Renault Mégane: Mit geschärftem Blick und altem Knick

Renault Mégane: Mit geschärftem Blick und altem Knick
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Saint-Paul de Vence (Frankreich), 27. Januar 2006 – Eine neue Front, frisch gestaltete Heckleuchten und anders designte Instrumente – das sind die Kennzeichen des facegelifteten Renault Mégane. Die neuen Scheinwerfer lassen den kompakten Franzosen nun dynamischer aussehen. Unverändert blieb jedoch das Heck mit dem bekannten Knick. Wir haben die Änderungen zum Anlass genommen, das Auto für Sie zu testen.

Neun Motoren, drei Ausstattungen
Der Renault Mégane ist ein vielfältiges Auto: Nicht weniger als fünf Karosserievarianten gibt es, neun Motoren werden angeboten und drei Ausstattungen. Das Golfklassemodell ist wie bisher als Drei-, Vier- und Fünftürer, als Mégane Sport und als Kombi Grandtour erhältlich. Überdies dient der Mégane als Basis für das Mégane Coupé-Cabrio und die Minivans Scénic und Grand Scénic.

Kleiner aber nicht schlechter: 1.5 dCi mit 106 PS
Wir haben den Fünftürer mit einem 106 PS starken 1,5-Liter-Diesel gefahren. Neben diesem gibt es drei weitere Selbstzünder in dieser Karosserievariante: einen zweiten 1,5-Liter mit 86 sowie zwei 1,9-Liter-Motoren mit 110 und 130 PS. Außerdem kann man unter drei Benzinern mit 98, 112 und 135 PS wählen. Von der Leistung her unterscheidet sich der getestete Motor kaum vom 110 PS starken 1,9-Liter-Diesel. So steht der kleinere Diesel auch beim Spurt auf Tempo 100 kaum hinter dem hubraumstärkeren Verwandten zurück: Mit dem 1.5 dCi braucht der Mégane 11,1 Sekunden, und der 1.9 dCi ist nur eine halbe Sekunde schneller.

Kaum schwächer als 1.9 dCi mit 110 PS
Beim Drehmoment ist der Unterschied ebenfalls gering: 240 Newtonmeter stehen dem 1.5 dCi zu Gebote, 260 dem 1.9 dCi. Das sind Unterschiede, die man in der Praxis kaum spüren wird. Anders ist das beim Verbrauch: Da schneidet der kleinere Motor mit 5,8 Litern auf 100 Kilometer deutlich besser ab als der 1.9 dCi mit 7,1 Litern. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass es für den 1.5 dCi derzeit noch keinen Partikelfilter (FAP) gibt. Der wird derzeit entwickelt und soll im Laufe des Jahres 2006 auf den Markt kommen. Der 1.9 dCi wird schon jetzt serienmäßig mit dem Umweltschoner ausgestattet. Derzeit ist der Partikelfilter wohl das einzige Argument für den 1.9 dCi. Sobald der FAP für den 1.5 dCi fertig ist, wird diese Variante wohl den größeren Motor ersetzen.

Etwas rauer Klang, aber flott
Und wie fährt sich der kleine Diesel in der Praxis? Die 106-PS-Motorisierung reicht für den fünftürigen Mégane leicht aus. Man fühlt sich damit recht flott. Manchmal hört sich das Aggregat ein wenig rau an, im hochtourigen Bereich schnarrt es etwas. In Kombination mit dem serienmäßigen Sechsgang-Getriebe bleiben die Drehzahlen aber meist im Rahmen. Das Getriebe lässt sich problemlos schalten, und auch ein Turboloch ist nicht zu spüren.

Akzeptables Fahrwerk
Das Fahrwerk von französischen Limousinen war früher deutlich weicher abgestimmt als bei den deutschen Pendants. Das ist nun nicht mehr in jedem Fall so. Der Mégane ist nicht zu weich, fühlt sich niemals schwammig an. In schnell gefahrenen Kurven ist allerdings ein spürbares Wanken festzustellen.

Innenraum in Beige-Ton mit schönen Instrumenten
Die drei Ausstattungen des Mégane heißen Authentique, Dynamique und Privilège. In der von uns gefahrenen Topausstattung Privilège erscheint der Innenraum in einem Beigeton, wobei aber der obere Teil des Armaturenbretts in Schwarz gehalten ist. Während uns das Beige weniger gefällt, haben es uns die schwarz hinterlegten Instrumente mit ihren Chromringen angetan. Die Sitze sind beim Privilège stets mit beigem Stoff bezogen; die Außenteile der Möbel sind aus Leder. Die Vordersitze bieten ausreichenden Seitenhalt. Und auch im Fond sitzt man gut: Sowohl vor den Knien als auch über dem Kopf eines mittelgroßen Insassen bleibt genug Platz zum Wohlfühlen. Ablagen finden sich vorne wie hinten in ausreichender Anzahl.

