Fahrbericht Seat Ibiza SC: Ein Polo für die Jugend

Aus dem langen Schatten der Konzernmutter Volkswagen ist Seat mit dem Ibiza getreten. Der Kleinwagen fährt bereits seit dem vergangenen Jahr auf der technischen Plattform, die der ungleich verkaufsstärkere VW Polo erst im Sommer 2009 erhält. Der Spanier profitiert von den guten Genen und überzeugt mit einem ausgewogenen Fahrwerk und aggressivem Design. Der besonders schnittig gestaltete Dreitürer mit dem 63 kW/85 PS starken Ottomotor ist ein wendiger Stadtwagen mit guter Ausstattung. Seine Preisliste startet bei 12 590 Euro.

In Abgrenzung zu den eher klassisch gestalteten VW-Modellen setzt Seat traditionell auf ein ausgeprägt sportliches Design. So übt auch der Ibiza SC optisch keine Zurückhaltung, sondern will mit aggressiv zusammengekniffenen Scheinwerferaugen und gierig geöffneten vorderen Lufteinlässen vor allem junge Fahrer locken. Durch ein coupéartig abfallendes Dach und die ansteigende Fensterlinie wirkt die Steilhecklimousine wie auf dem Sprung. Noch kraftvoller wirkt das Heck mit ausladender Schulterpartie und in den Kofferraum schräg hinein ragenden Leuchten.

Der Innenraum erfreut durch hochwertige Materialien, die in Kleinwagen selten zu finden sind. Die Gestaltung der Mittelkonsole ist mit den beiden unterteilten Bereichen für Entertainment und Komfort ansprechend übersichtlich, so dass der Fahrer auf Anhieb alles findet, was er braucht. Positiv fällt auch die zweifach verstellbare Lenksäule auf, die fast jedem Fahrer das Finden einer guten Sitzposition erlaubt. Die Platzverhältnisse für die Vorderleute sind angemessen, im Fond stoßen aber bereits durchschnittlich große Personen mit dem Kopf an die Decke, sobald sie sich durch den engen Einstieg gewunden haben. Unter der weit aufschwingenden Heckklappe steckt ein ordentlich bemessener Kofferraum, der das Gepäck zweier Erwachsener ohne Mühe fasst. Die Rückbanklehne lässt sich umklappen, ein ebener Ladeboden entsteht dabei aber nicht. Auch das Ladevolumen erfüllt eher die kleinen Ansprüche: 284 Liter stehen in der Basiskonfiguartion zur Verfügung, mit umgeklappten Lehnen sind es 930 Liter.

Doch als Lademeister oder für den Kindertransport ist der Ibiza SC auch nicht gedacht, wer Platz braucht, ist mit dem Fünftürer besser bedient. Der Dreitürer wendet sich vor allem an junge Singles mit sportlichen Ambitionen. Der gefahrene 1,4-Liter-Motor mit 62 kW/85 PS kann das dynamische Versprechen des Designs aber nicht ganz halten. Das Vierzylindertriebwerk braucht reichlich Anlauf, um in Schwung zu kommen und quittiert dabei die hohen Drehzahlen mit starker Geräuschentwicklung. Auch die etwas hakelige Fünfgangschaltung dämpft den Fahrspaß. Der Testverbrauch von rund sieben Litern ist eher durchschnittlich, der Hersteller nennt in den technischen Daten 6,2 Liter. Alternativ gibt es zwei weitere Benzin- und drei Diesel-Triebwerke mit Leistungswerten zwischen 51 kW/70 PS und 96 kW/105 PS im Programm.

Für den Stadtverkehr und gelegentliche längere Ausfahrten ist der mittlere Benziner aber durchaus ausreichend. Das sehr ausgewogene Fahrwerk bügelt schlechte Straßen problemlos weg und sorgt zudem für ein agiles und sicheres Handling. Für weitere Sicherheit sorgen standfeste Bremsen. Die geringe Fahrzeuglänge von 4,05 Metern und der Wendekreis von 10,48 Metern machen zudem die Parkplatzsuche leicht. Beim Rangieren stört lediglich die schlechte Sicht nach hinten, die der schicken Karosserieform geschuldet ist.

Punkten kann der Spanier aber vor allem beim Preis und der Ausstattung. Die Basisversion für 12 590 Euro kommt unter anderem mit dem Schleuderschutz ESP, vier Airbags, Zentralverriegelung und umklappbaren Rücksitzen daher. Wer 14 090 Euro investiert, hat das wichtigste eines Autos an Bord, unter anderem Klimaanlage, CD-Radio und eine geteilt umlegbare Rückbank. Die Kfz-Haftpflicht kostet etwa bei der AXA 467 Euro. Aufgrund der Euro-4-Einstufung verzichtet der Fiskus zurzeit ein Jahr auf die Kfz-Steuer.

Der Seat Ibiza SC ist der jugendlichere Polo. Wem das Design des Wolfsburger Verwandten zu konservativ ist, findet in dem Spanier eine zudem preiswertere Alternative. Holger Holzer/mid

Bewertung:
Plus: gute Ausstattung, einfache Bedienung
Minus: enger Fond, eingeschränkte Übersicht

Technische Daten Seat Ibiza Sportcoupé:
Dreitürige Steilhecklimousine der Kleinwagenklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,03 Meter/1,69 Meter/1,42 Meter/2,47 Meter, Kofferraumvolumen: 284 Liter;
1,4-Liter-Vierzylinder-Ottomotor mit 63 kW/85 PS, max. Drehmoment: 132 Nm bei 3 800 U/min, Höchstgeschwindigkeit: 177 km/h, 0-100 km/h: 11,8 s, Verbrauch: 6,2 l/100 km, CO2-Ausstoß: 149 g/km, Abgasnorm: Euro 4, Versicherungsbeiträge pro Jahr bei der AXA Versicherung: KH 466,98 Euro (Typklasse 17, Beitragssatz 90 Prozent, Zulassung Düsseldorf, 100 Mio. Euro pauschal), TK 57,86 Euro (Typklasse 17 mit 150 Euro Selbstbeteiligung), VK 283,93 Euro (Typklasse 14 mit 300 Euro Selbstbeteiligung); Preis ab 12 590 Euro.



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