Mittwoch Februar 27
Moderne Linien an Stelle von britischem Barock sollen den traditionsreichen, aber beim Absatz zuletzt schwächelnden Automobilhersteller Jaguar wieder zurück in die Gewinnzone bringen. Als erstes Modell trägt ab März die obere Mittelklasselimousine Jaguar XF das neue Design-Kleid der Marke, das den Viertürer optisch mehr in Richtung Sportwagen rücken lässt. Hinzu kommt ein sehr moderner Innenraum. Trotz neuer Sportlichkeit bleibt der Brite ein souveräner Gleiter mit überdurchschnittlichem Fahrwerks- und Geräuschkomfort. Für den Antrieb stehen drei Benzinmotoren sowie ein Dieselaggregat mit Leistungswerten zwischen 152 kW/207 PS und 306 kW/416 PS zur Wahl. Die Preisliste startet bei rund 49 400 Euro.Ob es der Mut zur Innovation oder der Mut der Verzweiflung war: Der XF bricht ganz konsequent mit der Formensprache des Vorgängermodells S-Type. Kam letzterer als klassisch-gediegene Nobel-Limousine daher, bietet der Neue mit seiner keilförmigen Karosserie und der nach hinten abfallenden Dachlinie deutlich dynamischere Formen. Die flache Windschutz- und Heckscheibe sowie die weit nach vorn gezogene und den verchromten Kühlergrill umrahmende Motorhaube unterstützen den Eindruck noch. Die einst eigenständigen runden Scheinwerfer sind hier nun in einer Einheit zusammengefasst. Am Heck trägt der Fünfsitzer schmale waagerechte Leuchten.
Der Innenraum ist mit Leder und Aluminium schnörkellos gestaltet und wartet mit einigen netten optischen Spielereien auf. So pulsiert etwa der serienmäßige Startknopf vor dem Anlassen des Motors rot, als wäre er das Herz des Fahrzeugs. Wird er gedrückt, fährt aus der Mittelkonsole ein Wählrad für die Fahrstufen der serienmäßigen Sechsgang-Automatik heraus; gleichzeitig öffnen sich die bis dahin verschlossenen Düsen der Klimaautomatik. Zumindest die ersten drei Mal ist das eine große Show. Da es zudem recht flott vonstatten geht, dürften sich auch prosaischere Naturen auf Dauer nicht genervt fühlen. Materialauswahl und Verarbeitung sind ordentlich, trotzdem stört das eine oder andere Kunststoffteil den Premium-Eindruck. Das Platzangebot hingegen ist großzügig, die Sitze bieten guten Seitenhalt und eine bequeme Sitzfläche, die Ablagen sind zahlreich und ausreichend groß dimensioniert. Im Fond herrscht aufgrund der flotten Dachlinie Raumnot für die Köpfe Großgewachsener, die Kniefreiheit ist ebenfalls schon eingeschränkt. Der Kofferraum liegt mit 500 Litern im Klassenschnitt.
Gefragtester Motor auf dem deutschen Markt dürfte der 2,7-Liter-Turbodiesel mit 152 kW/207 PS sein. Jaguar rechnet hierzulande bei diesen Triebwerk mit einem Verkaufsanteil von 70 Prozent. Für das unter anderem aus dem Flaggschiff XJ bekannte V6-Aggregat sprechen seine souveräne Kraft, der passable Verbrauch und seine Stellung als Einstiegsmotor. In der Basisaustattung ist die Limousine so ab rund 49 400 Euro zu haben, die deutlich leistungsstärkeren Benzinerversionen kosten mindestens 5 000 Euro mehr.
Doch schwachbrüstig ist auch der Diesel nicht; 435 Nm Drehmoment stehen maximal zur Verfügung und liegen bereits bei 1 900 U/min an. Das reicht für kraftvolles Beschleunigen vom Start weg und ist sogar als Zugwagen für einen Wohnwagen einzusetzen. Nach 8,2 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Auch bei höheren Geschwindigkeiten hat der Brite immer noch etwas zuzusetzen, maximal sind 229 km/h möglich. Als Verbrauch gibt der Hersteller 7,5 Liter auf 100 Kilometern an, in der Praxis dürfte es etwa ein Liter mehr sein. Beeindruckend niedrig hingegen ist das Geräuschniveau des Motors - er ist schlichtweg kaum zu hören. Weiterer Pluspunkt ist das gut abgestimmte Fahrwerk, das schlechte Straßen zuverlässig ausbügelt, kaum Abrollgeräusche entwickelt und die kräftige Limousine immer sauber auf Kurs hält. Der Heckantrieb sorgt gemeinsam mit der angenehm direkten Lenkung für gutes Kurvenverhalten. Alternativ zum Diesel sind ein V6-Benziner mit 175 kW/238 PS und ein V8-Ottomotor mit 219 kW/298 PS erhältlich. Top-Triebwerk ist eine kompressorgeladene Version des Achtzylinderaggregats mit stolzen 306 kW/416 PS Leistung.
Allein die Motorenpalette zeigt, dass der Jaguar deutlich über anderen oberen Mittelklässlern wie dem Audi A6 und BMW 5er positioniert ist. Preisgünstige Einstiegstriebwerke wird es für den Briten nicht geben. Ob die Kunden den Prestige-Preis für ein Auto zahlen werden, das nicht sofort als Jaguar erkennbar ist, muss sich zeigen. Ein mutiger Schritt in eine neue Richtung ist der XF aber in jedem Fall. Holger Holzer/mid
Technische Daten Jaguar XF:
Limousine der oberen Mittelklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4,96 Meter/1,88 Meter/1,46 Meter/2,91 Meter, Leergewicht ab 1 680 kg, Kofferraumvolumen 500 Liter, Motoren: 2,7-Liter-V6-Dieselmotor mit 152 kW/207 PS, max. Drehmoment 435 Nm bei 1 900 U/min, null auf 100 km/h in 8,2 Sek., Höchstgeschwindigkeit 229 km/h, Verbrauch 7,5 l/100 km, CO2-Ausstoß 199 g/km; Preis ab 49 370 Euro;
3,0-Liter-V6-Ottomotor mit 175 kW/238 PS, 293 Nm bei 4 100 U/min, 8,3 s, 237 km/h, 10,5 l/100 km Super, 249 g/km; ab 54 380 Euro;
4,2-Liter-V8-Ottomotor mit 219 kW/298 PS, 411 Nm/4 100 U/min, 250 km/h, 11,1 Liter Super, 264 g/km; Preis ab 62 180 Euro;
4,2-Liter-V8-Kompressor-Ottomotor mit 306 kW/416 PS, 560 Nm/3 500 U/min, 250 km/h, 12,6 Liter Super, 299 g/km; Preis ab 80 820 Euro.
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| Durchschnittspreis | 1.351 | 1.45 | 1.448 | 1.531 |
| Günstigster Preis | 1.305 | 1.405 | 1.405 | 1.484 |