- dank Turbo jetzt spritzig genug |
- geringe Reichweite, zu wenig Tankstellen |
- straffe Lenkung, ausgewogene Federung |
- wankt in Kurven, lautes Abrollen |
- viel Platz, variables Sitzkonzept |
- Navi mit eklatanten Schwächen |
- dank Steuerermäßigung bis 2018 günstiges Erdgas |
- teilweise weite Umwege zur Tankstelle nötig |
Erdgas-Tankstellen-Netz: zu löchrig?
Etwas über 850 Erdgas-Tankstellen gibt es in Deutschland. An den Zapfsäulen steht auch manchmal "CNG", die Abkürzung für "Compressed Natural Gas". Das konkurrierende Produkt Autogas "LPG" (Liquefied Petroleum Gas) wird momentan an 5.364 Tankstellen angeboten (Stand September 2009). Es gibt also um den Faktor sechs mehr Auto- als Erdgastankstellen. Aber davon lassen wir uns nicht bange machen: Wir haben schließlich einen gedruckten Erdgas-Tankstellenatlas dabei und Opel gibt an, dass unser Navi CNG-Tankstellen findet. So greifen wir zum Start gleich aufs Navi zurück, da uns die Verwendung des guten alten Atlas etwas antiquiert vorkommt.
Neben der Spur
Was uns als Erstes auffällt: An der gesamten A9, die München mit Berlin verbindet, gibt es keine einzige Erdgastankstelle. Das Gleiche gilt für die A93, auf welcher wir eine Vollsperrung der A9 umgehen wollen. Auch sonst herrscht in dieser Beziehung in Deutschland Ebbe: Null CNG-Tankstellen liegen direkt an den beliebten Schnellfahr-Verbindungen. Im Gegensatz dazu leuchtet uns nur allzu oft schadenfroh das LPG-Schild von Autobahntankstellen an. Ein paar Autohöfe mit Erdgas-Tanke kommen den Autobahnen zwar nahe, aber wir müssen in jedem Fall runter von unserer Route. Egal, wir düsen los, standardmäßig fährt unser Wagen im Erdgasmodus. 21 Kilogramm des brennbaren Gases sollen in die Druck-Tanks des Zafiras passen. Per Knopfdruck können wir auf die 14 Liter Benzin-Reserve umschalten - von der wir unter allen Umständen die Finger lassen wollen.
Das erste Mal Tanken
Kurz vor Regensburg müssen wir erstmals tanken. Aber mit dem Navi eine CNG-Tankstelle zu finden, gestaltet sich umständlich: Wir müssen die aktuelle Routenführung beenden, dann nach Sonderzielen suchen, die Unterkategorie "Tankstellen" wählen und dann die Liste durchscrollen. In der Liste sind grundsätzlich sämtliche Tankstellen der Gegend aufgeführt, die mit Erdgas-Angebot tragen zusätzlich das Kürzel "CNG". Ausschließlich nach CNG-Zapfstellen suchen können wir nicht. Entfernung zur nächsten Erdgas-Zapfe für uns: sieben Kilometer.
Zeit und Nerven
Wir erreichen unsere Tankstelle in Regensburg, müssen aber erstmal warten - den einzigen Erdgas-Zapfrüssel belegt ein anderer Zafira. Und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis die paar Kilogramm Gas in den Tank gezischt sind. Außerdem wollen wir unsere Benzin-Reserve randvoll machen. Also gehen wir in den Tankstellen-Laden, lassen die Zapfsäule auf null zurückstellen, schrauben den fummeligen Tankdeckel aus seiner Ecke und lassen Benzin in den Stutzen - bis wir den Flüssigkeits-Spiegel sehen können. Zurück auf der Autobahn haben wir einen Umweg von beinahe 15 Kilometer gemacht und zirka eine halbe Stunde eingebüßt. Dass wir wegen eines defekten Ventils nur halb soviel Gas mitnehmen konnten wie angegeben, ist uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht richtig klar. Wir wollen jetzt mal den Gastank richtig leer fahren - und sind erstaunt, mit welch ambitionierter Geschwindigkeit der Tank-Zeiger Richtung "null" zieht. In der Nähe von Wunsiedel geht dann ein spürbarer Ruck durch den Wagen - der CNG-Tank ist leer, was mit einer automatischen Umstellung auf Benzinbetrieb verbunden ist. Ein Waschpark in Wunsiedel soll laut Navi Erdgas führen. Wir fahren hin - die Gegend ist bestimmt wunderschön, aber nachts bei Regen interessiert uns das nicht.
Das Navi machts nicht viel leichter
Wir fahren ins fahle Licht der Automaten-Tankstelle und sehen, dass da ein Erdgasschlauch zu fehlen scheint. Zum Glück hängt auf der anderen Seite der Säule doch ein Rüssel. Das Tanken über die EC-Karte funktioniert prima. Zurück auf der Autobahn haben wir mehr als eine weitere halbe Stunde Umweg auf der Uhr - und unser Tank fasst anscheinend nur 9,5 Kilogramm Gas - womit wir zirka 150 Kilometer weit kommen. Wir müssen also noch zweimal tanken, um bis nach Berlin zu gelangen.
