Montag September 25
Pioniere der deutschen Automobilindustrie wie Robert Bosch, August Horch und Wilhelm Maybach haben sich schon frühzeitig für die Erarbeitung und Einführung von Normen eingesetzt. "Robert Bosch verzichtete bereits im Jahr 1927 auf die Berechnung von Werkzeugkosten, wenn bei Pressteilen genormte Ausführungen bestellt wurden", berichtete Dietmar Harting, DIN-Präsident und Vorsitzender der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE, im Vorfeld des Weltkongresses der Elektro- und IT-Branche in Berlin. Er steht unter dem Motto "100 Jahre internationale Normung".Für die Nachfolger von Bosch & Co., die heutigen Automobilhersteller, steht Normung nach wie vor auf der Agenda. Durch die Normung für das Zusammenspiel von Aktoren und Sensoren sowie Regelungs- und Steuerungsmechanismen konnte die Wertschöpfung am Auto wesentlich vergrößert werden. Nach Angaben des VDE, der den bis zum 29. September dauernden Weltkongress gemeinsam mit dem DKE ausrichtet, beträgt ihr Anteil am Gesamtwert heute rund 30 Prozent. Der Durchschnittswert der Elektronik an Bord dürfte von 2.220 Euro im Jahr 2004 bis auf 4.150 Euro im Jahr 2015 steigen - bei einer gleichzeitigen Steigerung der weltweiten Wertschöpfung bei Elektrik und Elektronik von 127 Milliarden Euro auf 316 Milliarden Euro. Viel Raum also für die Normung.
Sicherheitsnormung ist schon seit Beginn der Arbeiten ein "Dauerbrenner", berichtete Prof. Dr.-Ing. Klaus Wucherer, Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG und des VDE-Präsidiums. Sie erlebe zurzeit sogar eine Renaissance. "Während es früher meist um Produktsicherheit ging, geht es heute vor allem um Systemsicherheit. Die Integration von Hard- und Software, die technologische Konvergenz und die weltweite arbeitsteilige Produktion erfordern eine neue Generation der Sicherheitsnormung."
Wucherer verweist auf das Beispiel Car-to-Car-Kommunikation, beispielsweise um nachfolgende Fahrzeuge beim Auftreten von Glatteis zu warnen. "Derzeit arbeiten nahezu alle Automobilhersteller daran, die Fahrzeugsicherheit durch die drahtlose Kommunikation zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur zu optimieren. Über 150 Kommunikations-Szenarien sind bereits in der Literatur erfasst. Dabei geht es zum Beispiel um Funktechnologien und Systemsicherheit für hochdynamische Netzwerke. Erste Standards werden gerade verabschiedet. VDE und DKE sind sehr engagiert auf diesem Gebiet."
Es geht aber nicht nur um Sicherheit, auch die Exportfähigkeit wird durch Normung beeinflusst. Wucherer: "Die Bevölkerung weiß, dass Normen und Standards bei technischen Geräten, Verkehrsmitteln, Gebäuden oder in der Medizin Gesundheit und Leben schützen. Die enorme ökonomische Bedeutung der Normung ist dagegen nur der Wirtschaft bewusst. Es gilt: Wer die Norm setzt, macht den Markt. Wer nicht normt, dem bleiben die Märkte verschlossen. Normen sind daher so wichtig wie Patente." Für die deutsche Automobilindustrie mit ihrem hohen Exportanteil bleibt Normung und das Setzen von Standards also eine Daueraufgabe. Helga Bodenstab/mid
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