Wind im Haar, Boxer-Sound im Nacken: Porsche Boxster RS 60 Spyder im Test

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Wind im Haar, Boxer-Sound im Nacken: Porsche Boxster RS 60 Spyder im Test
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Porsche Boxster RS 60 Spyder
August 2008
63.873 Euro
Antrieb 100%
- kräftiger Boxermotor, extrem drehfreudig
- durchzugsstark, betörender Sound, Verbrauch ok
Fahrwerk 90%
- neutral und gutmütig bis ans Limit, präzise Lenkung
- Komfort eingeschränkt
- gerade im Sportmodus
Karosserie 90%
- sehr gute Verarbeitung, viel Kofferraum
- ab 1,85 Meter Größe wird's eng, viel Plastik im Interieur
Kosten 90%
- hoher Werterhalt, viele Ausstattungsdetails
- endlose Aufpreisliste, sündteure Extras
Haar, 22. August 2008 - Zugegeben: Der Name des neuen Boxster-Sondermodells soll eigentlich den Bogen zum Bergrenner 718 RS 60 Spyder schlagen, nicht zu James Deans legendärem Todeswagen, den der Star liebevoll "Little Bastard" nannte. Der Kino-Rebell starb bekanntermaßen in einem 550 Spyder, und der war der Vorgänger des 718. Trotzdem: Wer könnte bei den Worten "Porsche" und "Spyder" nicht an jenes legendäre Foto denken, das Dean zusammen mit seinem Renn-Porsche zeigt? Die Sonnenbrille auf der Nase, die Kippe lässig im Mund steht der Star neben dem silbernen Sportwagen, in dem er kurz darauf den frühen Heldentod sterben sollte.

Verbeugung vor der Historie
So gesehen muss das aktuelle Boxster-Sondermodell mit dem legendären Namenszusatz "RS 60 Spyder" den Puristen zunächst enttäuschen: Ganz egal, welchen der beiden großen Vorgänger wir auch zum Vergleich heran ziehen: Eine kompromisslose, puristische Fahrmaschine wie die beiden Modelle aus den fünfziger Jahren ist das 2008er-Modell sicher nicht. Im Grunde seines Herzens ist und bleibt es ein Boxster S. Grundsätzlich ist daran natürlich nichts auszusetzen: Obwohl der Baby-Porsche mit (größtenteils optionalen) Komfort-Goodies wie Sitzheizung, DVD-Navi oder Tempomat an den Start rollt, haben wir es hier mit dem wohl fahraktivsten und somit begehrenswertesten Vertreter seiner Klasse zu tun. Im Gegensatz zu anderen Lifestyle-Roadstern verschreibt sich der Stuttgarter schon beim Antriebskonzept der perfekten Fahrdynamik: Der Motor etwa ist dort eingebaut, wo er bei einem Sportwagen hingehört: in der Mitte. Das sorgt für eine perfekte Gewichtsverteilung und ein neutrales Fahrverhalten bis in den Grenzbereich.

Besser in Rot
Diesen Grenzbereich auszuloten, gehört erfahrungsgemäß nicht zu den bevorzugten Aktivitäten des typischen Boxster-Besitzers. Und so verwundert es auch kaum, dass der knapp geschnittene Innenraum des Roadsters mit jedem erdenklichen Luxus aufgewertet werden kann. Aber selbst wer sich nicht in der ellenlangen Aufpreisliste austobt, muss im RS 60 Spyder nicht darben: Die exzellenten Porsche-Sportsitze bieten nicht nur sehr guten Seitenhalt, sie sind auch ab Werk komplett beledert. In unserem Testwagen ist zwar die alternativ lieferbare, schwarze Inneneinrichtung verbaut. Authentischer wirkt der RS 60 Spyder allerdings mit dem deutlich auffälligeren, knallroten Interieur, das in Kombination mit dem silbernen Lack gekonnt den Porsche-Look der Fifties zitiert. Der massive Alu-Schaltknauf schmeichelt der rechten Hand und das halbautomatische Verdeck öffnet in Ampelstopp-tauglichen zwölf Sekunden. Lediglich der zentrale Entrieglungshebel auf Höhe des Innenspiegels muss von Hand gezogen werden werden, den Rest erledigen die Elektromotoren.

