- extreme Leistung |
- heftiger Verbrauch |
- kaum Wanken in Kurven |
- recht hart ausgelegt |
- schön, löst positive Reaktionen aus- auch innen schick und perfekt verarbeitet |
- günstiger als die Konkurrenz bei höherem Coolness-Faktor- enorme Serienausstattung |
Schwere Qualität
Der Wagen wiegt über 2,3 Tonnen - ein VW Crafter Lieferwagen wiegt 300 Kilogramm weniger. Passend dazu die beiden Ganzmetall-Zigarettenanzünder für Front und Fond: Beide liegen richtig schwer in der Hand und prahlen mit der Aufschrift "Made in Germany". Und noch etwas liegt anders in der Hand: Das Lenkrad ist ungewöhnlich dünn. Wir greifen nicht in einen saftig-fetten Lederring sondern in einen harten Kreis. So können wir den Bentley Continental GT Speed prima mit zwei Fingern um die Kurven melken. Den geriffelten Aluminium-Gangwahlhebel lassen wir ebenfalls gerne gegen unsere Handfläche drücken, und es macht einen Riesenspaß, den Bentley-Knopf auf dem Hebel zu drücken, um zum Beispiel in den Rückwärtsgang zu schalten.
Schönere Zeit
Das Bentley-Logo begegnet uns nicht nur auf dem Wahlhebel für den richtigen Gang. Es sitzt auch noch im Zentrum des Lenkrads und wurde zudem mit geübter Hand in die Rücklehnen unserer Sitze gestickt. Und keinen stört es, ein Bentley kann sich so was erlauben.
Noch eine Bemerkung zum Lenkrad: Die schmalen Schaltwippen sitzen ungewöhnlich weit vom Volant entfernt, so dass wir sie nur mit unseren Fingerspitzen erreichen. Außerdem schweben sie in einer Höhe, wo wir den Blinkhebel vermuten - aber das ist alles Gewöhnungssache. Der Drehschalter für die Lichtfunktionen wird komplett von der linken Lenkradspeiche verdeckt, wir müssen einfach wissen, wo er ist. Ansonsten ist alles ergonomisch eingerichtet und sorgt für Entspannung hinterm Steuerrad. Die metallenen Schiebeschalter für die Lüftung lassen ein uriges mechanisches Feeling aufkommen. Das Navi kommt uns aus dem VW Phaeton bekannt vor. Im Fond lassen sich noch zwei formschöne Kleiderhaken aus dem Dach klappen. Und beim Blick auf die serienmäßige Breitling-Uhr haben wir eine schönere Zeit.
Auf Luft gebaut
Der Bentley Continental teilt sich eine Plattform mit dem VW Phaeton. Und so hat er auch vier große Luftbalge neben den Rädern, die für eine sanfte Federung zuständig sind. Aber der Brite liegt straff auf der Straße, Schlaglöcher sind in Kombination mit den serienmäßig angeschraubten 20-Zoll-Felgen zu spüren. Daran ändert sich auch nichts, wenn wir das verstellbare Fahrwerk per Knopfdruck und Drehregler auf maximalen Komfort einstellen. Allerdings sind alle anderen Garstigkeiten der deutschen Straße wie Eisenbahnübergänge, Querrillen und Risse kein Problem - sie dringen höchstens akustisch ins Innere des Wagens. Zum Wanken in Kurven neigt das gewichtige Gefährt kaum und in der härtesten Federungseinstellung fast gar nicht. In jeder Kurve sind wir erstaunt, wie überaus sportlich der Bentley um die Biege geht. Allerdings spüren wir auf engen Landstraßen-Kurven und geschwungenen Autobahnen die 2,3 Tonnen Lebendgewicht - sie wollen nach außen. Der Unterschied zum reinrassigen Sportler tritt in der Kurve am deutlichsten zutage.
Biss in den Teller
Rundum innen belüftet sorgen vorne Scheibenbremsen der Dimension 405 x 36 und hinten immerhin noch 335 x 22 Millimeter für die Umsetzung des Vortriebs in Wärme. Und die mit ihrer Pizzateller-Größe momentan größten Serien-Bremsen am Kfz-Markt werden mit dem ernormen Vorwärtsdrang des GT Speed locker fertig. Kühlt der Wagen von 300 auf 80 km/h runter, haben wir das Gefühl, dass uns jeden Moment ein Fußgänger überholen könnte, so eindringlich ändert sich das Geschwindigkeitsgefühl. Fading ist dem Bremssystem auch nach harten Bergfahrten fremd und wer es richtig krachen lassen will, kauft sich für 14.994 Euro einen Satz Keramikbremsen. Rechtzeitig zum Stehen kommen wir auch mit dem rekordverdächtigen Serienbremssatz, aber die Keramikapparatur bringt halt Prestige und ein gutes Gefühl. Für 200 Euro weniger gäbe es aber auch einen VW Polo 1.4 Trendline - irgendwomit müssen schließlich auch die Hausangestellten fahren.
