck zusammenzufalten. Dank des gläsernen Windschotts und der weit in den Innenraum ragenden Frontscheibe wird der Wind perfekt über das Auto hinweg geleitet. Selbst bei einer Geschwindigkeit von 180 km/h auf der Autobahn kommt es kaum zu Verwirbelungen im Innenraum. Lediglich die Geräuschentwicklung ist entsprechend größer. Bei geschlossenem Dach dringen erst ab 150 km/h Windgeräusche ins Innere. Einen Nachteil hat die eng anliegende Stoffmütze allerdings. Wird die Fahrertür nach einem Regenschauer geöffnet, tropft von der Dachkante Wasser auf die Schalter für die elektrische Sitzeinstellung.
Doch an sonnigen Tagen schert das nicht, auch nicht in Frankreich, wo sich nach einigen Tagen die argwöhnischen Blicke zu ersten Gesprächen entwickeln. Interessiert wird der Kofferraum inspiziert, in dem sich 253 Liter Gepäck auch bei geöffnetem Dach verstauen lassen. Wer auf das Reserverad verzichtet, bekommt mit der leeren Mulde noch einmal gut 30 Liter dazu. Kleinigkeiten lassen sich in zwei abschließbaren Fächern hinter oder zwischen den Sitzen unterbringen. Die Sitze sind allerdings fast nur für schmal gebaute, weibliche Gesäße gemütlich. Kräftige oder hochgewachsene Männer empfinden die Bestuhlung auf Dauer eher als unbequem. Wer optimal in die schlank geschnitten Sportsitze passt, findet dort auch einen guten Seitenhalt - und im gesamten Fahrzeug einen guten Gefährten. Das finden am Schluss der Reise selbst die Franzosen. Experiment erfolgreich beendet. Silke Koppers/mid
Teststeno Alfa Romeo Spider:Cabriolet mit Stoffverdeck und Frontantrieb; Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,39 Meter/ 1,83 Meter/1,37 Meter/2,53 Meter, Kofferraumvolumen 253 Liter; Antrieb:2,4-Liter-Fünfzylinder-Dieselmotor mit 147 kW/200 PS, Sechsgang-Automatikgetriebe, max. Drehmoment 200 Nm bei 4 000 U/min, 0-100 km/h in 8,5 Sek., Höchstgeschwindigkeit 225 km/h, Verbrauch 8,0 l/100 km Diesel, CO2-Ausstoß 208 g/km, Beiträge bei der AXA-Versicherung: KH: 677 Euro (Typklasse 19, SF-Klasse 1), VK: 982 Euro (Typklasse 25, SF-Klasse 1, 300/150 Euro SB), TK: 174 Euro (Typklasse 25, 150 Euro SB), serienmäßige Sicherheitsausstattung: fünf Airbags, ESP, Überrollbügel; Preis ab 39 550 Euro; Testwagenpreis: 43 485 Euro.
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