- drehfreudig und ausgesprochen sparsam |
- zunächst ohne Speicherkat im Angebot |
- aktiver Ausgleich von Bodenwellen- bei Komfort-Einstellungen für jeden was dabei |
- sehr selbstbewusster Auftritt- Vielzahl moderne Assistenz-Systeme |
- moderater Einstieg in die deutsche Oberklasse |
- Aufpreisliste schlägt zu |
Entspannter bei Stop&Go
Wie es sich für ein Business-Fahrzeug aus den oberen Liegen des Autobaus gehört, kann auch der neue 7er randvoll mit elektronischen Helferlein gepackt werden. Fangen wir ganz vorne an: Unten links in der Frontschürze sitzt das Abstands-Radar, mit dessen Hilfe sich die eigene Geschwindigkeit der des Vordermanns anpassen lässt - bis zum Stop&Go-Betrieb.1.880 Euro werden dafür aufgerufen und das System kommt nur in den Wagen, wenn das Navigationssystem "Professional" für 2.900 Euro schon da ist. Einmal aktiviert, bremst der Abstands-Tempomat den Wagen zuverlässig bis zum Stillstand ab. Dauert der Stopp aber länger als drei Sekunden, muss der Fahrer durch eine kurzen Tritt aufs Gas das Losfahren einleiten.
Schilder-Gucker
Deutlich über dem Radarsensor, nämlich rechts im großen Grill sitzt das Auge für die Tempolimit-Erkennung. Diese deutlich zwischen zwei senkrechten Grill-Streben zu erkennende Kamera putzt sich sogar mit einer eigenen Reinigungs-Düse. Das System erkennt die momentan zulässige Höchstgeschwindigkeit sowohl anhand von fest installierten Verkehrsschildern als auch an leuchtenden Wechselanzeigen über der Autobahn. Der unangenehme Gedankenblitz "Wie schnell darf ich hier eigentlich fahren?" gehört damit der Vergangenheit an. Die Verkehrszeichenerkennung ist an die Installation eines Navigationssystems sowie die Spurverlassenwarnung (520 Euro) gekoppelt.
Scharfer Seitenblick
Vorne in den Kotflügeln, ganz dicht am Rad, sitzt jeweils noch ein Kamera-Auge: das so genannte Side View. Nach einem Knopfdruck in der Mittelkonsole dürfen die beiden Kameras ihr Bild in den Navi-Bildschirm projizieren. Fahren wir aus einer engen Gasse heraus, können wir so sehen, was rechts und links von unserer 7er-Schnauze passiert, lange bevor wir mit ausgestrecktem Hals etwas erkennen würden - wir können quasi um die Ecke gucken. Das Bild ist scharf und es macht einfach Spaß, das System auch mal ohne Grund zu aktivieren. Die Kette der Bedingungen, unter denen das Side View (420 Euro) mit dabei sein kann, gehört allerdings zu den längeren in der Aufpreisliste des 7ers: Unabdingbar wird der Einbau einer Rückfahrkamera (420 Euro) vorausgesetzt, welche wiederum nur zusammen mit der Einparkhilfe (810 Euro) daherkommt.
Gespür für weiße Linien
Das nächste neugierige Auge sitzt hinter der Frontscheibe im Bereich des Innenspiegels. Der 520 Euro teure und an einen Navi-Einbau gekoppelte Spurverlassens-Warner hält beständig nach weißen Linien am Straßenrand Ausschau. Drohen wir, eine Linie zu überfahren, ohne dabei vorher den Blinker gesetzt zu haben, vibriert das Lenkrad vorwurfsvoll und will uns so aus unserer vermeintlichen Unaufmerksamkeit reißen. Aber: Das System funktioniert nur, wenn es zwei Linien erkennen kann - gibt es nur eine Mittellinie, tut sich bei uns gar nichts. Und bei engen gewundenen Landstraßen nähern wir uns öfter den Fahrbahnbegrenzungen, so oft, bis das ständige Vibrieren nervt und wir es per Knopfdruck abschalten.
Lebender Winkel
Spurwechsel gehören immer noch zu den häufigsten Unfallursachen - dem toten Winkel sei Dank. Volvo und VW haben ihn schon länger, nun bringt auch BMW einen Spurwechselwarner (620 Euro). Radarsensoren am Heck des 7ers scannen in einem Bereich von 60 Meter hinter dem Fahrzeug die Nebenspuren ab. Befindet sich ein anderer Wagen in diesem Bereich, leuchtet ein LED-befeuertes rotes Dreieck. Deuten wir durch Setzen des Blinkers einen Spurwechsel Richtung Fahrzeug im toten Winkel an, blinkt das Dreieck hektisch, zusätzlich vibriert wiederum das Lenkrad. Dies ersetzt zwar nicht den Blick auf die Nebenspur, kann aber sicherlich das ein oder andere Phhhhht-Gefühl entschärfen.
Bequemlichkeit im Vordergrund
Haben wir erst mal richtig Platz genommen, kann uns der Wagen nichts mehr vormachen: Er will, dass wir es bequem haben. Seitenhalt geben die Sitze maximal in dynamischer, auf keinen Fall in sportlicher Manier. Bequem und dank weit verstellbarer Beinauflage auch für sehr große Fahrer geeignet nimmt uns das Gestühl auf. Großartig: Das 1.340 Euro teure Head-Up-Display. Dieses System projiziert die wichtigsten Informationen wie Geschwindigkeit und Navigationspfeile in die Frontscheibe - der Blick zum Tacho wird selten. Ergonomen sehen dieses Display für alle Wagen herbei, laut Umfragen soll die Kundenzufriedenheit hinsichtlich Head-Up bei nahezu 100 Prozent liegen. Die stiefmütterliche Behandlung des Fonds hört bei Oberklasselimousinen auf. Und so sitzen wir auch hinten bequem, haben auf Wunsch eine Massage-Funktion (620 Euro) und eine Sitzheizung (440 Euro) im Rücken. Ganz hinten vertreibt noch der Kofferraum mit seinem 500-Liter-Raum Gepäcksorgen.