Wirklich kein Weichei
Die grundsätzliche Ergonomie des kleinen Schwaben begeistert auf Anhieb: Schalter und Hebel liegen perfekt und geben keine Rätsel auf. Zudem passt die Sitzposition für Menschen bis etwa 1,85 Meter wie ein Maßanzug, und sämtliche Kontrollen wie Pedale, Lenkung und Schaltung fühlen sich äußerst direkt und knackig an. Die Symbiose von Mensch und Maschine: Im Boxster ist sie erlebbar. Jetzt aber los: Den Schlüssel, Porsche-typisch, links neben dem Lenkrad ins Schloss, ein Dreh und schon bellt der 3,4-Liter-Sechszylinder hinter dem Fahrer eine kurze, unverschämt zornige Willkommensnote aus den beiden Endrohren. Bereits auf den ersten Metern wird klar, dass wir hier einen veritablen Sportwagen unterm Hintern haben, keinen weichgespülten Großserienroadster für gut situierte Ehefrauen. Kupplung und Lenkung sind Old-School-mäßig schwergängig, der Motor verfällt ab 4.000 Touren in ein süchtig machendes, raues Timbre und das serienmäßige, adaptive Sportfahrwerk PASM teilt auf mittelschweren Unebenheiten fröhlich Stöße aus.

Die Spaßtaste
Endgültig zum Vollbluthengst mutiert der RS 60 Spyder allerdings, sobald die unscheinbare Sport-Taste auf der Mittelkonsole aktiv ist. Denn die schaltet das PASM auf straff, verschärft die Gasannahme, aktiviert den Sportauspuff und lockert die Zügel des ESP. Ferry Porsche sagte einst "Wenn man drauftritt, muss er schießen", und genau das tut der Boxster jetzt. Der Motor hängt noch spontaner am Gas als im Normalmodus. Schon ein Streicheln des rechten Pedals quittiert er mit gierigem Hochdrehen und einem Sound, der in Innenstädten kleine Kinder erschreckt und dem Fahrer ein ums andere Mal wohlige Schauer über den Rücken jagt. Im Gegensatz zum normalen S-Modell liegt die Leistung um bescheidene acht PS höher. Verantwortlich hierfür zeichnet die Sportabgasanlage, die im RS 60 ab Werk verbaut ist.

Langstreckentauglich
Die insgesamt 303 PS ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von 274 km/h. Somit ist der Boxster auch für längere Autobahnetappen geeignet. Der Tank ist zwar nicht wirklich üppig bemessen, seine 64 Liter reichen aber 400 bis 500 Kilometer weit - etwas Selbstdisziplin vorausgesetzt. Auch bei geöffnetem Dach lässt es sich in der kleinen, kuscheligen Kabine gut aushalten: Bis etwa 140 km/h sind Konversationen mit dem Beifahrer ohne Megaphon möglich. Allerdings fanden einige Kollegen das Klima im offenen Boxster unangenehm zugig. Als Roadster hat er nun mal keine hinteren Seitenscheiben und durch diese seitlichen Lücken finden Turbulenzen schnell ihren Weg ins Innere und in den Fahrernacken. Im geschlossenen Wagen lärmt der Wind ab etwa 180 Sachen störend, trotz des zweilagigen und Waschstraßen-sicheren Verdecks. Wirklich zuhause fühlt sich der Zweisitzer aber nicht auf der Autobahn, sondern auf kurvigen Landstraßen. In 5,4 Sekunden liegt das erlaubte Reisetempo von 100 km/h an, allerdings muss man sich beim schnellen Ritt über Land schon ein wenig zurücknehmen, um nicht ständig mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit über den Asphalt zu fliegen.