Absolut direkt
Und die Lenkung? Um das Fahrzeug auch bei furchteinflößend hohen Geschwindigkeiten präzise auf Kurs halten zu können, hat sich Bentley so einiges einfallen lassen. Ein großer Teil der Aufhängung wird aus besonders leichtem Aluminium gefertigt. Der GT Speed kommt zudem in den Genuss von fest montierten vorderen Hilfsrahmen. Hinzu kommen Radträger aus hochfestem Aluminium und steifere Lagerbuchsen an den Hinterachsen. Es scheint zu wirken: Ist die Straße auch noch so eng und gewunden, das Handling bleibt bemerkenswert genau. Dabei ist das fahrende Stück Luxus kaum mit einer Untersteuerungs-Tendenz unterwegs, was unter anderem an den für die Speed-Version des GT modifizierten Stabilisatoren liegen kann.
Deutsches Herz im Briten
Seine unbändige Leistung von 610 PS werden dem Briten von einem deutschen Herz eingehaucht: Der W12-Twinturbo stammt von VW. Mit viel Raffinesse wurde er auf 50 PS mehr gebracht als beim Serienmodell ohne "Speed". So werkeln in dem 750-Newtonmeter-Triebwerk leichtere Stößelstangen und eloxierte Kolbenringe, die höhere Drücke aushalten. Wir lassen den Wagen mit dem beinahe die Fahrertür berührenden Zündschlüssel an. Die Musikanten im Motorraum lassen sich nicht bitten, stimmen ein eindringliches Grollen an, was außen deutlich stärker zu vernehmen ist als in der Kabine. Wir drücken den Knopf auf dem Gang-Wahlhebel und ziehen den Griff in die Position "Drive". Dann geben wir Gas.
Kommt wie ein Gewitter
Die serienmäßig für die Einteilung der Gänge zuständige Sechsgang-Automatik gönnt sich einen kurzen Moment der Ruhe. Dann kommt der Boom. Über alle vier Räder werden die Momente in den Asphalt geleitet, was nur selten ein ganz kurzes Durchdrehen zur Folge hat. Der Wagen drückt unwirklich nach vorn - die Gegenwart rutscht nach hinten aus den Räumlichkeiten, wir sind für einen kurzen Moment in der Zukunft unterwegs. An der nächsten Ampel löst sich unsere Zeitkapsel wieder auf, die Gegenwart schwappt zurück in die Kabine. Dabei dreht das Orchester im Motorraum kaum auf - der Bentley prollt nicht mit übertriebener Lautstärke rum. In 4,5 Sekunden fällt die Tempo-Hundert-Marke, Schluss mit Geschwindigkeits-Luxus ist erst bei 326 km/h. Nur zum Vergleich: Ein 11er Turbo kommt gerade mal auf 310 km/h.
Ran ans Öl
2,3 Tonnen in 4,5 Sekunden auf 100 km/h und maximal 326 km/h - das muss Folgen haben. Beim Bentley steht das gute und natürlich nicht günstige Super Plus auf dem Speiseplan. In unserem Test versanken durchschnittlich 20,2 Liter Sprit in der Wut der Flammen. 396 Gramm CO2 schießen die Gewehrlauf-Endrohre pro Kilometer in die Umgebung, ein immenser Wert. Allerdings kein Grund, in spontanen Hass zu verfallen - der Wagen ist ein seltener Zeitgenosse. Alle Toyota Prius zusammen stoßen tausendmal mehr Kohlendioxid aus als die Summe aller Bentley Continental GT Speed. Und noch ein Tipp: bei 140 km/h passt einfach alles - wir werden von einer Welle der Ruhe getragen, mit jedem geschwebten Meter steigt der Erholungseffekt. Äußere Hektik ist vollkommen abgeschaltet.
Konzept der Perfektionierung
Die Sechsgang-Automatik spielt mit. Weich beim Cruisen, lässt sie den Motor schön ausdrehen, wenn es um Beschleunigung geht. Beim Runterschalten huscht ein zartes Zwischengas-Grollen in unsere Ohren. Ein Suchen nach dem richtigen Gang oder nerviges Verschalten ist nicht drin - auch an dieser Stelle bleibt der vornehme Brite unbedingt bei seinem Stil: Perfektionismus.
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| Durchschnittspreis | 1.154 | 1.175 | 1.175 | 1.258 |
| Günstigster Preis | 1.114 | 1.129 | 1.129 | 1.189 |