Blick aufs Dach
Übersichtlichkeit stand anscheinend nicht im Lastenheft der X6-Designer: Durch die Schießscharten-artige Heckscheibe sind gerade mal die Dächer des nachfolgenden Verkehrs zu sehen. Kleine Fahrzeuge verschwinden komplett im toten Winkel des Hecks. Ohne das leicht pixelige Bild der 520 Euro teuren Rückfahrkamera ist rückwärts Einparken kein Spaß. Den Blick nach vorne kann sich der X6-Fahrer hingegen mit dem 1.390 Euro teuren Head-up-Display versüßen. Eine Möglichkeit, die Fahr- und Navigationsdaten in die Frontscheibe zu spiegeln, bietet Porsche nicht.
Old School
Der Cayenne gibt sich auch innen erwartungsgemäß als Cayenne. Immerhin kann er gegenüber dem X6 mit fünf Sitzplätzen punkten - zu einer Vierer-Konfiguration konnte man sich bei Porsche erst im neuen Panamera hinreißen. Die Sitze des Cayenne sind ausgesprochen bequem, keine Spur von Sportlichkeit. Typisch Porsche: der Wust an Knöpfen rund um den etwas tief sitzenden Navi-Bildschirm. Die aus diversen VW-Modellen bekannte, mittig zwischen den Rundinstrumenten sitzende Multifunktionsanzeige macht hingegen aufgrund ihrer Klarheit Freude. Wegen der großen, beinahe senkrecht abfallenden Heckscheibe, ist der Cayenne deutlich übersichtlicher als sein Herausforderer aus Bayern. In Sachen Verarbeitung schenken sich die beiden Kontrahenten nichts - beide liegen auf höchstem Niveau.
Fahrwerk/Fahrverhalten
Das monströse Outfit des X6 lenkt nicht nur von seinem vergleichsweise kleinen Innenraum ab, auch an das Fahrwerk des Brockens denkt niemand. Dabei haben sich hier die Ingenieure besondere Mühe gegeben - der X6 sollte auf jeden Fall trotz seiner 2,1 Tonnen Lebendgewicht agil daherkommen. Und er kommt agil daher: Der X6 wischt um die Kurven, wie es viele kleinere und leichtere Fahrzeuge kaum können. Das Geheimnis dahinter: Sein Allradantrieb verteilt serienmäßig nicht nur die Kraft bedarfsgerecht zwischen vorne und hinten sondern kann auch noch das jeweils kurvenäußere Hinterrad beschleunigen, um den Grip zu verbessern. Erbärmlich und ein Dauerärgernis beim Rangieren ist dahingegen der Planeten-Umlaufbahn-mäßige Wendekreis von 12,8 Meter.
Ein bisschen polterig
Obwohl kleiner als der X6, bringt der Cayenne mit zirka 2,3 Tonnen Gewicht beinahe 200 Kilogramm mehr auf die Waage. In Sachen Lenkung und Bremsen liegt er mit dem X6 auf dem gleichen hohen Niveau, aber beim Fahrwerk kann der ebenfalls mit Allradantrieb ausgerüstete Stuttgarter nicht mithalten - zu häufig poltert er über Unebenheiten hinweg. Auch bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h wirkt der X6 souveräner als der Cayenne. Nur beim Wendekreis hat der Porsche die Nase vorn: 11,7 Meter sind 1,1 Meter weniger als beim BMW.
Motor/Getriebe
Das Herz unseres X6 stellt ein 3,0-Liter-Diesel mit 235 PS. Sein maximales Drehmoment von 520 Newtonmeter liegt bei 2.000 U/min an. Gas nimmt das Triebwerk unter ständigem Knurren gut an. Arbeitsfreudig schickt es die bayerische Blech-Blase auf Reisen. Maximal 210 km/h sind drin und auch bei dieser Geschwindigkeit macht das Aggregat keinen überforderten Eindruck. Und auf Tempo hundert ist der dicke Bayer in 8,0 Sekunden. Laut Hersteller wandern im Schnitt auf 100 Kilometer 8,2 Liter Kraftstoff durch die Brennräume - in unserem Test sind es 11,0 Liter.
Gemütliches Spender-Herz
Was in einem BMW nahezu eine Selbstverständlichkeit ist, ist in einem Porsche eine kleine Sensation: die Verfügbarkeit eines Dieselmotors. Aber Porsche ist zu klein, um einen eigenen Selbstzünder zu entwickeln. So hat man sich kurzerhand einen 3,0-Liter-Diesel von Audi geschnappt, den die Ingolstädter beispielsweise in ihr fettes SUV namens Q7 einklinken. Mit 240 PS leistet der Motor fünf PS mehr als das BMW-Triebwerk. Auch das maximale Drehmoment liegt mit 550 um 30 Newtonmeter höher als beim X6 und steht ebenfalls bei 2.000 U/min zur Verfügung. Im Betrieb knurrt der Diesel nicht, er nagelt. Das X6 Aggregat ist zwar etwas lauter, dafür klingt der Audi-Diesel eben mehr nach Diesel. Und hinsichtlich der Antrittsfreudigkeit fällt hier der Porsche hinter den BMW zurück. Geradezu gemütlich macht sich der Cayenne ans Werk. In 8,3 Sekunden, also 0,3 Sekunden langsamer als der BMW, kommt der Porsche auf 100 km/h, 214 km/h Höchstgeschwindigkeit sind drin. Dabei genießt der Schwabe den ihm zur Verfügung gestellten Brennsaft in vollen Zügen: Aus den laut Hersteller durchschnittlich 9,3 Liter pro hundert Kilometer werden in unserem Test 12,0 Liter - der Porsche verbraucht also auf 100 Kilometer einen Liter mehr als der BMW.
Serienmäßig Sechstufen-Automatik
Sowohl der X6 als auch der Cayenne teilen ihre Momente serienmäßig über eine Sechsgang-Automatik ein. Verschalten oder Ruckler gibt es bei beiden nicht. Aber der X6 scheint auch hier leicht sportiver abgestimmt zu sein - die Gangwechsel erfolgen spontaner und der Automat unterstützt die Arbeitsfreudigkeit des Aggregats etwas besser als beim Porsche.
Preis/Kosten
Mit BMW und Porsche treten hier zwei Hersteller gegeneinander an, bei denen sich niemand der Illusion hingeben muss, mal ein Neuwagen-Schnäppchen schießen zu können. Im Einstiegspreis ist der X6 mit 57.900 Euro etwas teurer als der Cayenne, für den 56.859 Euro aufgerufen werden. Allerdings hat der X6 beispielsweise auch noch einen Tempomaten, eine Klimaautomatik (beim Porsche manuell), Einparksensoren für hinten, 19-Zoll-Leichtmetall-Felgen, und Xenonlicht in der Basisausstattung mit an Bord. Wer diese Technik auch beim Cayenne haben will, muss dafür insgesamt 5.343 Euro hinlegen. Hier sind dann zwar auch die Parksensoren für vorne mit dabei, aber am Ende liegt der Porsche preislich erheblich über dem X6. Und auch bei den jährlichen Fahrzeugkosten kann der BMW punkten: Laut www.adac-autokosten.de schlägt der Bayer bei einer Haltedauer von fünf Jahren und einer Jahres-Kilometerleistung von 15.000 Kilometer mit 10.192 Euro pro Jahr zu Buche. Für den Porsche werden 10.760 Euro fällig - 568 Euro mehr als beim X6.
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