Navi-Sorgen
Nachdem uns unser Navi bei der Tankstellensuche mitten im finsteren Wald mit der Nachricht überrascht: "Ziel erreicht", planen wir die weitere Route mit dem Atlas. Dort sehen wir von vornherein, welche Tankstellen nahe an der Autobahn liegen und welche noch geöffnet haben. Schließlich wird es nach 22:00 Uhr in Sachen Erdgas in der Provinz duster: 38 Prozent der CNG-Tankstellen sind nicht 24 Stunden geöffnet. Mit anderen Worten: Nachts stehen dem Erdgas-Fahrer nur noch etwas über 500 Tankstellen in ganz Deutschland zur Verfügung. Eine richtige Hilfe wäre das Navi, wenn es auf Knopfdruck geöffnete Tankstellen in Fahrtrichtung fände - aber so eine Lösung ist nicht in Sicht. Das Zafira-Navigationssystem hat nicht mal alle Erdgas-Tankstellen parat und versucht sich manchmal mit eigenwilligen Routenführungen. So wird der Weg vom Ostseebad Bansin nach Berlin grundsätzlich mit einem kleinen 200-Kilometer-Schwenk über Polen berechnet. Und bei der links vor uns liegenden Tankstelle in Bansin höhnt es aus dem Lautsprecher: "Ziel liegt auf der rechten Seite". Auf dem Rückweg nachts erreichen wir eine Aral-Tankstelle in Finowfurt, die laut Navi noch 1,1 Kilometer entfernt sein sollte.
"Da jeht ja nüscht rin"
In Großstädten gibt es kein Problem mit Erdgas-Zapfstellen. Grundsätzlich werden die Tankstellen vom örtlichen Gasversoger über unterirdische Leitungen mit Gas beliefert. "Deshalb is dit bei uns so jünstich" sagt mir die nette Kassiererin an der Berliner "Go"-Tankstelle. Aber die Preise werden von den Gasversorgern diktiert. In Berlin zahlen wir 96 Cent, in Wunsiedel sind es nur 89 Cent. Am teuersten kommt uns der Erdgas-Spaß bei Motor Nützel in Bayreuth: 1,02 Cent pro Kilogramm macht einen Unterschied von 13 Cent zum günstigsten Anbieter im 50 Kilometer entfernten Wunsiedel. Wir verbrauchen im Schnitt 5,78 Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometer (bei über 130 km/h kommen wir schnell auf 9,15 Kilogramm), womit für diese Strecke unter sechs Euro fällig werden. In Sachen Kosten macht so ein Erdgaswagen Spaß - zumindest beim Bezahlen. Die geringe Reichweite kommentiert unsere Berliner Kassiererin mit einem mitleidigen "Da jeht ja nüscht rin".
Kein Spaß für die Betreiber
Und den Tankstellen-Betreibern scheint der Spaß am Erdgas auch zu vergehen: Zum einen ist für einen Anschluss ans Gasleitungsnetz ein enormer technischer Aufwand nötig, zum anderen liegt halt die Preisgestaltung in fremder Hand. Laut Aral, einer der größten Anbieter von Erdgas an Tankstellen, sind durch den rund um die Uhr laufenden Erdgas-Kompressor die Stromkosten pro Zapfstelle so hoch, dass in manchen Monaten eben nicht einmal die Energiekosten wieder hereinkommen. Mit anderen Worten: Der Verkauf von Erdgas ist für die Tankstellenbetreiber kein lohnendes Geschäft. Und an einigen Tankstellen kann man nur Erdgas zapfen, wenn man sich vorher an der Kasse eine Tankkarte holt - hier ist die Erdgas-Säule nicht mit dem normalen Kassensystem der Tankstelle verbunden. Ein schnell voranschreitender Ausbau des CNG-Tankstellennetzes ist nicht zu erwarten, schon gar nicht an Autobahnen. Laut Aral gibt es entweder in der Nähe von großen Autobahnen keine Erdgasleitungen oder nur solche mit einem zu großen Querschnitt, als das sich der technische Aufwand rechnen würde, dort einen Abzweig zu legen. Das Abfall-Produkt der Kraftstoffherstellung "Autogas" lässt sich hingegen bei geringeren Drücken deutlich billiger lagern.
Klare Zahlen
Und die Zahl der Autogas-Fahrzeuge liegt mit 306.402 im Jahr 2009 über fünf Mal so hoch wie die der Erdgas-Wagen (60.744 Fahrzeuge). Seit 2006 hat sich der Bestand an LPG-Fahrzeugen mehr als versiebenfacht, die Zahl der CNG-Wagen ist im gleichen Zeitraum gerade mal auf das Doppelte angewachsen. Ganz klar, in welcher Gas-Sorte die Tankstellenbetreiber die Zukunft sehen: Autogas. Übrigens: Der Anteil an Auto- und Erdgasfahrzeugen liegt zusammengenommen in Deutschland bei einem Gesamtbestand an Pkw von 41,3 Millionen Fahrzeugen bei zirka gerade mal einem Prozent.
Wenn das Ventil klemmt
Die besonders geringe Reichweite unseres Zafira hing mit einem zwischen den Tanks sitzenden verklemmten Ventil zusammen. Bei der Werkstattsuche fällt uns noch auf, dass nur ganz wenige Vertragswerkstätten auch Erdgasfahrzeuge reparieren. In unserer Werkstatt hören wir, dass so ein verklemmtes Ventil gar nicht mal so selten ist - schade bei einem Auto, dessen Reichweite ohnehin nicht die größte ist. Nach der Reparatur kommen wir im reinen Gasbetrieb beinahe 300 Kilometer weit.
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