Motorrad: Triumph Sprint ST - Allrounder im besten Sinne

Motorrad: Triumph Sprint ST - Allrounder im besten Sinne

Freitag März 27

Mit einer behutsam aufgewerteten Sprint ST buhlt Triumph um die Herzen der anspruchsvollen Sporttouring-Freunde. Für 12 740 Euro gibt es seit einigen Monaten diesen edlen Allrounder inklusive ABS. Doch das Highlight der Maschine ist der Antrieb. Er ist ein echter Wonneproppen: Es gibt kaum einen Drehzahlbereich, in dem der Dreizylinder Schwächen zeigt. Fast ab Standgas lässt sich der mit einer überarbeiteten Software versehene Motor sanft ans Gas nehmen und begeistert mit herrlichem Druck in allen Lebenslagen.

Gleichmäßig entwickelt der 1 050 ccm Hubraum-Kraftprotz seine 93 kW/126 PS, dank des enormen Durchzugs beschränkt sich die Schaltarbeit auf das Einlegen des letzten und sechsten Gangs und ab geht's. Auf der Autobahn mit respektabler Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h als ständige Triumph-Vertretung auf der linken Spur überzeugt die Sprint ST mit gigantischem Schub und bei Lenkmanövern mit exakt kontrollierbarem Leistungseinsatz. Überholvorgänge spult die Sprint ST souverän und lässig mit einem Zupfer am Gasgriff ab. Feine Vibrationen nerven nur um 5 500 Umdrehungen, ansonsten herrscht höchste Laufkultur. Nur im Stop-and-go-Betrieb strahlt der Dreizylinder unangenehm viel Wärme an die Innenseite der Beine ab.

Über alle Aktivitäten legt das Briten-Triebwerk ein markant heiseres Triple-Röhren, das ein wohliges Kribbeln in der Körpermitte verursacht - dieser Motor geht ins Ohr, in den Magen und ins Hirn. Glücklicherweise nicht ins Geld, denn für die flotte Fahrt geht der Motor erfreulich sparsam mit dem Sprit um. Selbst auf engagierten Autobahnetappen schlürft die Einspritzanlage weniger als sechs Liter aus dem 20-Liter-Tank, was immer noch zu knapp 340 Kilometer Aktionsradius reicht.

Dabei verwöhnt die noble Britin mit ausgezeichnetem Fahrverhalten, das sie den hochwertigen, recht sportlich abgestimmten Fahrwerkskomponenten verdankt. Dabei sind die Federelemente in der Federvorspannung auf Zusatzbeladung einstellbar, hinten sogar hydraulisch per Schraubenzieher. Zudem lässt sich dort die Zugstufendämpfung variieren. Im Solobetrieb genügt die Werkseinstellung für ein unglaublich stabiles und neutrales Verhalten, auf der Autobahn liegt die Britin stoisch und ruhig bei jedem Tempo. Trotz des guten Geradeauslaufs benimmt sie sich bei Passfahrten alles andere als störrisch, lässt sich vielmehr leichtfüßig einbiegen und beschwingt durch die Kehren schwingen. Ihr relativ hohes Gewicht macht sich dabei kaum bemerkbar. Zurzeit gibt es wohl kaum ein Reisemotorrad, das Souveränität und Agilität in einer solch überzeugenden Kombination anbietet. Vor zuviel Chuzpe bewahren die effektiven, gut dosierbaren Nissin-Vierkolbenzangen, die zudem mit einem ABS bewehrt sind. So gesichert greift man bedenkenlos in die Tasten und verzögert die Fuhre fast nach Belieben.

Was Reisefreunde besonders freut: Die Ergonomie fällt sehr gelungen aus, tourensportlich kompakt und selbst auf langen Fahrten nie unkomfortabel. Umgekehrt bietet das Arrangement im Kurvenareal den gewünschten innigen Kontakt zum Bike. Wind und Wetter haben hinter der Verkleidung keine Chance, nur ein etwas höheres Geräuschniveau ist zu monieren. Die beiden serienmäßigen Koffer fügen sich harmonisch ins Bild ein, sind innen aber ziemlich zerklüftet und mit einem umständlichen Öffnungsmechanismus versehen. Ähnliches gilt für die Spiegel mit den integrierten Blinkern: Sie sehen schick aus, doch schon bei langsamer Fahrt kann man in den vibrierenden Teilen kaum noch etwas erkennen. Dass neuerdings ein Stahltank die Verwendung eines Magnettankrucksacks erlaubt, verbessert den Stauraum deutlich.

Unter den großen Sporttourern nimmt die Triumph eine Ausnahmestellung ein, die sie dem bärigen Dreizylinder und ihrer angeborenen Agilität verdankt - die Sprint ST ist ein Allrounder im besten Sinne. Thilo Kozik/mid

Teststeno Triumph Sprint ST:
Straßenmotorrad mit flüssigkeitsgekühltem Reihen-Dreizylinder-Viertakt-Motor, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 1 050 ccm , max. Leistung 93 kW/126 PS bei 9 250 U/min, max. Drehmoment 105 Nm bei 7 500 U/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, Sechsganggetriebe, Leichtmetall-Brückenrahmen, Upside-Down-Telegabel, Aluminium-Einarmschwinge mit angelenktem Zentralfederbein, zwei Scheibenbremsen vorn, eine hinten, ABS, Sitzhöhe 80,5 cm, Tankinhalt 20,0 Liter, Trockengewicht 210 kg; Preis 12 740 Euro.


 
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