Donnerstag August 28
Der Sitzkomfort in Pkw hat heute einen Stand der Perfektion erreicht, der noch vor 40 Jahren kaum vorstellbar war. Erst in den letzten zehn bis 15 Jahren hat die Entwicklung große Fortschritte gemacht. So hat laut Andrew Leuchtmann, Leiter Produktenwicklung Sitze der Adam Opel AG, Opel rund 50 Millionen Euro in die Neuentwicklung eines Sitzes einfließen lassen, wie er anlässlich des Workshop Sitzkonzepte in Rüsselsheim verlauten ließ. Ergebnis ist nun der optionale Premium-Sitz im neuen Insignia, den die "Aktion Gesunder Rücken" (AGR) prompt mit ihrem Gütesiegel ausgezeichnet hat.Dabei haben die modernen Hightech-Sitze spartanische Vorfahren. Ende des 19. Jahrhunderts thronten Autofahrer noch wie auf einem Kutschbock hinter dem Steuerrad. Der Überblick war grandios, doch der Sitzkomfort auf dem gepolsterten Brett ähnelte dem eines Esstischstuhles. "Das preußisch korrekte Sitzen ist eigentlich angemessen, aber auf Dauer zu anstrengend", kommentiert das der Orthopäde Professor Erich Schmitt, während er einen Opel Patent Motorwagen aus dem Jahre 1899 erklimmt, um eine kurze Reise durch die Geschichte der Automobilsitze zu unternehmen. Schmitt war lange Jahre Leiter der Abteilung für Wirbelsäulenerkrankungen der Orthopädischen Universitätsklinik Frankfurt und engagiert sich nun bei der AGR, die eine Schnittstelle von medizinischer Fachwelt zur industriellen Forschung bildet.
Im Opel Olympia von 1950 wippt Schmitt gemütlich auf und ab. Die Polsterung ist weich und bequem, doch an Sicherheit oder Rückenschonung hatte zur damaligen Zeit noch keiner gedacht. Nachdem die - zunächst nicht einmal arretierbare - Kippfunktion und die Längsverstellung in den 50er Jahren Einzug gehalten hatten, hat mit die weitere Verfeinerung der Ergonomie begonnen. So waren Kopfstützen und Höhenverstellung des Sitzes im Opel Monza von 1978 bereits ausgereift. "Sehr ordentlich", bewertet Schmitt den weichen, grünbezogenen Sitz im 70er-Jahre-Stil. "Auch die Oberschenkelabstützung, also die Länge des Sitzes, ist sehr wichtig, um den Rücken zu entlasten".
Immerhin rund 40 Prozent aller Autofahrer verbringen mehr als anderthalb Stunden pro Tag hinter dem Steuer. Und laut Medizinern und Therapeuten ist ausgerechnet dies die schädlichste aller Sitzhaltungen, die der Mensch am Tag einnimmt. Es ist daher nicht überraschend, dass Wirbelsäulenerkrankungen an der Spitze der Volkskrankheiten liegen. Das Sitzen an sich macht zwar nicht krank, stellt jedoch eine Druckbelastung für die Wirbelsäule dar, wenn nicht die natürliche Krümmung, die Lordose, unterstützt wird. Bei einer Dauerbelastung wie beim Autofahren gilt es, den Druck auf die Bandscheiben zu vermeiden.
Gesunde Autositze müssen möglichst flexibel sein."Regelmäßiges leichtes Verstellen der Rückenlehne während der Fahrt bewirkt eine unterschiedliche Belastung der Muskelpartien und beugt so Verkrampfungen vor", so Schmitt. Der neue Premium-Sitz des Insignia hat eine Längenverstellbarkeit von 270 Millimetern und eine Höhenverstellbarkeit von 65 Millimetern - das sind weltweit die besten Werte. Auch an Schaumstoff und Bezug hat Opel weitere Verbesserungen vorgenommen. Die Rückenlehne hat eine großflächige, elektropneumatische Lendenwirbelstütze und eine zusätzlich verlängerbare Sitzfläche, um die Oberschenkelauflage zu optimieren.
Trotz der technisch klingenden Produktbeschreibung mangelt es nicht an Bequemlichkeit. Denn auch an das subjektive Empfinden hat Opel gedacht und die Sitzfläche etwas aufgeplüscht. Für einen Aufpreis von 350 Euro ist der Sitz ab Jahresende in dem neuen Mittelklassemodell Insignia erhältlich. Für Vielfahrer und Sitzriesen ist er also eine überschaubare und lohnenswerte Investition. Renate Freiling/mid
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