Montag September 25
Turin, 25. September 2006 Die erste selbsttragende Karosserie der Welt. Der erste Leichtmetall-V6-Motor. Die erste Limousine mit vier Scheibenbremsen. Wer hat`s erfunden? Richtig: Lancia. Technische Innovationen durchziehen die gesamte Firmengeschichte der italienischen Edelmarke. Und trotzdem pfiff so mancher Spatz schon den Abgesang auf die Fiat-Tochter vom Dach. Aber die Pessimisten haben sich geirrt. Fiat-Boss Luca Cordero di Montezemolo nutzte die Vorstellung des Aufsehen erregenden Lancia Delta HPE für ein unmissverständliches Statement. Lancia for ever heißt die Devise zum 100. Geburtstag der Autoschmiede. Für uns die Gelegenheit, mal einen erfrischenden Blick darauf zu werfen, was bisher geschah.Rennen zum ich
Da sich Fiat kräftig im Motorsport engagiert, fährt Vincenzo jetzt Rennwagen. Er erwirbt sich den Ruf eines ungestümen aber schnellen Fahrers. In seiner Freizeit zeigt er sich als lebenslustiger Opernliebhaber und Musikkenner. Am 29. November 1906 gründet Vincenzo, inzwischen Konstrukteur, die Lancia & C. Fabbrica Automobile. Seit diesem Tag schreibt Lancia automobile Geschichte. Stets nach dem Motto des 1937 im Alter von 56 Jahren unerwartet an einem Herzinfarkt verstorbenen Vincenzo Lancia: Immer das beste Automobil mit der aktuellsten Technik.
Schmiede für Individualisten
Innovationen sind für die Firma Lancia von Anfang an oberstes Gebot. Bereits im Jahre 1913 wird mit dem Theta das erste Auto der Welt mit serienmäßiger elektrischer Anlage auf die Speichenräder gestellt. Auf dem Pariser Automobilsalon dann der Hammer: Der Lancia Lambda ist der weltweit Erste mit selbsttragender Karosserie, Einzelradaufhängung vorn und V4-Motor mit dem damals sensationell geringen Zylinderwinkel von nur 14 Grad, der einen gemeinsamen Zylinderkopf für beide Bänke erlaubt. Die internationale Anerkennung spornt Lancia an.
Avantgarde
Mit den Achtzylindermodellen Dilambda und Astura erwirbt sich Lancia endgültig den Ruf des Technikavantgardisten der Oberklasse. Der Aprilia aus den 30er Jahren flutscht bereits mit einem cw-Wert von 0,41 durch den Wind. Nach den Wirren des Krieges meldet sich Lancia mit dem Aurelia eindrucksvoll zurück. Der erste Leichtmetall-V6-Motor der Welt und Transaxlebauweise (das Getriebe wandert aus Gewichtsverteilungsgründen zur Hinterachse) setzen die Innovations-Tradition fort.
Zu viel Sport
In den Fünfzigern setzt Lancia stark auf Sport. Jede Menge Erfolge werden eingefahren, so zum Beispiel der Sieg bei der Rallye Monte Carlo im Jahre 1954. Nach dem tödlichen Unfall eines Werksfahrers werden diese Aktivitäten gestoppt und das gesamte Equipment an Ferrari übergeben. Juan-Manuel Fangio wird auf dem Lancia-Ferrari D 50 zum dritten Mal Formel-1-Weltmeister. Trotz der Erfolge hat sich Lancia wirtschaftlich übernommen. 1969 schluckt Fiat die Marke ihres ehemaligen Testfahrers. Seit den 70ern treibt Lancia wieder Sport. Bis in die 90er Jahre fahren legendäre Autos wie Beta, Fulvia und der Delta Integrale Erfolge ein. Der Y 10 und der edle Kompakt-Van Musa hielten Lancia weiter am Leben, aber es wurde zunehmend ruhiger um den Autobauer aus Turin.
Comeback
Zum 100. Geburtstag besteht kein Zweifel am Fortbestehen der Marke. Fiat betont, dass kräftig in Lancia investiert wird. Der facegeliftete Ypsilon 10, das aktuelle Modell ist in Italien Marktführer in seinem Segment, steht ebenso auf dem Pariser Automobilsalon (30. September bis 15. Oktober 2006) wie der faszinierende Shooting-Break (Coupé mit Kombiheck) Delta HPE. Des Weiteren ist jetzt klar, dass der neue Fulvia definitiv kommen wird, vielleicht sogar als Klappdach-Cabrio. So könnten für Lancia die glamourösen Zeiten wieder anbrechen, in denen Greta Garbo, Marlene Dietrich, Max Schmeling, Ernest Hemingway, Erich Maria Remarque, Brigitte Bardot, Sophia Loren, Jean-Paul Belmondo, Gary Cooper, Marcello Mastroianni und Alain Delon ihre Mobilitätsträume mit einem Lancia verwirklichten. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch auf die nächsten 100 Jahre.
(gh)
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