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Ein Auto, zwei Meinungen: Lotus Exige S im Mann-/Frau-Test

Ein Auto, zwei Meinungen: Lotus Exige S im Mann-/Frau-Test
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München, 28. Dezember 2007 – Isabel und Matthias sind eines unserer Auto-Paare. Sie wohnen zusammen in einer WG, interessieren sich beide für Autos und vor allem – sie diskutieren gerne. Grund genug, die zwei für unseren Mann-/Frau-Autotest ein Wochenende lang einen rassigen englischen Sportwagen testen zu lassen. Der Lotus Exige S leistet mit Performance Pack noch einmal 22 PS mehr als die Standardversion. Ein Auto also, das Gesprächsstoff liefert und zeigt, dass unser Test-Paar nicht immer ganz einer Meinung ist.

Matthias: „Okay, das ist also der Lotus Exige S – oder heißt es die Exige? Ich bin mir nicht sicher, auf jeden Fall ist dieser Supersportwagen eine auffällige Erscheinung. Flach wie eine Flunder und windschnittig wie ein Torpedo. Ich bin gespannt, ob er auch so sprintet, wie er oder sie aussieht.“

Isabel: „Die Frage, ob männlich oder weiblich, habe ich mir auch schon gestellt. Ich würde eher „die“ sagen, aber auch die Fachleute sind sich in der Geschlechterdefinition nicht so recht einig. In manchen Artikeln steht „die“, in anderen „der“. Einigen wir uns einfach auf „der Lotus“, damit umgehen wir das Problem.“

Matthias: „Gut, damit kann ich leben. Aber sag doch, wie gefällt dir DER Lotus von außen?“

Isabel: „Also auf den ersten Blick erinnert er mich an den Roadster von Smart. Ich muss gestehen, dass ich gerade schon enttäuscht war, weil ich dachte, wir hätten das falsche Auto bekommen. Beim näheren Betrachten fallen mir die Rundungen an der Front auf. Das Coupé macht ein irritierend freundliches Gesicht, ganz anders, als man es von einem giftigen Sportwagen erwarten könnte.“

Matthias: „Ich sag es ja nicht gern, das weißt du, aber dieser Kommentar ist mal wieder typisch Frau. Ein Auto hat doch kein Gesicht – und freundlich schaut der englische Autobahnfeger auch nicht aus. Vielmehr sehe ich die abgerundeten Formen als Steigerung der Aerodynamik und der Bissigkeit. Schau doch mal, wie nah die Front am Asphalt ist. Und das, was du als Rundungen bezeichnest, sind feine Silhouetten in der Frontschürze und in der Haube.“

Isabel: „Okay, okay, ich sehe schon, in dir hat der Flitzer schon einen Freund gefunden. Jetzt lass’ uns aber mal über das Hinterteil sprechen, was sagst du dazu?“

Matthias: „Am Auto heißt das Hinterteil Heck, aber das nur am Rande. Ich weiß nicht so ganz, was ich von dem großen Spoiler halten soll. Von vorne finde ich ihn ganz lässig und sportlich, von der Seite sieht es so aus, als würde er das ganze Auto in die Luft ziehen und von hinten erinnert er mich ...“

Isabel: „Ich weiß, was du sagen willst. Von hinten erinnert er dich an eine Frittentheke. So wie in den Tuning-Reportagen bei den privaten Fernsehsendern. Mir geht es genau gleich. Sobald man die Perspektive wechselt, ändert sich meine Einstellung über den überdimensionierten Flügel. Richtig überzeugen kann er mich jedenfalls nicht.“

Matthias: „Ich bin ebenfalls nicht in der Lage mir eine definite Meinung zu bilden. Wie bei vielen Dingen kommt es auch hier auf die Betrachtungsweise an.“

Isabel: „Apropos Standpunkt: Hast du den großen Schlund vorne am Dach gesehen? Der sieht echt martialisch und futuristisch zugleich aus. So als würde er alles in sich hineinsaugen. Das finde ich super, so eine Öffnung würde mir an mehr Autos gefallen.“

Matthias: „Ja, ich weiß, was du meinst. Ich finde die Lufthutze auch ziemlich cool. Und wenn man den Blick weiter nach hinten schweifen lässt, erkennt man auch den Sinn und Zweck dieser Öffnung. Hierdurch kriegt der Sportwagen seine Luft zum Atmen. Aber jetzt lass’ uns mal einsteigen.“

Isabel: „War ja klar, dass du dich als erster auf den Fahrersitz wirfst. Aber ich kann ja warten und später ist der Flitzer dann auch schon warm. Dann kann ich dir mal zeigen, dass an meine Füße nicht nur Turnschuhe passen, sondern auch Supersportwagen.“