Keycard: Serie bei allen Mégane
Schon die Basisversion des Mégane hat statt eines Schlüssels eine so genannte Keycard, ein praktisches Ding von der Größe einer EC-Karte. Damit wird die Zentralverriegelung bedient. Beim Privilège braucht man auch zum Starten des Motors keinen Schlüssel mehr. Man kann die Keycard in der Hosentasche lassen und drückt nur auf den Startknopf. Auch zum Entriegeln der Türen braucht man die Karte nicht herauszunehmen – die Elektronik bemerkt die Annäherung der Karte und erlaubt den Zugang automatisch. Ungewöhnlich ist beim Mégane auch die Gestaltung der Handbremse: Sie sieht aus wie der Schubhebel eines Flugzeugs und ist vorne an der Armstütze zwischen den Vordersitzen angebracht.

Kofferraum etwas kleiner als beim Klassenprimus
Der Kofferraum fasst in Normalkonfiguration 330 Liter, was dem klassentypischen Maß entspricht: Der Topseller VW Golf bietet mit 350 Litern kaum mehr. Anders ist das nach dem Umklappen der Fondsitze: In diesem Zustand schluckt ein Golf bis zu 1.350 Litern, der Mégane aber nur 1.190 Liter. Etwas schlechter als der Wolfsburger schneidet der Mégane auch bei der Variabilität ab. Das Umklappen der Fondsitze geht hier nämlich ungleich schwerer von der Hand. Zuweilen hakt das Polster und lässt sich nur nach geduldigem Hin- und Herziehen umklappen. Nicht sehr robust sehen die Plastikscharniere aus, welche die Sitzpolster festhalten. Wer nicht aufpasst, hält beim Umklappen das ganze Polster in der Hand und muss es wieder einklipsen. Gut jedoch: Zum Umklappen brauchen die Kopfstützen nicht entnommen zu werden, es reicht, sie in der Lehne zu versenken. Ist die Verwandlung überstanden, ergibt sich eine nicht ganz ebene Ladefläche – unschön, aber das ist beim Golf ebenso.

Ausschließlich als Authentique
Den von uns getesteten 1.5 dCi mit 106 PS und Privilège-Ausstattung gibt es in Deutschland nicht. Hierzulande wird der Motor ausschließlich in der Basisausstattung Authentique verkauft. Das Auto wird bei uns als günstiger Diesel positioniert. Da sind die Kunden offenbar eher bereit, auf den Partikelfilter zu verzichten. Höher positioniert wird der 1.9 dCi mit 110 PS und serienmäßigem Filter. Den gibt’s nur in den teuren Versionen Dynamique und Privilège. Ein direkter Preisvergleich zwischen den beiden Motorvarianten ist also nicht möglich. Auf dem Umweg über ein anderes Modell lässt sich jedoch erschließen, dass die Dynamique-Version des dreitürigen 1.5 dCi 19.400 Euro kosten müsste. Schlägt man noch 600 Euro für einen Partikelfilter auf, landet man bei 20.000 Euro. Die entsprechende Version des 1.9 dCi kostet 20.100 Euro. Preislich dürften die beiden Motoren also auf demselben Level liegen.

Umfassend ausgestattet
Und wie schneidet der Diesel-Mégane im Preisvergleich mit einem ähnlich starken VW Golf ab? Der 1.5 dCi mit 106 PS in der Authentique-Ausstattung kostet 18.200 Euro, für den Fünftürer bezahlt man 700 Euro mehr. Ein dreitüriger Golf mit 105-PS-Diesel und Sechsgang-Schaltung ist ab 19.225 Euro zu haben – also für runde 1.000 Euro mehr.

Etwas besser ausgestattet als der Golf Trendline
Ist der Franzose denn schlechter ausgestattet? Wohl kaum. Die Authentique-Ausstattung umfasst bereits die klassentypischen Elemente wie ESP, eine umfassende Airbagausstattung, elektrische Fensterheber vorne und Zentralverriegelung. Im Fall des 1.5 dCi mit 106 PS gibt Renault noch das Fairway-Paket zu, das aus Klimaanlage und CD-Radio besteht. Diese Elemente eingerechnet, hat man ein umfassend ausgestattetes Auto. Beim Golf gibt es zwar elektrisch einstellbare Außenspiegel serienmäßig, dafür muss man für Klimaanlage und CD-Radio im Paket 860 Euro drauflegen. Insgesamt ist der Mégane also nicht nur günstiger, sondern auch etwas besser ausgestattet als der Golf.
(sl)

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