Hinterräder lenken aktiv mit
Der 7er ist mindestens 5,07 Meter lang - was der Wendigkeit hinderlich sein könnte. Allerdings versucht sich BMW wie seinerzeit im 8er mal wieder an einer Allradlenkung: Die so genannte Integral-Aktivlenkung kann für 1.750 Euro geordert werden. Hier werden über einen Motor die Hinterräder bis zu einem Winkel von drei Grad mitgelenkt - bei niedrigen Geschwindigkeiten einer erhöhten Agilität zuliebe entgegen der Richtung der Vorderräder, bei hoher Geschwindigkeit in die gleiche Richtung wie die Räder an der Front, um Spurwechsel ruhiger zu absolvieren. Beim Wenden auf einer engen Landstraße sind wir überrascht, dass wir unseren Wagen in einem Zug drehen können - laut BMW verringert sich wegen der Allradlenkung der Wendekreis um bis zu 70 Zentimeter. Der Spurwechsel auf der Autobahn verläuft zwar sanft gleitend, aber da können wir keinen großen Unterschied zum Vorgängermodell feststellen. Die Lenkung an sich ist äußerst präzise und frei von Spiel.
Ganz weich bis straff
Serienmäßig mit dabei: eine dynamische Dämpfer-Kontrolle. Wie beim ABC-Fahrwerk von Mercedes, passen sich hier die Dämpfer der Fahrbahn und unserem Fahrstil an. So sind Schaukeln und Aufschwingen beinahe ausgeschlossen. Zwischen drei Abstimmungen können wir wählen: Comfort, Normal und Sport. "Comfort" buttert Fugen und sonstige Unebenheiten weg, lässt den Wagen aber in Kurven auch gut wanken. Für europäischen Geschmack ist diese Einstellung etwas zu weich. "Normal" hält, was der unaufgeregte Name verspricht: Mit ganz leichter BMW-Straffheit ist diese Konfiguration als Allroundtalent geeignet, nur bei lebendiger Kurvenfahrt wankt der 7er immer noch. Dann muss "Sport" ran - sofort steigt die Dämpfung, durch Biegen können wir agil hindurchwedeln. Ganz nebenbei: Je nach Welle oder Hügel wird auch die Leuchtweite des 7er ähnlich einem vertikal arbeitenden Kurvenlicht aktiv geregelt. Dies bietet im Moment kein weiterer Hersteller an.
Funktioniert das 3er-Aggregat auch hier?
BMW ist sich sicher: Der neue 7er ist als 730d mit 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel das sparsamste Oberklassen-Fahrzeug am Markt. Wir haben den Motor schon im neuen 330d getestet und sind gespannt, wie das Aggregat mit einem beinahe 300 Kilogramm schwereren Wagen fertig wird. 245 PS hören sich für einen Wagen aus diesem Segment gar nicht mal üppig an. Das maximale Drehmoment von 540 Newtonmeter wirkt da schon besser - zumal es bereits ab 1.750 U/min zur Verfügung steht. Dem skeptischen Tritt aufs Energie-Pedal folgt die Erkenntnis: Der Motor ist nicht nur im 3er ein Bringer, auch zum neuen 7er passt er perfekt. Gierig am Gas, drehfreudig und mit gedämpft ruhigem Klang macht sich der Selbstzünder an die Arbeit. In vollkommen akzeptablen 7,2 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, bei sympathischen 245 km/h ist Maximum-Speed erreicht - mal eine deutsche Oberklassen-Limousine, die nicht bei 250 km/h in den Begrenzer muss.
Lust auf Diesel-Saft?
Im Schnitt reichen dem Motor 7,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer - bei nicht überangestrengter Spar-Fahrweise kommen wir genau auf diesen Wert. Das wir mal einen Zweitonnen-Nobelhobel mit einer Heerschar von elektrischen Verbrauchern mit diesem Verbrauch durch die Lande chauffieren können, erschien uns vor fünf Jahren noch unvorstellbar. 192 Gramm CO2 entweichen pro Kilometer, das Triebwerk hält die Euro-5-Norm ein. Das Erreichen der ab 2014 geltenden Euro-6-Grenzwerte per aufpreispflichtigen Speicherkat ist im 7er noch nicht vorgesehen. Erst mal will BMW die Kundenreaktionen auf das Angebot im 3er warten - läuft es dort gut, hat auch der 7er eine Chance auf optional noch bessere Abgaswerte.
Mittelkonsole: Shift by Wire
Geschaltet wird auch im neuen 7er über eine Sechsgang-Automatik. Allerdings wurde diese gründlich hinsichtlich Verbrauch und Schaltcharakteristik überarbeitet. Am deutlichsten merken wir es beim Kick-down: Um bis zu vier Stufen schaltet die Automatik zurück, um eine zügige Beschleunigung zu ermöglichen. Der Wahlhebel sitzt jetzt wieder in der Mittelkonsole, beim Vorgänger mussten die Gänge an einem Lenkrad-Stock ausgewählt werden. Und der neue Hebel verfügt über keine mechanische Verbindung zum Getriebe, allein elektrische Signale lösen den Rückwärtsgang oder manuelle Gangwechsel aus. Allerdings ist die manuelle Option per Vor- und Zurückdrücken des Hebels nicht nötig: Sauber ohne wildes Verschalten durchläuft die Automatik ihre Stufen.
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