- durchzugskräftiges, laufruhiges Aggregat |
- aufgrund der serienmäßigen Automatik träge |
- schluckt alle Bodenunebenheiten, komfortabel |
- bei sportlicher Fahrweise etwas überfordert |
- hinten vorzügliches Platzangebot |
- Sitze vorne rutschig mit wenig Seitenhalt |
- akzeptabler Preis, günstige Optionen- umfangreiche Serienausstattung |
Leder von Poltrona Frau
Immerhin nutzt Tom Hanks in Illuminati einen schwarzen Delta für seine Jagd durch Rom und auch unser Testwagen war in gediegenem Schwarz gehalten. Innen war unser Auto sogar mit edlem Leder vom Luxus-Möbelhersteller Poltrona Frau ausgestattet - sogar das Armaturenbrett war dunkel beledert und mit schicken hellen Ziernähten versehen. Und auch von außen macht der Delta ja einiges her, außergewöhnlich gestylt finde ich persönlich ihn superschick, aber es gibt auch Leute, die diese Ausprägung italienischen Designs nicht mögen.
Viel Platz auf der Rückbank
Als Vereinigung von Kombi und Coupé ist der Delta sehr eigenständig und nach der Einstellung des Thesis das Flaggschiff von Lancia. Bei diversen Filmfestivals wie dem von Venedig, aber auch beim G8-Gipfel im Juli 2009, wird der Delta als VIP-Shuttle eingesetzt. Und dazu ist er auch gut geeignet, denn speziell den Rückbänklern wird außergewöhnlich viel Platz geboten, genauso viel nämlich wie im längeren Thesis. Geringe Einschnitte muss man allerdings bei der Kopfhöhe in Kauf nehmen. Am Fahrerplatz sieht es allerdings anders aus: Großgewachsene Personen können die Sitze nicht weit genug nach hinten stellen und die Sitzposition ist recht hoch. Dazu bieten die mit der edlen Kuhhaut bezogenen Sessel zu wenig Seitenhalt und von der Sitzfläche hat man den Eindruck, mal nach rechts, mal nach links runter zu rutschen. Nicht ganz so große Personen können sich aber mit alledem durchaus anfreunden.
Downgesizter Turbobenziner
Nun starten wir die neueste Errungenschaft des Turiner Motorenbaus, den direkt einspritzenden Turbobenziner. Kürzlich erst hatte uns diese Maschine, die 200 PS und ein Drehmoment von 320 Newtonmeter bereits bei 1.400 Umdrehungen bereitstellt, in diversen Alfa-Romeo-Modellen überzeugt, ja geradezu beigeistert. Allerdings ist der Turbo - das Ergebnis moderner Downsizing-Technologien mit Benzin-Direkteinspritzung, Turboaufladung und doppelter Nockenwellenverstellung auf der Einlass- und Auslassseite - dort immer mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung kombiniert.
Träge Automatik
Im Delta jedoch ist der Vierzylinder ausschließlich mit einer neuen Sechsgang-Wandlerautomatik zu haben und da fragten wir uns schon, wo denn die 200 Dämonen alle abgeblieben sind, obschon der Wagen vom Papier her schnell ist: Eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h werden schließlich ausgewiesen. Die Automatik reagiert jedoch träge und schaltet im Stadtverkehr zu spät, auch ein Betätigen der "Sport"-Taste neben dem Wählhebel schafft hier kaum Abhilfe. Bleibt nur manuelles Schalten, um die Maschine bei Laune zu halten, was immerhin mit Schaltpaddles hinter dem Lenkrad zu bewerkstelligen ist. Allerdings muss man dazu den Wählhebel in die Manuell-Gasse schieben, manuelle Schalteingriffe während aktiviertem Automatikmodus sind leider nicht möglich.
Angenehmer Cruiser
Auf der italienischen Autobahn mit 130 km/h erlaubter Höchstgeschwindigkeit dahinzucruisen, ist mit dem Lancia dennoch eine angenehme Sache. Er zeigt sich gut gefedert, schluckt Querrillen sehr gut und ist leise. Störend zeigen sich lediglich die Windgeräusche, die auch bei nur 130 km/h schon deutlich durch die Dichtungen der Seitenfenster zu vernehmen sind. Kurvige Bergsträßlein sind hingegen nicht gerade die Stärke des Delta: Bei voller Beschleunigung zerrt die versammelte Dämonen-Mannschaft an den angetriebenen Vorderrädern, die Karosserie wankt in schnell gefahrenen Kurven deutlich, der ganze Wagen versetzt schon mal und der Hintern rutscht auf dem glatten Leder mehr hin und her, als einem lieb ist. Die von den italienischen Lancia-Managern beschworene Sportlichkeit kommt also mit der gut gemachten Maschine nicht zurück zu Fiats Edelmarke.
Luxus genießen
Also lassen wir es wieder gemächlicher angehen und nehmen unsere sportlichen Ambitionen zurück. Das passt auch viel besser zum Charakter des Delta. Und so lässt sich obendrein der gebotene Luxus besser genießen - schließlich ist es einfach nur schön, das belederte Armaturenbrett anzuschauen, wie es (außer beim Peugeot 308 CC) sonst nur in wesentlich teureren Luxuswagen angeboten wird. Gut geleitet hat uns im Übrigen das mit 950 Euro sehr preiswerte Navigationssystem InstantNav samt 6,5-Zoll-Bildschirm, das seine Daten ungewöhnlicherweise von einer SD-Speicherkarte einliest. Dass das System vom Software-Giganten Microsoft kommt, merkt man allein an der längeren Startzeit, die ja auch vom Windows-Betriebssystem für Personal Computer bekannt ist.
Preislich interessant
Mit einem spezifischen Drehmoment von 185 Newtonmeter pro Liter Hubraum steht der neue Turbomotor zurzeit an der Spitze. Zum Vergleich: Der 211 PS starke 2.0 TFSI im Audi A4 Avant bringt es hier auf einen Leistungswert pro Liter Hubraum von 176 Newtonmeter. Und auch preislich kann sich das Angebot von Lancia mit 27.900 Euro für die Ausstattung "oro" sehen lassen: So kostet etwa der fünftürige VW Golf GTI mit DSG-Getriebe 29.470 Euro und der Seat Altea 2.0 T FSI FR mit DSG 28.190 Euro.
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