- unwahrscheinliche Kraft bei wenig Touren |
- der Verbrauch tut weh |
- ABC macht den schweren Wagen agil |
- gröbere Unebenheiten sind nicht sein Ding |
- schick, hoher Aufmerksamkeitsfaktor |
- hintere Plätze sind schwer zu erreichen |
- bleibt durch hohen Einstiegspreis exklusiv |
- Aufpreisliste könnte länger sein |
Innige Beziehung
Der Sitz mag mich. Beim um die Kurven fahren klammert er mich ein, die kurvenäußere Sitzwange verhärtet sich stark und gibt so perfekten Halt. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig, macht aber schon nach kurzer Zeit richtig Spaß. Ich bin geneigt, mal um die Kurve zu fahren, nur um meinen Sitz wieder zu spüren. Aber das ist nicht nötig, schließlich kann ich zwischen vier verschiedenen Massagestufen wählen. Dies ist vor oder nach einem anstrengenden Tag eine echte Wohltat. Sitzheizung an, Lenkradheizung an, Massage an, und ich bin so was von entspannt. Das lebende Gestühl ist Serie.
Hightech muss sein
So ein Coupé hält den Stress draußen und holt den Spaß rein. Dies geschieht unter anderem durch jede Menge elektronisches Spielzeug. Zu erwähnen wäre da der Abstands-Tempomat, der die Geschwindigkeit meines Autos der des vorhergehenden Verkehrs anpasst. Dabei kann ich die Distanz zwischen mir und dem Vordermann per Drehregler einstellen. Gut, dass der Wagen noch nicht von selbst lenkt, dann müsste ich gar nichts mehr machen. Außerdem kann ich an Stelle des Tachos das Bild des Nachtsichtassistenten aufrufen. Dies geht nur nachts und nur bei eingeschaltetem Licht. Es ist wirklich verblüffend, wie viel besser man mit dem Assistenten sieht, aber dass ich dafür immer zwischen die Lenkradspeichen auf den Tacho gucken muss, ist störend. Und wenn ich nur auf den Bildschirm schaue, dann habe ich nach kurzer Zeit das Gefühl, ein Auto in einem Computerspiel zu steuern für meinen Geschmack etwas zuviel Realitätsverlust.
Aktiver Typ
Die Dämpfung des CL 600 lässt sich in zwei Stufen regeln. Die Stufe Komfort sorgt für ein eher weiches Gefühl, die Einstellung Sport legt naturgemäß eine etwas härtere Gangart an den Tag. Aber insgesamt kommt das Fahrwerk etwas härter daher, als man es von Mercedes gewöhnt ist. Mir gefällt dieser sportliche Touch, andere werden es nicht so mögen. Fakt ist, dass ein Bahnübergang auch in der Komfort-Stellung noch zu spüren ist. Aber Wanken und Nicken kommt dank des aktiven Fahrwerks kaum vor, sehr beachtlich bei so einem schweren Wagen. Dabei werden die Lenkbewegungen des großen Steuerrades präzise umgesetzt. Im Falle eines Bremseingriffs schnüren die Zangen die vorne und hinten innen belüfteten Scheiben unerbittlich ein und bringen den Wagen zum Stehen, als wäre er ein Fliegengewicht. Der Durchmesser der vorderen Scheiben: 36 Zentimeter.
Zwölf Berliner Spaßmacher
Was hat der CL 600 nun unter seiner nicht enden wollenden Haube? Noch eine Haube. Ja, die Abdeckung des Zwölf-Zylinder-Motors ist fast so groß, wie bei kleineren Autos der gesamte Frontdeckel. Kann diese optisch beeindruckende Größe auch in Bewegung überzeugen? Ich bummle mich mit 60 km/h aus der Stadt, bis die Straße endlich zur Autobahn wird. Ich trete voll aufs Gas. Der Blitz schlägt ein. Ich lande ganz tief im Sitz und habe das Gefühl, dass der Vortrieb einfach nicht enden will. BMW X5, Audi A8 und wer sonst noch bis vor ein paar Sekunden meine Mitstreiter im Stadtverkehr waren, sind längst mit dem Grau des Horizonts hinter mir verschmolzen. Ohne es zu merken, habe ich 250 km/h erreicht.
Daten folgen Taten
Die mir jetzt jederzeit zur Verfügung stehende Gewalt kommt vom V12-Aggregat, welches in Berlin hergestellt wird. 517 PS und, noch viel besser, ein Drehmoment von 830 Newtonmetern hämmern mir das Lächeln fest ins Gesicht. Das besonders Coole an dem Motor: Die 5.513 Kubikzentimeter Hubraum werden nicht für ein nervöses Hochdrehzahlkonzept verbraten. Das Drehmoment liegt bereits ab 1.900 Umdrehungen an. Dies tut der Dreiventiler auch nach außen kund: Unendlich ruhig und souverän verbreitet er seinen Schall. Wird der Gashahn freigegeben, klingt das ein wenig so, als würde man einen Eimer Nadeln in eine Blechschüssel kippen. Die niedertourige Kraftentfaltung ist extrem beruhigend, wie Wellen, die an einen Strand schwappen. Das komplette Gegenteil zum noch mehr auf Sport getrimmten CL63 AMG, der ausdrücklich nach hohen Drehzahlen verlangt. Ich kann nicht warten bis der Motor hochdreht, ich will alles, sofort.
Bisse ins Gewissen?
16,3 Liter Super Plus. Die Menge teuren Sprits grast mein edles Gefährt auf 100 Kilometern von der Spritwiese. 340 Gramm Kohlendioxid werden pro Kilometer aus dem urzeitlichen Brennstoff freigesetzt. Ist der CL 600 jetzt ein unhygienischer Klimafolterer? Schwere Frage. Solange jede Woche in Indien und China Kohlekraftwerke ohne Filter ans Netz gehen und in Indonesien der Regenwald brandgerodet wird, um Palmölplantagen für Biosprit Platz zu machen, könnte man die CO2-Disskussion hierzulande als überflüssig abtun. Aber braucht man soviel Kraft? Klare Antwort: Jein. Die Zahl der CL 600 auf unseren Straßen wird sich in Grenzen halten, und wer sich die Fähigkeit bewahrt hat zu genießen, wird gerne von dieser verbotsumwehten Frucht kosten. Umweltmäßig sinnvoll ist diese Art sich fortzubewegen nicht. Auch hier geht es, wie so oft, um eine ganz persönliche Gewichtung.
Fünf Gänge reichen
Während sich CL 500 und CL 63 AMG von der siebengängigen 7G-Tronic beschalten lassen, kümmert sich beim CL 600 eine auf dem Papier angestaubt wirkende Fünfgang-Automatik um die Krafteinteilung. Mercedes sagt dazu, dass das enorme Drehmoment derart für Zug sorgt, dass jeder Gang mehr Verschwendung wäre. Und Mercedes hat Recht. Seidig weich fließen die Stufen dahin, kein Verschlucken, kein Suchen nach dem richtigen Gang, keinerlei Rucken am Berg: Die Automatik mit fünf Gängen passt perfekt zum Triebwerk. Ich vermisse hier keine Siebengang-Schaltung.
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| Durchschnittspreis | 1.286 | 1.345 | 1.345 | 1.421 |
| Günstigster Preis | 1.256 | 1.319 | 1.319 | 1.382 |