Matthias: „Na, dann bin ich ja mal auf deine Performance nachher gespannt. Jetzt bin aber erst mal ich an der Reihe. Was mir sofort auffällt, ist der überflüssige Rückspiegel. Gewohnheitsmäßig wollte ich ihn gerade einstellen, bis ich merkte, dass ich nur in den finsteren Motorraum blicken kann. Also, wenn es nach mir ginge, weg mit dem Teil. Die Sitze passen sich dem Körper ganz gut an, allerdings sollte man weder Fettsucht noch Platzangst haben, denn dann wird aus diesem Flitzer sehr schnell eine Sardinenbüchse und ein Grund seinen Therapeuten aufzusuchen. Ob man will oder nicht, man kommt sich hier drinnen doch sehr nahe, und Bein- und Kopffreiheit ist auch etwas anderes.“

Isabel: „Absolut richtig. Sogar mit 1,60 Meter fühle ich mich hier doch sehr beengt und – auch wenn du mein Lieblingsmitbewohner bist – ein bißchen mehr Platz zwischen uns wäre mir lieber. Übrigens, merkst du eigentlich, wie die Leute schauen? Oder bist du gerade zu sehr damit beschäftigt, die 243 PS zu zähmen?“

Matthias: „Ach echt, schauen die Passanten? Darauf muss ich mal achten, aber verdenken kann man es ihnen nicht. Bei so einem Eyecatcher würde ich auch hingucken und den Kopf verdrehen. Hast du mal auf den Sound gehört? Wow, die Kiste röhrt wie der König der Elche auf der Pirsch! Nur kurz das Gaspedal antippen und lauschen, das ist Musik in meinen Ohren.“

Isabel: „Hey, du wirst ja richtig literarisch! Was so ein Lärm, wenn er aus einem Auto herauskommt, nicht alles auslösen kann. Also wenn du mich nach dem Hörgenuss fragst, muss ich dich enttäuschen. Von außen ist der Sound ja ganz passabel, im Innenraum jedoch grenzt das schon an Trommelfellfolter. Aber wenn ich mich umdrehe, ist das auch kein Wunder. Es scheint, als hätten die Spezialisten aus England keine Sekunde mit dem Anbringen von Dämmmaterial verschwendet. Den Motorraum und uns trennt lediglich eine dünne Glasscheibe.“

Matthias: „Stimmt, dieses Auto eignet sich prima bei partnerlichen Streitigkeiten. Einfach Gas geben und ab 130 km/h versteht man weder sich selber noch seinen Nebensitzer. Auch mit weichen, ästhetischen Materialien haben die Briten nicht nur gegeizt, sondern sie gleich ganz weggelassen. Wenn man in den Fußraum blickt, hat man den Eindruck, als wäre das Gefährt noch in der Entwicklung.“

Isabel: „Oder wie in einem Spielzeugwagen. Man erwartet fast, dass sich anstatt Gashebel und Bremse Tretpedale befinden. Auch das Lenkrad sieht richtig mini aus. Würde da nicht Airbag draufstehen, man könnte glatt denken, das ist nicht echt.“

Matthias: „Was ich wirklich beeindruckend finde, ist, dass die anderen Autos plötzlich ganz andere Dimensionen haben. Bei dem 3er-BMW vorhin an der Ampel hätte man meinen können, er wäre ein Geländewagen. Teilweise hat man hier drinnen fast Angst, von den anderen Verkehrsteilnehmern übersehen und überrollt zu werden. Wir sitzen doch sehr tief unten.“

Isabel: „Oh ja, ich hab’ mich – als wir den Lastwagen überholten – auch richtig mulmig gefühlt. Der Lotus ist nicht viel höher als mancher Reifen. Man hat den Eindruck, wir könnten fast unter dem Lkw durchpassen.“

Matthias: „Ganz filmreif bei einem Truck unten durch, ja, das würde mir gefallen! Aber mal im Ernst: Vermutlich ist die Sorge übersehen zu werden nicht unbegründet. Hast du eigentlich schon den Anschluss für den MP3-Player entdeckt?“

Isabel: „Aber sicher, kennst mich doch. Leider kann man nur einen iPod anstecken und gerade diese Marke habe ich nicht. Trotzdem: Die Möglichkeit, das Gerät im Auto anzustöpseln, finde ich super. Wie den kleinen lustigen Getränkehalter, der aussieht wie ein zu klein geratener Basketballkorb. So viel Nützlichkeit wie sein muss, aber ohne Schnörkel.“

