- laufruhiger Motor |
- durchzugsschwach bei niedrigen Drehzahlen |
- gute Straßenlage |
- speziell bei Langsamfahrt straffe Federung |
- optisch sehr präsent- hohe Qualität der Anbauteile |
- geringer Verbrauch |
- hohe Preise der Zubehörteile |
Leistungssteigerung um 60 PS
Der veredelte Tiguan macht allerdings nicht nur auf dicke Hose, er hat es auch ordentlich unter der Haube. Abt hat sich des Common-Rail-Diesels mit 140 PS Leistung angenommen. Es wird ein neuer Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und Ladeluftkühlung eingebaut. Hinzu kommt eine Optimierung des elektronischen Motormanagements. Als Resultat der Kraftspritze stehen 200 PS bereit.
Druck durch Drehzahl
Wie fährt es sich nun mit der Mehrleistung? Zunächst fällt im Vergleich zu den alten Pumpe-Düse-Dieseln aus dem Hause VW die Laufruhe des neuen Common-Rail-Aggregats auf. Dennoch dringt mit höheren Drehzahlen ein brummiger Unterton an das Ohr des Fahrers. Die zusätzlichen PS des VS4 machen sich hingegen recht spät ab etwa 2.000 Touren bemerkbar. Ein Blick auf die Daten bestätigt diesen Eindruck: Das maximale Drehmoment von 400 Newtonmeter liegt erst bei 2.400 Umdrehungen pro Minute an, während die 320 Newtonmeter des Serien-TDI bereits ab 1.750 Touren wirksam werden. Ein Blick auf den Drehzahlmesser des Abt-Tiguan unterstreicht die Forderung nach Umdrehungen, der rote Bereich beginnt dort erst bei 5.000 Touren.
Die zwei Gesichter des VS4
Um sich spritzig zu bewegen, ist daher der häufige Griff zum Schalthebel nötig. Leider ist die Arbeit am verzierten Knüppel recht freudlos. Grund hierfür ist die unpräzise Schaltung, speziell beim Einlegen des zweiten Gangs hakelt es des Öfteren. Allerdings trifft Abt hier keine Schuld, da das Serienteil unverändert bleibt. Das kurz übersetzte Getriebe bietet für jeden Teil unserer Himmel- und Höllefraktion etwas. Während das Teufelchen in uns durch Gas geben und fleißiges Hochschalten flott vorankommt, kann das Engelchen gemütlich mit 60 km/h im sechsten Gang dahinbummeln. Die gefühlte Dynamik des VS4 bekommt allerdings beim Blick auf die nackten Zahlen einen Dämpfer: Die Beschleunigung auf Tempo 100 vollzieht sich in 9,3 Sekunden. Trotz der 60 Mehr-PS liegt der Tuning-Tiguan damit gerade einmal 1,2 Sekunden unter dem Wert des Ausgangsprodukts. Ein Grund hierfür sind die 50 Kilogramm Mehrgewicht, die sich zu den bereits vorhandenen 1,6 Tonnen Leergewicht addieren. Dennoch ist der Leistungszuwachs im Vergleich zum 140-PS-TDI spürbar. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 207 statt bisheriger 186 km/h. Allgemein betrachtet sind natürlich "nur" 9,3 Sekunden Jammern auf hohem Niveau. Es sei aber unterstrichen, dass wir es hier es mit einer Leistungssteigerung zu tun haben, von der man im engsten Wortsinne mehr erwartet, zumal Abt hierfür über 4.000 Euro verlangt. Hinzu kommt, dass der von VW im Tiguan angebotene 170-PS-Common-Rail-Diesel in der Höchstgeschwindigkeit mit dem Abt gleichzieht und ihn in der Beschleunigung um vier Zehntel unterbietet.
Fahrwerk und Lenkung
Während wir im großzügigen Innenraum des VS4 sitzen, versorgt uns die durch Fahrwerksfedern modifizierte Federung mit Nachrichten zum Straßenzustand. Trotz einer Tieferlegung um 40 Millimeter bleibt ein ausreichender Restkomfort vorhanden. Menschen mit sensiblem Rücken sollten sich aber die Anschaffung der Federn genau überlegen, da der Grat zwischen gerade noch ausreichend und knüppelhart sehr unterschiedlich beurteilt werden kann. Bei schneller Autobahnfahrt, dem Revier des Abt, liegt der VS4 hingegen auffallend ruhig auf der Straße. Positiv hat uns die Lenkung gefallen. Obwohl bei unserem Testwagen 20-Zoll-Leichtmetallfelgen im 255er-Format montiert waren, ist kein erhöhter Kraftaufwand nötig, um den VS4 in die Kurven zu lenken. Zugute kommt dem Abt-Tiguan hier der Umstand, dass VW bereits ab Werk 19-Zöller mit 255er-Reifen anbietet und die Lenkung darauf vorbereitet ist.
Mehr Leistung: ein Fass ohne Boden?
200 PS, permanenter Allradantrieb und ein vergrößerter Turbolader - das klingt auf den ersten Blick nach der Lizenz zum Sprit vernichten. Wir sind unsere 177 Kilometer lange Verbrauchsrunde gefahren, die sich aus Stadtverkehr, Autobahn und Landstraße zusammensetzt. Am Ende stand ein Durchschnittsverbrauch von 7,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer zu Buche. Angesichts der Leistung und der Karosserieform des VS4 ist dieser Wert als äußerst respektabel zu bezeichnen. Zum Vergleich: VW beziffert die Werksangaben für den Verbrauch beim 140-PS-Diesel auf 6,9 Liter auf 100 Kilometer. Für den Selbstzünder mit 170 PS sind es sieben Liter und beim 200 PS starken 2.0 TSI-Benziner 8,9 Liter auf 100 Kilometer.
Kein preiswertes Vergnügen
Bietet der Abt VS4 also Spaß ohne Reue? Für den Gesamtumbau verlangen die Kemptener genau 20.014 Euro. Darin enthalten sind unter anderem der Motorumbau für 4.100 Euro, der Komplettradsatz für 6.140 Euro und das Karosseriekit für 6.383 Euro. Diese Beträge lassen das Vernunftsengelchen fast von unserer Schulter fallen. Man muss Abt aber zugute halten, dass die Modifikationen wie aus einem Guss wirken und mit einem hohen Aufwand im eigenen Haus entwickelt werden. Zudem beeindruckt die solide Qualität der Felgen und Spoiler. Zieht man einen Tiguan mit 140-PS-Diesel in der Basisausstattung Trend & Fun als Ausgangsprodukt heran, käme ein VS4 auf 49.208 Euro. Bestellt man bei VW noch zusätzliche Extras wie das große Panorama-Glasschiebedach. Ledersitze oder ein Navi-System, kommt man leicht über die Marke von 50.000 Euro.
Die Zielgruppe
Das Engelchen flüstert uns ins Ohr, ob denn der Abt VS4 Sinn macht. Immerhin würde sich für leistungshungrige Tiguan-Käufer auch der 170-PS-Diesel oder der 2.0 TSI mit 200 PS anbieten. Wir antworten ihm, dass dies streng rational sicherlich richtig ist, es aber dennoch zwei Käufergruppen für das Power-SUV gibt: zum einen diejenigen, die bereits einen Tiguan mit dem kleinen Diesel ihr Eigen nennen und nach Leistung dürsten, zum anderen jene, die gerne einen starken Diesel mit Automatik fahren würden. VW bietet nämlich für den 170-PS-Diesel kein DSG an, während Abt das im 140-PS-Selbstzünder verbaute Doppelkupplungsgetriebe dem gestiegenen Drehmoment anpasst.
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