Kurvenkünstler
Die ungestüme Art und Weise, in der sich der Boxster auf die Kurve stürzt, sie förmlich aufschnupft, um sich gleich danach die nächste vorzuknöpfen, ist faszinierend. Das perfekt abgestimmte Chassis bietet souveränen Grip und bleibt stoisch neutral - das sanft regelnde ESP ist praktisch arbeitslos. Der Aluhebel flutscht präzise und mit einem wunderbar mechanischen Gefühl durch die Schaltgasse, die Anschlüsse der Gänge passen perfekt und der bissige Boxermotor stürmt ungezügelt dem Begrenzer entgegen. Die serienmäßige Stahlbremse ist dabei stets Herr der Lage, verzögert auf Wunsch mit vehementem Nachdruck und bietet einen fein definierten Druckpunkt im Pedal.

Hydraulik statt Elektrik
Die wohl wichtigste Rolle bei der Kommunikation zwischen Fahrer und Wagen übernimmt aber die Lenkung. Sie informiert in einer Klarheit und Direktheit über den Fahrbahnzustand, wie dies nur eine hydraulische - oder eine rein mechanische - Lösung kann. Hier besteht eine direkte Verbindung zwischen Straße, Rädern und Lenkrad - auf schlechtem Geläuf wird dies dadurch deutlich, dass Stöße bis ins Volant weiter geleitet werden. Kurzum: Dieses Auto muss man nicht quälen oder übermäßig hart ran nehmen, die schnelle Fortbewegung liegt ihm schlicht in den Genen. Im Gegenzug muss man allerdings mit leichten Komforteinbußen klar kommen.

Für den kleinen Geldbeutel ungeeignet
Nichts im Leben ist umsonst. Diese Binsenweisheit gilt in verschärfter Form, wenn sich die Firma Porsche für Fahrspaß entlohnen lässt. Mit 63.873 Euro ist auch der RS 60 Spyder wahrhaftig kein Sonderangebot. Zum Vergleich: Ein Audi TTS Roadster mit 272 PS kostet 47.750, ein Mercedes SLK 350 mit 305 PS 46.975. Euro. Diese Vergleiche hinken natürlich ein wenig, da es sich beim RS 60 um ein gut ausgestattetes Sondermodell handelt. Ein normaler Boxster S steht mit 57.352 Euro in der Liste. Immerhin: Bis auf Kleinigkeiten sind alle Extras des limitierten Boxster auch für die Serie zu haben. Wer das S-Modell mit dem silbernen Sonderlack, roter Lederausstattung, Sportauspuff oder 19-Zoll-Rädern auf das Niveau des RS konfiguriert, landet allerdings bei deutlich über 70.000 Euro.

Noch angemessener Verbrauch
Noch mehr ist für unseren gut ausgestatteten Testwagen fällig: Details wie die Bi-Xenon-Scheinwerfer, das Bildschirm-Navi mit Telefonmodul und Bose-Sound oder das Sport Chrono Paket Plus treiben den Gesamtpreis auf heftige 73.321 Euro. Die Porsche-Politik, im Inneren lediglich Teile in Metall-Optik, nicht etwa aus Aluminium zu verbauen, stößt angesichts dieser Summe schon ein wenig sauer auf. Beim Verbrauch steht der Boxster hingegen nicht schlecht da: Porsche nennt als Gesamtwert 10,6 Liter auf 100 Kilometer, im Alltag genehmigte sich unser Modell insgesamt 12,6 Liter Super Plus. Damit liegt er zwar in den Werksangaben deutlich über dem schwächeren Audi TTS Roadster (8,2 Liter pro 100 Kilometer), allerdings ist dessen 2,0-Liter-Turbo in der Realität - und wenn es flott voran gehen soll - auch nicht gerade ein Kostverächter. Die Betriebskosten für den Porsche sind entsprechend hoch: Laut ADAC-Kostenübersicht (www.adac-autokosten.de) sind pro Kilometer 90 Cent fällig, beim Audi reichen für die gleiche Strecke 68.

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