- guter Durchzug, lokal emissionsfrei, leise |
- Batterietechnik steht noch am Anfang |
- Rückbank und Kofferraum sind weg- deutlich schwerer als ein Mini One |
- kommt mit dem Mehrgewicht gut zurecht- top Lenkung, enorme Bremswirkung |
- 665 Euro monatliche Leasinggebühr sind eher symbolisch- gute Ausstattung kommt hinzu |
Selbstbremser
Das wirklich Gewöhnungsbedürftige am Elektro-Mini ist die Rekuperation, also die Rückgewinnung von Energie im Schubbetrieb. Hierbei fungiert der Elektromotor als Generator, der gewonnene Strom wird in die Batterie eingespeist. Gehen wir bei niedrigen Geschwindigkeiten vom "Gaspedal", verzögert der Wagen, als wenn wir mittelschwer auf die Bremse treten würden. Im langsamen Verkehr können wir den Mini also nicht einfach rollen lassen, müssen immer den Energiefluss per Tritt aufs Pedal aufrecht erhalten. Fahren wir dann 120 km/h, hat das Loslassen des Gaspedals nur noch marginale Wirkung. Die Bremswirkung nimmt also mit fallender Geschwindigkeit deutlich zu - ein Unterschied, der nach sehr viel Zehenspitzengefühl und Übung verlangt. Als wir nach einer halben Stunde Stop&Go-Verkehr am Gebäude der L.A. Times vorbeikommen, haben wir uns an Art und Auftreten der Bremswirkung gewöhnt. Und wenn wir mal wirklich auf die Bremse treten müssen, kommen wir unter dem Einfluss von Rekuperations-Bremswirkung plus normaler Scheibenbremsen auf kürzestem Weg zum Stehen.
204 elektrische PS
BMW sagt nicht viel dazu und Tesla noch viel weniger: Die Antriebstechnik sowohl des Mini E als auch des Tesla Roadster stammen vom amerikanischen Spezialisten AC Propulsion. Seit 2007 bietet AC Propulsion den eBox an, ein Elektrofahrzeug auf Basis des Scion xB - mit einer ebenfalls aus 5.088 Einzellakkus bestehenden Lithium-Ionen-Batterie. BMW hat diese Batterie auf die Bauform des Mini angepasst und die Steuereungselektronik von AC Propulsion gekauft. Der Elektromotor leistet 204 PS und soll mit einer Batterieladung eine Fahrtstrecke von 240 Kilometern über die Vorderräder abspulen können. Wer es auf Grund der Verkehrsverhältnisse schafft, die Rekuperation maximal zu nutzen, soll sogar beinahe 290 Kilometer weit kommen. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 152 km/h begrenzt. Das sind 94 mp/h (Meilen pro Stunde) - mehr als genug. Schließlich wird der Mini E vorerst nur als Testfahrzeug in einer Auflage von 500 Wagen in den USA unterwegs sein - und dort sind maximal 75 mp/h erlaubt. Allerdings wird eine Mini-E-Wagenflotte zu einem späteren Zeitpunkt auch in Berlin getestet werden.
Guter Zug - wie gewohnt
Lassen wir den Wagen per Startknopf an, passiert akustisch rein gar nichts. Wir geben ganz vorsichtig per Gaspedal den Energiefluss frei - und immer noch passiert nichts. Erst als wir das Pedal ein bisschen weiter treten, rollt unser Mini ausgesucht sanft an. Wollen wir möglichst flott von der Ampel wegspurten, legt der Brite immer diese kurze Gedenksekunde ein, bevor er losschießt. Das Schöne und Elektromotor-typische: Das volle Drehmoment von 220 Newtonmeter liegt ab der ersten Umdrehung an. In 8,5 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Und auch auf dem Freeway bei 105 km/h hat der Wagen noch Reserven, zuckt beim Tritt aufs Gaspedal. Zu hören sind jetzt ein leises Rotor-Säuseln und etwas lauter unsere Reifen, die Windgeräusche und das Brummen der uns umgebenden Pick-ups. Für 100 Kilometer gehen 12 Kilowattstunden drauf. Zum Vergleich: Ein Liter Diesel hat einen Energiegehalt von 10,8 Kilowattstunden, ein Liter Benzin von 8,5 Kilowattstunden.
Ein Vorwärtsgang
Die Gänge sollen wir auswählen, indem wir den Wahlhebel langsam durch die Gasse ziehen. Langsam sicher deshalb, damit wir nicht durch zu hektisches Reißen Ausfälle produzieren. Dies schießt uns durch den Kopf, als wir vom Freeway 110 Richtung Academy Road abbiegen. Die uns umgebenden Häuser mit vergitterten Fenstern und davor stehenden Autos, von denen die Sonne den jahrzehnte alten Lack abpellt, machen keine Lust auf Liegenbleiben. Aber unsere Schaltung lässt uns nicht im Stich. Rein äußerlich unterscheidet sich die Schaltgasse nicht von der einer normalen Automatik: Die Stellungen "P", "R", "N" und "D" warten auf Aktivierung. Aber in Sachen Vorwärtsdrang hat der Mini E nur einen einzigen Gang zu bieten. Das permanent anliegende hohe Drehmoment macht eine Schaltung mit mehreren Vorwärtsgängen überflüssig.
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