- Motor passt gut zum Auto |
- Automatik verschluckt sich manchmal |
- auf jeglichem Fahrbahnbelag souverän |
- Wankneigung in engen Kurven |
- deutlich hübscher als sein Vorgänger- enormes Platzangebot bei ausgebauten Sitzen |
- sehr umfangreiche Serienausstattung |
- nicht mehr konkurrenzlos billig |
Möbelpacker
Ein Van ist in erster Linie für eins gemacht: Den Transport von Massen. Dabei kann sich der verantwortungsbewusste Familienvater zwischen seinen Lieben und etwa größeren Baumarktanschaffungen entscheiden. In der zweiten Reihe warten drei Sitze auf Belastung, in der Dritten sind es noch zwei. Die fünf hinteren Sitze lassen sich zwar einzeln umlegen, aber nicht versenken. Wer eine schön glatte Ladefläche will, muss die Ärmel hochkrempeln und die Sitze ausbauen. Wenn alle fünf draußen sind, steht ein Volumen von 3.050 Litern zur Befüllung bereit. Aber vor das Vergnügen hat KIA den Schweiß gesetzt. Ein Sitz wiegt 28 Kilogramm. Mal fünf macht 140 Kilo. Sind alle Sitze draußen, weiß man, was man getan hat. Baut man sie am selben Tag wieder ein, ist man mit 280 gestemmten Kilogramm dabei. Der lästige Gang ins Fitnessstudio kann für diesen Tag entfallen.
Schnelle Gewöhnungssache
Das Ausbauen des flexiblen Gestühls funktioniert unproblematisch: Rücklehne umklappen, den zusammengeklappten Sitz von hinten nach vorne umlegen und dann die Residenz aus der Verankerung wuchten. Das funktioniert bereits beim ersten Versuch ganz einfach. Den Einbau hat man spätestens nach dem vierten Sessel drauf. Dabei ist bei der letzten Reihe etwas mehr Konzentration gefragt, da Gummi-Abdeckbänder die Sicht auf die Arretier-Halterungen etwas behindern. Aber auch hier ist man nach dem ersten Einbausatz für immer geübt, und mit jeder Wiederholung wächst die Muskelmasse.
Gute Lage
Beim fröhlichen oder angespannten Familienausflug sollte sich nach Möglichkeit niemand von außen einmischen. Genauso ist die Federung des Carnival ausgelegt. Rillen auf der Autobahn, Löcher in der Landstraße und belgisches Kopfsteinpflaster werden genügsam geschluckt. Man kommt gar nicht auf die Idee, dass die Situation brenzlig werden könnte. Der einzige Moment, in dem sich die große Karosse stärker zur Seite neigt, ist in sehr schnell gefahrenen engen Kurven. Aber eins sollte klar sein: Der Kia Carnival ist ein Familien-Van und kein Sportauto. Unter Berücksichtigung der Bauhöhe ist dieses Wanken akzeptabel, ein paar gute Stabilisatoren würden das Fahrwerk aber zu einem absolut Vorbildlichen machen. Die Langversion des Autos kommt in Europa nicht auf den Markt. Die paar Zentimeter mehr sind für Amerika wichtig, damit der Van dort steuerlich günstig als Kleinbus angemeldet werden kann. Auf Innenraum und Fahrverhalten hat der Längengewinn laut Kia keinen Einfluss.
Euro-Antrieb
Europa wird mehr und mehr zum Dieselland. Da die Raffinerie-Kapazitäten stimmen und die Politik den Selbstzünder-Kraftstoff steuerlich noch enorm bevorzugt, kommt der Vorteil des geringen Verbrauchs voll zum Tragen. Somit haben wir uns den Diesel-Carnival geschnappt, um durch die lieblichen Ardennen zwischen Belgien und Luxemburg zu düsen. Laut Kia beträgt der Selbstzünderanteil bei allen verkauften Kia Carnival zirka 95 Prozent. Erfreulicher Weise leugnet der Motor sein Dieseldasein. Es ist kein Unterschied zu einem Benzin-Aggregat zu hören. Genagelt wird hier nicht mehr.
Das Aggregat passt
Die Fahrt verläuft in Kombination mit der Fünf-Gang-Automatik sehr bequem. Die 2,9 Liter Hubraum reichen für 185 PS und ein Drehmoment von 343 Newtonmetern. Die Schaltstufen gleiten sanft dahin, nur manchmal bei mittleren Geschwindigkeiten am Berg, dröhnt der Motor auf. Das Anfahren selbst an recht steilen Hängen funktioniert, ohne auch nur einen Millimeter zurückzurollen. An Beschleunigung bringt der Carnival das, was man von einem Van erwarten kann. Zackige Spritzigkeit liegt hier zwar nicht an, aber zum Überholen auf Landstraßen und zum Einfädeln nach der Autobahnauffahrt reicht es allemal. Dabei wandern im Schnitt neun Liter durch den Tank. Deren Reste sondert ein 550 Euro teurer Rußpartikelfilter aus.
Kosten auf Posten
Der neue Kia Carnival ist ab 21. Juli 2006 zu haben. Sein Preis beginnt bei 27.490 Euro. Für unsere Dieselvariante mit Automatik in der EX-Ausstattung verlangen die Südkoreaner 31.190 Euro.
(gh)
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