Matthias: „Ja, der Lotus kommt ohne überflüssigen Firlefanz und ohne Elektronik aus. Selbst die Außenspiegel muss ich beschwerlich von Hand einstellen. Und von einem ESP ist auch keine Spur.“

Isabel: „Ach du Armer, da musst du doch wirklich auf deine alten Tage noch Hand anlegen. Aber mal im Ernst: Wenig Schnörkel und den Fokus ganz auf die Funktionen gerichtet finde ich ja ganz gut, aber hier drinnen ist er mir echt zu spartanisch eingerichtet. Bei längeren Strecken tun mir als Beifahrerin die Beine und Füße weh. Wenn man alle möglichen Sitzpositionen ausgeschöpft hat, quält man sich von der einen Seite auf die andere.“

Matthias: „Das kann ich von meiner Position nicht sagen! Ich finde es super, wie mich die Geschwindigkeit in die Sportsessel presst und wie das Geschoss in sage und schreibe 4,2 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt! Und Schmerzen bereitet mir lediglich, dass du jetzt an der Reihe bist zu fahren.“

Isabel: „Endlich! Aber erst mal aus- und wieder einsteigen.“

Matthias: „Und das ist bei diesem Gefährt so eine Sache. Elegant sieht es nie aus, und man ist dauernd bemüht, nicht wie ein totaler Trottel dabei auszusehen. Als Schlangenmensch würde man wahrscheinlich eine ganz passable Figur machen, aber das sind wir ja beide nicht. Oder hast du mir eines deiner Talente verschwiegen?!“

Isabel: „Nein, du Scherzkeks! Mir geht es auch so, aber dafür macht das Geschoss unendlichen Spaß! Ich hätte große Lust, die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h auszureizen. Beim Sprint aus dem Stand hängt man auf jeden Fall gestandene Sportwagen ab.“

Matthias: „Oh ja, an der Ampel kann man mit Porsche und Co. konkurrieren, aber bei höheren Geschwindigkeiten ziehen wir mit unserem Lotus wieder den kürzeren. Ich finde übrigens die Tachoanzeige ziemlich tückisch. Dort wo sich in normalen Fahrzeugen die 120-km/h-Anzeige befindet, steht beim kleinen Briten schon 150 km/h. Da muss man sich doch ziemlich zurücknehmen, denn das Gaspedal ist sehr direkt und reagiert auf die kleinste Gewichtsveränderung. In Null-Komma-Nichts hat man die 80 km/h erreicht und bei den Blitzern schaut man dann unschön aus der Wäsche. Wobei, vielleicht kommt uns hier die Asphaltnähe zugute und die Kamera fotografiert lediglich unser Dach.“

Isabel: „Das wäre natürlich super. Aber sagen wir es mal so: Man sollte einfach seinen Gasfuß unter Kontrolle halten und mit Feingefühl vorgehen. Apropos gefühlvoll, das glatte Gegenteil davon ist hier drinnen die Federung. Man merkt wirklich jede Bodenwelle. Wer sich seinen Fahrspaß nicht verderben lassen will, sollte schlechte Straßen vermeiden.“

Matthias: „Unebene Straßen und die Stadt. Denn wenn du mich fragst, eignet sich der kleine Flitzer nur zum Beschleunigen. In Ortschaften, zum Beispiel beim Einparken, wünscht man sich doch ein alltagstauglicheres Auto. Die Lenkung ohne Servounterstützung geht doch sehr schwer und der Blick nach hinten ist komplett verbaut. Was mir dafür sehr gut gefällt an unserem Lotus ist die Straßenlage. Der Engländer klebt wirklich auf dem Asphalt und Serpentinen fahren macht damit einen wahnsinnigen Spaß. Wo andere Autos mit 40 km/h in die Kurve kriechen, kann man beim Exige nochmal aufs Gas gehen.“

Isabel: „Ganz deiner Meinung, Fahrspaß pur – aber ohne Gepäck. Denn in den Kofferraum, der sich direkt hinter dem Motor befindet, kriegst du gerade mal einen Kulturbeutel rein. Einkaufen gehen und Verreisen kannst du vergessen.“

Matthias: „Shoppen fällt flach, aber dafür bekommst du Fahrgefühl in Bestform. Ich würde zwar gut überlegen, 53.450 Euro für den Exige S hinzublättern. Hätte ich aber soviel Geld, mir einen Drittwagen zuzulegen, dann wäre es wohl genau dieser Sportwagen.“

Isabel: „Ich sag’ es ja nicht gern, aber du hast völlig recht!“

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