- unglaublich kraftvoller Motor- sehr sportlicher Sound |
- richtige Mischung aus Sport und Komfort |
- bei höheren Geschwindigkeiten nervöse Lenkung |
- der Hingucker schlechthin- auch bei hohem Tempo wenig Verwirbelungen |
- noch teurer als Coupé-Variante- hoher Spritverbrauch |
Brachiale Beschleunigung
Zurück zum Vortrieb des Supersportlers aus Affalterbach. Beim Anfahren innerorts genügen bereits wenige Millimeter Pedalweg für eine noch einigermaßen legale Beschleunigung. Außerorts und auf der Autobahn darf es auch gerne ein Kickdown sein. Aber Vorsicht, die idealerweise trockene Strecke - selbst dann benötigen die 295er-Hinterreifen die Hilfe der Traktionskontrolle, um die unbändige Kraft auf den Asphalt zu bringen - sollte mindestens mehrere hundert Meter geradeaus führen. Denn die nächste Kurve naht schneller als einem lieb ist. Im Bedarfsfall beschleunigt der Schwaben-Sportler in brachialen 3,8 Sekunden auf Tempo 100 und die Tachonadel hört erst bei 332 Sachen auf, sich zu bewegen. Und das zur Not auch ohne Dach.
Kaum Verwirbelungen im Innenraum
Ob bei Topspeed oder gemütlichem Cruising-Tempo im Ami-Style: Der schwäbische Flügeltürer will offen gefahren werden. Nur so kommt man in den ungefilterten Genuss des herrlichen Sounds und der aufdringlichen Blicke der Passanten. Zudem sorgen die tiefe Sitzposition und die weit nach hinten gezogene Windschutzscheibe für erstaunlich wenig Verwirbelungen im Innenraum. Ist man in geheimer Mission oder bei schlechtem Wetter unterwegs, lässt sich das halbautomatische Dach innerhalb von zehn Sekunden elektrisch verschließen. Um auch Geschwindigkeiten jenseits der 300 km/h zu ermöglichen, sind in das Verdeck mit Softtop-Optik mehrere Aluminium-Platten eingearbeitet. Das hat den Vorteil, das sich das Dach bei der Jagd auf die Höchstgeschwindigkeit nicht aufbläht wie ein in Gefahr geratener Kugelfisch.
Komplett aus Karbon gefertigt
Die Karosserie des SLR Roadster besteht bis auf den aus Aluminium gefertigten Motorrahmen komplett aus Karbon. Das soll zum einen das Gewicht drücken - dennoch bringt das vermeintliche Leichtgewicht noch stattliche 1.825 Kilo auf die Waage - zum anderen erhöht der exklusive Werkstoff die Steifigkeit des offenen Sportlers. Um bei Überschlägen ein gewisses Maß an Sicherheit gewährleisten zu können, ist die A-Säule durch ein hochfestes Stahlrohr zusätzlich verstärkt und hinter den Sitzen sind zwei feste Überrollbügel verbaut.
Gewöhnungsbedürftige Bremse
Doch für die technischen Sicherheitsfeatures habe ich keinen Kopf. Vielmehr konzentriere ich mich auf die Straße, die sich sanft durchs Münchener Umland schlängelt. Die beinahe nervöse Lenkung des offenen Zweisitzers reagiert auf meine Befehle äußerst direkt. Beim Einparken wird das Rangieren zur harten Arbeit, die breiten Walzen des SLR sträuben sich bei langsamen Tempo vehement gegen alle Lenkbefehle. Bei flotter Fahrt auf welligem Untergrund hat man alle Hände voll zu tun, um den SLR sauber in der Spur zu halten. Ein ähnliches Bild vermittelt auch das stehende Bremspedal. Bei vorsichtiger Behandlung passiert erstmal nicht viel. Steigt man dann etwas beherzter in die Eisen, packen die Scheibenbremsen mit karbonverstärkten Keramikscheiben dermaßen fest zu, dass man bei den ersten Haltemanövern fast ins Lenkrad beißt. Für den Einsatz auf der Rennstrecke, wo kurz und hart gebremst wird, mag das die Ideallösung sein, im öffentlichen Straßenverkehr würde ich mir allerdings ein etwas harmonischeres Ansprechverhalten der ansonsten tadellosen Keramikbremsen wünschen.
Auffallen um jeden Preis
Bleiben noch zwei - vorsichtig ausgedrückt - klitzekleine Mankos des Mercedes SLR McLaren Roadster: der Spritverbrauch und der Preis. Auch wenn der finanziell potente Kunde getreu dem Motto "Wer kann, der kann" über solche Lappalien nicht spricht, will ich es der Vollständigkeit halber doch tun. Beginnen wir mit dem kleineren Übel, dem Durst unseres Supersportlers. Laut Mercedes spritzt sich der 626-PS-Bolide durchschnittlich 14,5 Liter Super Plus in die Brennräume. Dass hier der Wunsch Vater des Gedankens war, entlarvt bereits ein kurzer Blick auf die möglichen Fahrleistungen. Bei meinen nicht immer langsamen, aber auch nicht übertrieben schnellen Testfahrten pendelte sich der Spritbedarf bei 20,5 Liter ein. Bei entsprechender Fahrweise braucht man sich aber auch nicht zu wundern, wenn nach 100 gefahrenen Kilometern 25 Liter oder mehr aus dem Tank verschwunden sind. So, und das größte Problem des SLR ist sein beinahe unverschämt hoher Grundpreis von sage und schreibe 493.850 Euro. Mein Testwagen kostet inklusive aller Extras die geringfügige Kleinigkeit von 524.730 Euro. Ich könnte jetzt herrlich darüber spekulieren, wie lange ich für diese Summe arbeiten müsste oder wieviele üppigst ausgestattete Golf V ich mir davon kaufen könnte. Doch darüber brauchen sich Besitzer eines SLR Roadster keine Gedanken zu machen. Sie wollen auffallen. Und zwar um jeden Preis.
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